DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TISSA
Nr. 295
22. Adar 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 30,11 - 34,35):
Volkszählung durch Tempelspende; Wasserbecken für
Priesterwaschung; Salböl; Räucherwerk; 2 Architekten des
Heiligtums; Mahnung zur Schabbathaltung; Sünde des goldenen
Kalbes; Moscheh zerbricht die ersten Gesetzestafeln; Tötung
der Kalbsünder; Moscheh und die göttliche Präsenz im
Versammlungszelt; Moscheh macht neue Gesetzestafeln; G~tt,
verspricht, bei der Eroberung Israels zu helfen; Mahnung, nicht
den Wegen der Bewohner zu folgen; Moscheh strahlt nach 40
Tagen und Nächten auf dem Berg Sinai.
 
 

Der Stand der Dinge...
Erziehung zu Liebe
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Unsere Nation wird erbaut und gefestigt werden, wird durch
ihre Wesenseigenschaften des Glaubens und der
Himmelsfurcht zu ihrer Macht und zu den Ursitzen ihrer
Lebendigkeit zurückkehren, d.h. durch ihren fürstlichen,
geheiligten göttlichen Inhalt, wird sich ausbreiten, überwinden,
vervollkommnen und ermutigen. Alle Erbauer der Nation werden
die tiefe Wahrheit dieses Punktes erkennen, und dann mit einer
Stimme voller Mut und Kraft über sich und ihr Volk lautstark
verkünden: Geht und laßt uns zu G~tt zurückkehren" (Orot
Hatschuwa, 15. Kap., §11).

Rabbiner Awraham Jizchak Hakohen Kuk, der treue Hüter und
Seher der Generation der Wiedererstehung, lehrte uns, daß wir
nur durch die Rückkehr zur jüdischen Tradition der spirituellen
und gesellschaftlichen Krise unserer Zeit entgehen können.

Nach dem Stand der Dinge drücken die Worte der neuen
Erziehungsministerin, Limor Livnat, die Kinder Israels müssen
zu Judentum und Zionismus erzogen werden, das aus, was in
den Herzen vieler, vieler Menschen im Volke Israel vorgeht, die
sich sehr um die derzeitigen spirituellen und kulturellen
Zustände sorgen. Diese Worte verdienen Lob, Stärkung und
Unterstützung. Entsprechend müssen in dem in der Vermittlung
von jüdischer Tradition und Kultur gescheiterten
Erziehungswesen grundlegende Änderungen stattfinden.

Diese Änderungen sind für die Nation gerade in dieser Zeit
unbedingt lebenswichtig. Der Weg zu einer erfolgreichen
Erziehung zu Judentum und Zionismus führt über die
Vermittlung von Respekt und Sympathie für die jüdische
Tradition. Besonders müssen bei der Erziehung die jüdische
Identität, die Einzigartigkeit und die Bestimmung der Juden als
Volk betont werden, das nicht nur für seine Existenz zu sorgen
hat, sondern der Menschheit Erleuchtung und Segen bringen
soll, wie G~tt zu unserem Vorvater Awraham sagte: "..und du
sollst ein Segen sein;... und durch dich sollen alle Geschlechter
des Erdbodens gesegnet werden" (Gen. 12,2-3). Es muß die
Bedeutung des Landes Israels gelehrt werden, sein positiver
Einfluß auf die ganze Welt als das gute Land, von dem die
Lehre für Alle ausgeht: "denn von Zion geht aus die Tora, und
das Wort G~ttes von Jeruschalajim" (Jeschajahu 2,3).

Es muß zur Liebe zu den Geschöpfen erzogen werden, zu
jüdischer Nächstenliebe, zur Liebe der Tora und des Landes
Israels. Erziehung zu Liebe und gutem Willen liegt nicht nur im
Rahmen des Möglichen, sondern ist eine unabdingbare
Notwendigkeit in unserer Generation, die so sehr Liebe benötigt
- und dazu wurden wir geboren. Die Erlösung und der Erlöser
kommen durch Liebe, wie wir jeden Tag beten: "..und bringt
einen Erlöser ihren Kindeskindern um seines Namens willen in
Liebe" (1. Segensspruch der Schmone-Esre).
 
 
Frage und Antwort

Alternative oder komplementäre Medizin?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ist es erlaubt, sich para-medizinischer, unkonventioneller
Heilmethoden zu bedienen, wie z.B. Akupunktur, Akupressur,
Reflexologie, Iridologie, Homöopathie und ähnlichem? Wie sieht
es mit der "Energieheilung" aus?

Antwort: Nach dem jüdischen Gesetz ist man verpflichtet, nur
die von den Ärzten jener Generation anerkannte und akzeptierte
Heilmethode anzuwenden. Wir vertrauen den Ärzten und der
Medizin. Das bedeutet nicht, daß nicht auch mal ein Fehler
geschehen kann, denn wie jedermann weiß, ändern sich die
Erkenntnisse der Heilkunst von Zeit zu Zeit. Unser großer
Lehrer, Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner
Israels) bewies, daß die Medizin in religionsgesetzlicher Hinsicht
nicht als sicher zu betrachten ist, sondern als zweifelhaft
(Responsen "Da'at Kohen", §140), und dennoch gebot die Tora,
den Ärzten zu folgen, wie es heißt: "und lasse ihn heilen" (Ex.
21,19) - von hier entnehmen wir die Erlaubnis für den Arzt,
seine Kunst zu praktizieren.

Warum brauchen wir dafür überhaupt einen Toravers - ist es
denn nicht sonnenklar, daß ein Arzt Menschen retten bzw. ihre
Leiden lindern darf? Keineswegs, erklärte der Torakommentator
Nachmanides in seinem Buche "Torat Ha'adam" im Kapitel "Von
der Gefahr" - wegen der Möglichkeit der Schädigung. Darum
brauchen wir die spezielle Erlaubnis vom Herrn der Welt, und
dann "gibt die Weisheit Schutz dem Weisen" (Prediger 7,19),
unter der Bedingung, daß der Arzt ein erfahrener Fachmann ist.

Man darf nicht jeder Heilmethode nachrennen, die sich
irgendjemand ausgedacht hat. Alles muß wissenschaftlich
erwiesen sein, unter Zuhilfenahme von Versuchen und
Beobachtungen, und nicht auf Hörensagen basieren, wie XYZ
auf diese oder jene Weise plötzlich geheilt wurde. Das beweist
überhaupt nichts, denn die Heilung kann einen ganz anderen
Grund haben. Viele Krankheiten heilen von ganz alleine, und
manchmal schlägt eine konventionelle Behandlung erst an,
nachdem der Patient bereits mit einer unkonventionellen
Behandlung angefangen hatte.

Diese Dinge sind zu ernst, als daß sich der Mensch dabei auf
äußeren Anschein und Hörensagen verlassen kann. Hier
müssen genau Beobachtungen und statistische Vergleiche
zwischen aussagekräftigen Versuchsgruppen herangezogen
werden, inklusive Verabreichung von Mitteln ohne Wissen der
Versuchsperson bzw. Leerpräparate, um psychosomatische
Erscheinungen zu neutralisieren.

Diejenige Medizin, die mithilfe aller wissenschaftlicher Mittel
dieser Zeitperiode erforscht und geprüft wurde, gilt als die
akzeptable und anerkannte.

Die Wissenschaft hält von vornherein nichts für unmöglich,
selbst Großmutters Heilmittel werden untersucht. Die Quelle ist
dabei nicht ausschlaggebend, und manchmal zeigt die
Erfahrung die Wirksamkeit eines Mittels, dessen
Zusammensetzung als Familientradition überliefert wurde. Die
Wissenschaft lehnt nichts von vornherein ab, doch akzeptiert
sie auch nichts ohne ausreichende Beweise. Im Mittelalter
behauptete seine Merkwürden Michel de Notredame, auch unter
dem Namen "Nostradamus" bekannt, er habe ein Mittel gegen die
Pest entdeckt, und die Spezialisten des Pariser Pasteur-Instituts
machten sich später daran, dieser Sache hinter verschlossenen
Türen auf den Grund zu gehen.

Im Sinne der Halacha gibt es demnach keine alternative
Medizin. Vielmehr ist sie als "komplementäre Medizin" zu
bezeichnen. Nicht "stattdessen", sondern "zusätzlich". Außer,
wenn es eher um eine Erhöhung der Lebensqualität geht, wo
keine Frage der Lebensgefahr besteht. Wenn jemand seinen
Schnupfen mit einem unkonventionellen Heilmittel zu kurieren
versucht und dabei keinen Erfolg hat, bedeutet das ja noch
keine Katastrophe. Über die meisten ergänzenden
Behandlungen läßt sich sagen, wenn sie schon nichts nützen,
so schaden sie auch nicht - außer dem Geldbeutel, doch das ist
eine andere Geschichte. Nur im Falle einer ernsten Krankheit
kann durch Vernachlässigung der konventionellen Behandlung
und anerkannten Wegen der Diagnose ein Schaden entstehen.

Darum sollte sich die alternative Heilkunde "komplementäre
Medizin" nennen, d.h. Ergänzung der herkömmlichen Methoden,
an ihre Stelle aber nur dann treten, wenn es um Verbesserung
der Lebensqualität ohne die geringste Lebensgefahr geht. Zwar
gehört der Kampf gegen jedes Weh und Leid auch zu den
Aufgaben der regulären Medizin, doch besteht dabei in den
meisten Fällen keine Lebensgefahr, und darum ist jeder
berechtigt, hierbei nach eigenem Gutdünken zu verfahren, auch
wenn es für seine Methode keine Beweise der Wirksamkeit gibt.

Vereinzelte Geschichten, wie dieser oder jener durch eine
bestimmte Methode geheilt wurden, beweisen rein gar nichts.
Einmal fragte jemand den weisen Rabbi Akiva: Ich weiß ja, daß
der Götzendienst ein Hirngespinst ist, doch möchte ich trotzdem
fragen; einmal wurde ein körperlich vollkommen ruinierter
Mensch in den Götzentempel gebracht, dort behandelte man ihn
mit alle möglichen Mitteln, und dann kam er ganz gesund
heraus. Diese Tatsache läßt sich nicht widerlegen! Da
antwortete ihm Rabbi Akiva: Es gab einmal einen
vertrauenswürdigen Menschen, bei dem man Geld ohne
Zeugen hinterlegte, außer Einem, der ihm nicht traute und bei
der Einzahlung immer Zeugen mitbrachte. Eines Tages vergaß
dieser mißtrauische Mensch seine Zeugen. Da sagte die Frau
des Bankiers: Zahl ihm sein Geld nicht zurück! Darauf erwiderte
er: Ja, das hätte er wirklich verdient, doch wegen eines Idioten,
der sich nicht zu benehmen weiß, werde ich nicht unseren guten
Ruf riskieren. - So verhält es sich auch, wenn der Herr der Welt
jemandem eine Krankheit schickt; gleichzeitig wurde bestimmt,
wann sie ihn verläßt, je nach Krankheit, körperlichem Zustand
und spirituellen Faktoren. Und sieheda, die letzte Stunde dieser
Krankheit hat geschlagen, und ausgerechnet jetzt wendet sich
der Patient an einen Götzen-Doktor. Da überlegt sich die
Krankheit: Wenn ich jetzt verschwinde, wird man die Heilung
diesem Götzendiener zuschreiben - vielleicht bleibe ich besser
noch ein bißchen? Doch dann beschließt sie, wegen dieses
Idioten nicht ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen.
Schweren Herzens macht sie sich davon, wie es heißt: "böse
und anhaltende (wörtl.: treue) Krankheiten" (Dt. 28,59) - ihrer
Bestimmung treu (Awoda Sara 55a). In gleicher Weise schrieb
auch Rabbiner Haj Gaon über Leute, die sich an Zauberer
wandten und geheilt wurden. Sie wurden nicht durch Zauberei
wieder gesund, sondern die Zeit der Krankheit war abgelaufen.

G~tt schuf den Menschen mit Weisheit, und viele Krankheiten,
die von alleine heilen. Manchmal besteht ein Unterschied von
nur zehn Prozent zwischen einer wirksamen und einer
unwirksamen Behandlung, der sich nur mit genauen
statistischen Mitteln nachweisen läßt. Darüberhinaus werden
Erfolge der alternativen Medizin groß herausposaunt, die
Mißerfolge aber tunlichst verschwiegen. Andererseits werden
die Mißerfolge der herkömmlichen Medizin breitgetreten, die
Erfolge aber als selbstverständlich abgetan.

Eine besonders verbreitete unkonventionelle Methode ist die
Homöopathie, die Behandlung mit vielfach verdünnten
Heilmitteln. Von wissenschaftlicher Seite gibt es dafür keine
akzeptable Erklärung, da praktisch nur eine winzige Menge oder
sogar überhaupt kein Wirkstoff in der Lösung verbleibt. Die
große Stunde der Homöopathie kam vor etwa 150 Jahren bei
der Cholera-Epidemie in London. Die Todesrate in den
homöopathischen Krankenhäusern betrug 18%, und in den
regulären 50%. Der Grund dafür bestand ganz einfach darin,
daß man in den regulären Krankenhäusern der Krankheit mit
Aderlaß und Brechmitteln zu Leibe rückte, was natürlich nichts
nutzte, im Gegenteil die Leute noch mehr gefährdete.
Heutzutage jedoch liegt die Todesrate in den homöopathischen
Krankenhäusern bei Cholera immer noch bei 18%, während sie
in den regulären Krankenhäusern fast auf Null abgesunken ist.
Wir können daraus entnehmen, daß man selbst bei
wissenschaftlichen Nachforschungen vor methodologischen
Mängeln auf der Hut sein muß.

Auf die Frage der Heilung durch "Energien" werde ich in einer
separaten Folge zurückkommen.

Möge es G~ttes Wille sein, allen Kranken seines Volkes Israel
vollständige Heilung zu schicken.

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 

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Jerusalem: 17.09/18.24
Tel Aviv: 17.27/18.26
Haifa: 17.19/18.25