DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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"Betrachtungen"
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den Rabbi"
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EMOR
Nr. 303
19. Ijar 5761
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen auf Französich
Diese Woche in
der Tora (Lev. 21,1-24,23)
Jom Kippur: Opferdienst
und Feiertag; Fleischgenuß nur von
Opfertieren; Verbot
des Blutessens; Verwandte usw., die zu
heiraten verboten
ist; weitere Sittlichkeitsgebote, um die Greuel
der Kana'aniter
zu vermeiden; Gebot und Versprechen, heilig zu
sein; div. Ge- und
Verbote und deren Strafen; Land von Milch
und Honig.
| Frage
und Antwort
Das Werden der Welt Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: G~tt schuf viele Welten und zerstörte sie, bevor
er diese
Welt ("Olam haseh") machte, in der wir leben. In dieser Welt
gibt es unheimlich viel Schlechtes, Kriege und Korruption...
Warum zerstört G~tt nicht auch diese und baut stattdessen eine
neue, bessere Welt?
Antwort: In der Tat unterscheidet sich diese unsere Welt von
den anderen, die G~tt schuf und zerstörte, und an deren Stelle
wieder andere, bessere Welten baute. Unsere Welt ist eine
Welt, die sich im Laufe der Zeit Stück um Stück
vervollkommnet. Als Rabbi Schimon bar Jochai und sein Sohn
Rabbi Elasar ben Rabbi Schimon aus ihrer Höhle hervorkamen
[in der sie sich 12 Jahre vor den Römern versteckt hatten],
sahen sie, daß die Menschen in materielle Dinge verwickelt
waren, anstatt sich mit den inneren Werten des Lebens zu
beschäftigen - "sie lassen das ewige Leben und befassen sich
mit dem zeitlichen Leben" (Schabbat 33b) Hierin erkannten sie
den Grund allen Übels und allen Unrechts. So "ging jeder Ort,
auf den sie ihre Augen richteten, in Flammen auf" (ebda.). In
ihren Gedanken erklärten sie jene Welt für wertlos und baten
um ihre restlose Zerstörung, um für eine bessere Welt Platz
zu
machen. "Da ertönte eine Hallstimme und sprach zu ihnen: Seid
ihr herausgekommen, um meine Welt zu zerstören? Kehret in
eure Höhle zurück." (ebda.). Ihr lehnt diese Welt ab und
wollt
sie gegen eine andere ausgetauscht sehen; im Prinzip habt ihr
recht, denn diese Welt befindet sich nicht im Zustand der
Vollkommenheit. Doch dies ist Meine Welt, Ich bin an ihr
interessiert und liebe sie, und Ich möchte, daß sie auf
dem
Wege der schrittweisen Vervollkommnung geführt wird.
Zwölf
Jahre lang lerntet ihr die absolute Wahrheit, und jetzt wollt ihr
die Welt entsprechend geführt sehen. Ihr habt recht. Doch kehrt
vorher nocheinmal in die Höhle zurück und lernt, wie dies
stufenweise zu bewerkstelligen ist.
"In zehn Aussprüchen ward die Welt geschaffen... Hätte sie
nicht in einem Ausspruch geschaffen sein können?" (Mischna
"Sprüche der Väter" 5,1). Unsere Welt wurde nicht plötzlich
auf
einen Schlag geschaffen, sondern langsam Schritt um Schritt.
Zweifellos hätte G~tt, wenn er es gewollt hätte, aus dem
Nichts
in einer Sekunde per Knopfdruck eine perfekte Welt hinstellen
können. Unsere Welt ist jedoch nicht der Ausdruck göttlichen
Vermögens, etwas auf einen Schlag zu schaffen - so wie die
Welten, die waren und zerstört wurden - sondern Ausdruck
göttlichen Vermögens, abgestuft zu schaffen, Eins nach dem
Anderen, mit unendlicher Geduld, die sich auch nachher
offenbart: "Zehn Geschlechter von Adam bis Noach, zu zeigen,
wieviel Langmut vor seinem Angesichte waltet, da alle diese
Geschlechter seinem Willen zuwiderhandelten, bis er die
Wasser der Entseelung [Sintflut] über sie brachte. Zehn
Geschlechter von Noach bis Awraham, zu zeigen, wieviel
Langmut vor seinem Angesichte waltet, da alle diese
Geschlechter seinem Willen zuwiderhandelten, bis unser Vater
Awraham kam und das Verdienst aller sich erwarb" (ebda.,2-3),
d.h., durch ihn wurde der gesamte Prozeß im Nachhinein
gerechtfertigt.
"Da sprach G~tt: Es werde Licht! Und es ward Licht" (Gen. 1,3).
Auf den ersten Blick scheint dieser Vers zu besagen, daß
vorher völlige Dunkelheit herrschte, und plötzlich großes
Licht
hervorbrach. Die Weisen der Kabbala lehrten jedoch anders,
nämlich daß das Licht langsam und stufenweise aus der
völligen Dunkelheit erschien - "...das immer heller wird, bis
zur
Tageshöhe" (Sprüche 4,18). Schon Raschi erklärte zum
Vers
"G~tt sah das Licht, daß es gut war, und Er unterschied" (Gen.
1,4): "Er sah, daß es nicht verdiene, von den Bösen gebraucht
zu werden, und sonderte es für die Frommen in der einstigen
Welt ab". Das große Licht wird in seiner Vollkommenheit erst
in
der Zukunft erscheinen, in der Zwischenzeit aber haben wir nur
ein wenig Licht, "doch der Pfad der Gerechten ist wie das Licht
des Frührots, das immer heller wird, bis zur Tageshöhe" (s.o.).
Natürlich wären wir lieber in einer vollkommen guten Welt
erschaffen worden, doch bestimmte G~tt in seiner Weisheit,
daß wir in eine unvollkommene Welt hineingesetzt werden, die
sich ständig weiterentwickelt. Dabei haben wir Anteil und Erbe
an dieser Vervollkommnung, und dadurch können wir Partner
G~ttes bei der Schaffung der Welt sein. Wie die talmudischen
Weisen sagten, besteht das größte Glück des Menschen
darin,
daß die Welt in zehn Aussprüchen geschaffen wurde, nämlich
"um den Gerechten guten Lohn zu geben, die die in zehn
Aussprüchen geschaffene Welt erhalten" (Spr.d.V. 1,1), als
Beauftragte G~ttes beim Aufbau der Welt.
Warum vernichtete G~tt nun jene früheren Welten vollständig
durch überwältigende Katastrophen, und unsere Welt bringt
er
Schritt um Schritt voran? Weil jene Welten überwiegend
schlecht waren und es nicht in ihrer Macht stand, sich zu
erheben. Selbstverständlich war jede Welt besser als ihre
Vorgängerin, aber alles in allem waren es schlechte Welten,
öde Welten, die nur durch ihre Zerstörung geheilt werden
konnten. Ein Beispiel dafür finden wir in unserer Welt in der
Generation der Sintflut, die vollkommen ausgelöscht werden
mußte, außer Noach, der Gefallen in den Augen G~ttes fand.
Diese Welten ließen sich nicht heilen, außer durch ihre
Zerstörung und Ersetzung durch eine bessere Welt.
Unsere Welt hingegen ist eine gute Welt, ausgestattet mit der
Befähigung, sich selbst zu heilen. Zwar ist auch unsere Welt
zerbrechlich, hat aber im Gegensatz zu den früheren Welten die
Fähigkeit, sich mit gewaltigem, konstanten göttlichen Antrieb
zu
erheben. Im Buche "Orot HaKodesch" (Lichter des Heiligen)
widmete Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner
Israels) 42 Kapitel diesem Thema der Vervollkommnung der
Welt, nach dem Muster von 42 Stationen ("Orot HaKodesch" II,
S.515-574). Vor ihm schrieb schon Rabbiner Moscheh Chajim
Luzatto über unsere Welt: "Die [Teil-]Welten wurden auf eine
Weise geschaffen, daß sie von ihrer Stufe aufsteigen können,
denn zu diesem Zwecke sanken sie zur Zeit des Bruches [des
vorzeitlichen Tohuwawohu], damit sie Stück um Stück
aufstiegen, bis alles zur vollkommenen Stufe zurückkehrt. Seit
Beginn der Tage der Welt dreht sich das Weltenrad nur um
einen Punkt, die letztendliche Vollkommenheit, die der
zukünftigen Erlösung" ("138 Pitchej Chochmah", §30+31).
Das alles ist nur möglich, weil unsere Welt eine gute Welt ist,
so
wie es viele Male in der Schöpfungsgeschichte steht: "..und
G~tt sah, daß es gut war", sogar "sehr gut" (Gen. 1,31), nur
daß
ein wenig Schlechtes übriggelassen wurde, und unsere Aufgabe
besteht darin, diesen Zustand zu bereinigen. Es stimmt einfach
nicht, daß unsere Welt aus "unheimlich viel Schlechtem,
Kriegen und Korruption" besteht, im Gegenteil, es gibt viel
Gutes.
Auch Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") schrieb:
"Bei der unwissenden Menge kommt häufig der Gedanke auf,
daß die Übel in der Welt zahlreicher sind als das Gute,
so daß
in vielen Reden und Dichtungen der meisten Völker dieser
Gedanke als allgemeiner Grundsatz ausgesprochen wird, und
daß man sagt, es sei ein Wunder, wenn in einer Zeit etwas
Gutes geschehe, aber ihre Übel seien zahlreich und anhaltend.
Dieser Irrtum ist aber nicht bloß bei den Unwissenden
anzutreffen, sondern auch bei solchen, die sich für Gelehrte
halten. So hat Alrasi [Abu Bekr Mohammed ibn Sakarija Alrasi,
Persien, vor ca. 1100 Jahren] ein bekanntes Buch verfaßt, das
er Theologie oder Metaphysik nannte, in welchem er viele
seiner Verrücktheiten und Dummheiten zusammengefaßt hat,
und zu diesen gehört nun ein Gedanke, den er selbst erfunden
hat, daß das Übel im Seienden häufiger sei als das
Gute"
("Führer der Unschlüssigen" III, 12.Kap.), der zum Beweis
seiner Lügentheorie alle Probleme aufzählt, die den Menschen
heimsuchen, im Gegensatz zu dem, "was die Männer der
Wahrheit über die Wohltaten G~ttes und seine offenbare Güte
glauben, wie auch dagegen, daß G~tt zweifellos das absolut
Gute sei und daß alles, was von ihm kommt, wahrhaft gut sein
muß" (ebda.). Maimonides analysiert im weiteren Verlauf den
Lebenswandel des Menschen und der Völker und beweist mit
großer Klarheit, daß das Gute überwiegt und das Schlechte
nur
eine kleine Minderheit bildet.
Zum Beispiel Kriege: die meisten Völker stehen nicht im Krieg.
Und auch bei den Völkern, die Kriege führen, war der größte
Teil ihrer Geschichte kriegsfrei. Wie glücklich kann sich das
Volk Israel schätzen, das in Zion wohnt, über die große
göttliche
Gnade, daß wir fast keine Kriege leiden mußten, und die,
die wir
durchmachten, nur von kurzer Dauer waren unter geringen
Opfern im Verhältnis zu dem, was in anderen Ländern passiert.
Seit dem Jomkippurkrieg sind über 27 Jahre vergangen, in
denen wir keinen Krieg im einfachen Sinne des Wortes leiden
mußten, d.h., Kampf gegen feindliche Heere. Dafür müssen
wir
G~tt Tag und Nacht danken. Ich selber habe an zwei Kriegen
teilgenommen, am Sechstagekrieg und am Jomkippurkrieg,
doch gibt es heute ausgezeichnete Offiziere, auch in den
höchsten Rängen und von außerordentlicher Begabung,
die in
ihrem Leben keinen Krieg mitgemacht haben.
Das Gleiche gilt bezüglich der Korruption. Sicher kommt
manchmal ein Skandal ans Tageslicht, und die Geschichte
schlägt hohe Wellen in den Medien. Doch das beweist schon,
wie selten so etwas vorkommt, denn eine alltägliche
Angelegenheit hat keinen Neuigkeitswert. Zum gleichen
Ergebnis kommt man nach dem Studium der Berichte der
Haushaltsprüfungskommission und des öffentlichen
Ombudsmann, sowohl im Vergleich mit anderen Nationen wie
auch mit uns selber in früheren Zeitperioden z.B. während
des
2. Tempels. Die meisten heutigen Israelis sind gut und
aufrichtig, leisten ehrliche Arbeit und sind nicht korrupt.
Sicher haben wir noch einen langen Weg vor uns, bis wir die
vollkommen gute Welt erreicht haben, aber sicher haben wir
auch heute schon allen Grund zur Freude, daß wir auf diesem
Weg zu gehen begonnen haben. Nach zweitausend Jahren des
Exils strahlt die Morgenröte auf die jüdische Geschichte.
Wir
kehren nach Zion zurück, das Land gibt wieder seine Früchte,
der Staat entsteht, die Armee wird standfester und die Tora
kehrt in ihre Heimstatt zurück. Wir gelangen ans Ende des
Tunnels und genießen schon das Licht.
Wir haben das Glück, in dieser Generation geboren zu sein,
eine ausgezeichnete und wunderbare Generation, der G~tt
Wunder vollbringt, Wunder und Erlösung und Heldentum und
Errettung und Herrlichkeit und Trost und Kriege ("Al hanissim").
Mögen wir uns stärken und stark sein - und bald die
vollkommene Erlösung erleben.
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