DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EKEW
Nr. 316
22. Aw 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Dt. 7,12-11,25)
Die Segnungen des Gehorsams, Heranziehung der Geschichte
als Motivation zur Erfüllung der fundamentalen Pflicht, G~tt zu
lieben und seine Gesetze zu halten, persönliches Erleben der
Wunder zu Gunsten Israels sollen zu Liebe und Gehorsam
führen, Belohnung und Strafe im Judentum (Mittelteil des
Schma-Gebetes).
 
 
Frage und Antwort

Die Chassidim von Jescha

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Warum setzten Sie sich immer so für die Siedler in
Jescha ein?

Antwort: Die Siedler sind ein wahres Wunder! Erstaunlich, was
für ein neuer Heldentyp da heranwuchs! Und ich kenne sie gut,
denn ich wohne bei ihnen, "unter meinen Stammverwandten
wohne ich" (Kö.II,4,13).

In der Tora steht: "So ein Mann oder eine Frau ein wunderliches
Gelübde ausspricht" (Num. 6,2). Warum "wunderlich"? Dazu
erklärte der Torakommentator Rabbi Awraham Ibn-Esra: Die
meisten Menschen laufen Genüssen nach, und siehe, hier
haben wir einen Menschen, der aus freien Stücken auf einen
Genuß dieser Welt verzichtet. Das ist doch ein Wunder!

Einmal fragte man den Rabbi von Hussiatyn: "Gibt es wirklich
Rebbes und Wunderrabbis, die Wundertaten vollbringen"? Er
antwortete: "Aber sicher, und die Wunder bestehen darin, daß
sie sich von Reichtum, Ehre und Genüssen fernhalten"! Ein
Mensch, der sich durch das, was ihm erlaubt ist, heiligt - ist ein
Wunder.

Wir alle müssen unsere Pflicht tun und uns für das Gute, die
Sittlichkeit und die Gerechtigkeit einsetzen, vom Bösen
abrücken und überhaupt nur Gutes tun. Aber Leute, die mehr
als ihre Pflicht tun - das ist ein Wunder. Diese werden im Buche
"Der Weg der Frommen" (Messilat Jescharim, Rabbiner
Moscheh Chajim Luzatto) "Chassidim" genannt; oder
"Pruschim" (Abgesonderte), die sich vom Bösen absondern, und
von dem, was nur entfernt so aussieht, und von dem, das dem
Entfernten entfernt ähnelt... "Chassidim" wollen nicht nur den
Buchstaben, sondern auch den Geist des Gesetzes erfüllen; sie
übererfüllen ihr Soll.

Wenn das nun alles so wunderbar ist, warum hat die Tora es
dann nicht von vornherein so befohlen? Rabbiner Luzatto nahm
dazu wie folgt Stellung: Die Tora befiehlt nichts, was das
Vermögen der Mehrheit übersteigt. Es ist unmöglich, daß die
ganze Nation nur aus "Chassidim" besteht. Andererseits kann
keine Nation ganz ohne Chassidim auskommen. Ohne
Idealisten kann kein Staat auf Dauer bestehen. Die einen tragen
zur Entsühnung der anderen bei, wie die vier Spezies des
Lulaw. [Die vier Spezies werden mit vier Menschentypen
verglichen: der Etrog hat Geschmack (=gute Taten) und Geruch
(=Tora), die Myrte Geruch, aber keinen Geschmack, der Lulaw
Geschmack, aber keinen Geruch, und die Bachweide weder
Geschmack noch Geruch; trotzdem braucht man alle vier, um
das Gebot zu erfüllen]. Es gibt alle möglichen Sorten Juden,
und alle bilden eine Gemeinschaft und einen Verbund.
Chassidim sind keine Sekte, die sich absondert und über
andere erhebt, sondern gehen mit allen gemeinsam und
strahlen auf alle aus, nützen allen und bringen ihnen Segen.

Wer gilt nun als Chassid? Rabbiner Luzatto erwähnte am Ende
seines Buches viele verschiedene Arten. Der toralernende
Chassid gleiche nicht dem werktätigen Chassid. Der eine lernt
Tora bei Tag und Nacht und verzichtet auf weltliche Dinge, er
konzentriert sich mit aller Kraft auf sein Studium, und wenn er
redet, kommen ihm nur Worte der Tora von den Lippen; seine
Speise besteht aus Brot und Salz und ein wenig Wasser. Der
werktätige Chassid hingegen arbeitet körperlich schwer, kommt
pünktlich zur Arbeit und geht nicht vor der Zeit, er vergeudet
nicht eine Sekunde seiner Arbeitszeit für private Post,
Telefongespräche oder Besorgungen, er betet seine täglichen
Gebete nicht auf Kosten der Arbeitszeit und richtet sich
überhaupt nach dem Beispiel unseres Vorvaters Jakov, dem
Musterbeispiel für Arbeitsmoral, der sagte: "Ich habe mit meiner
ganzen Kraft bei eurem Vater gedient" (Gen. 31,6), und wie
auch Maimonides am Ende der Gesetze von den
Lohnverhältnissen erwähnt.

Dann gibt es den "Arbeitgeber-Chassid", der den Leuten einen
guten Lebensunterhalt verschafft. Oder den "Armee-Chassid",
der sich nicht mit einer normalen Kampfeinheit begnügt,
sondern sich freiwillig für eine Eliteeinheit meldet und sein
Leben für Volk und Land Israel einsetzt. Ein anderer "Chassid"
konzentriert sich besonders auf die Kaschrut seiner Nahrung
und verwendet nur die besten Hechscher. Ein anderer
"Chassid" legt die strengsten Maßstäbe bei der Einhaltung der
Schabbatgesetze an, oder nimmt es mit den
zwischenmenschlichen Beziehungen besonders genau und
widmet jede freie Minute der Hilfe Anderer, für Krankenbesuche
oder Tröstung von Trauernden, Versorgung von Bedürftigen
und moralischer Unterstützung von Waisenkindern.

Und dann gibt es auch den "Chassid-des-Landes-Israel". Nach
der Halacha müssen alle Juden im Lande Israel wohnen. Das ist
aber noch lange keine Chassidut, sondern gesetzliches
Minimum. Nicht in Hamburg, Johannesburg oder Williamsburg,
sondern in Telavivburg, Haifaburg und Ejncharodburg. Es gibt
allerdings schwierigere Orte. Zu den Chassidim in diesem Sinne
zählen diejenigen, die in Kirjat Schmona und in Kirjat Arba
wohnen. Wenn ab und zu Granaten über die Nordgrenze
fliegen, steigen die Anwohner in den Luftschutzkeller hinab. Es
gab Zeiten, wo dies im Jordantal an der Tagesordnung war. Es
gibt viele Chassidim, die in Jescha (Jehuda/Judäa,
Schomron/Samaria, Asa/Gasa) wohnen. Und was für welche
Chassidim! Sie fahren herum, obwohl man auf sie schießt, doch
sie fürchten sich nicht! Eine Lehrerin sagte mir: Ich gehe zur
Arbeit, ich werde nicht einen Tag fehlen, und auch wenn man
auf mich schießen würde, machte ich weiter. - Eine Chassidin!
Sie verlangt noch nicht einmal Schutzanlagen. Eine echte
Chassidin!

Auf manche Siedlungen wird fast täglich geschossen, und
trotzdem kommen neue Leute, um dort zu wohnen. Kfar Darom,
Nezarim, Neve Dekalim; Chassidim, Chassidim. Man kann nicht
von allen verlangen, ein Chassid zu sein. Aber ohne Chassidim
würde die Nation auseinanderfallen. Nicht jeder ist verpflichtet,
in Chevron [Hebron] zu wohnen, doch jemand muß dort
wohnen, sonst würden wir die Stadt verlieren.

Auch muß nicht jeder an der Grenze wohnen. Dazu gibt es eine
lehrreiche Geschichte: Einst kam ein Jude zum "Chason Isch"
(Rabbiner Awraham Jeschajahu Karelitz, einer der
bedeutendsten Rabbiner seiner Zeit, starb kurz nach der
Staatsgründung). "Ich wohne an der Grenze, wo es sehr
gefährlich ist; darum wollte ich fragen, ob ich nicht lieber ins
Landesinnere umziehen sollte?" Darauf antwortete ihm der
Rabbiner: "Und wenn alle Grenzbewohner ins Landesinnere
umzögen?! Dann verliefe die Grenze im Landesinnern!". - Aber
warum soll ausgerechnet ich meinen Kopf hinhalten, sollen doch
andere gehen!? Genau; es gehe derjenige, der gerne ein
Chassid sein möchte. Ganze Familien in Jescha,
Zehntausende! 200.000 Chassidim! Sie fühlen sich gar nicht
mal als Chassidim. Sie sind aber welche. Keiner hindert sie
darin, wegzuziehen.

Auch wer in Tel Aviv wohnt, und nicht nach New York
auswandert, ist ein teurer Mensch, ein Zadik. Doch wer in
Jescha wohnen bleibt, ist ein Chassid, der mehr als nur seine
Pflicht tut.

Warum tut er das? Er spürt ein inneres Verlangen, ein inneres
Verstehen, ein inneres Ideal.

Es ist natürlich schwerer, ein "Jescha-Chassid" zu sein als
einer, der auf erstklassige Hechscher wertlegt, denn
g~ttseidank gibt es heutzutage eine Fülle von Nahrungsmitteln,
schmackhaft und von guter Qualität, mit allen erdenklichen
Hechschern, zudem fast ohne Preisunterschiede. Diese Art
Chassidut verlangt keine großen Opfer. Sicher gilt sie als
Chassidut, stellt aber keinen besonderen Prüfstein für die Liebe
zu G~tt dar.

Wer aber unter schwierigen Bedingungen in Jescha wohnt,
kann sich getrost "Chassid" nennen. Das soll keinesfalls nach
Beschwerde klingen, wir wissen sehr wohl, was wirklich
schwierige Bedingungen sind. Im Verhältnis zu
zweitausendjährigem Exil ist das hier das reinste Paradies, im
Verhältnis zum Zustand vor der Staatsgründung - ein Garten
Eden. Im Verhältnis zu anderen Orten im Lande verlangt es
aber einen bestimmten Einsatz, und trotzdem sind die Leute
bereit, schwierige Lebensumstände, Unannehmlichkeiten und
sogar Beschuß aufsichzunehmen.

Wenn geschossen wird, bekommt man Angst. Es gibt kein
Verbot, in dieser Situation Angst zu haben. Ein Angsthase ist
jedoch nicht der, der sich fürchtet, wenn man auf ihn schießt,
sondern wer von der Truppe wegläuft.

Teure Menschen. Ich kenne sie. Alle möglichen Männer, Frauen
und Kinder. Auch Mädchen und Jungen; da wächst eine neue
Generation von Kindern heran, die keine Angst haben.

Selbstaufopferung; bescheidene Menschen. Sie schwingen
keine großen Reden und halten sich nicht für etwas Besseres.
Einer kauft nur das beste Hechscher und rümpft die Nase über
Andere, die sich mit einem einfachen Hechscher begnügen -
das ist schlimm! Doch die "Chassidim von Jescha" machen es
sich schwerer, ohne auf Andere herabzusehen. Sie wissen ja
nicht einmal, daß sie Chassidim sind. Sagte man ihnen: Ihr seid
Chassidim!, würden sie es nicht verstehen. Sie würden
wahrscheinlich sagen: Aber ich trage doch keinen Schtreimel
oder Spoddik [typische chassidische Hüte]!

Sie sind vielmehr Chassidim im Sinne von Menschen, die den
Herrn der Welt lieben und deshalb mehr als das tun, was von
ihnen verlangt wird. Doch auch diese Tatsache werden sie
abstreiten: "Wer bin ich denn schon, ich fühle überhaupt keine
besondere Hingebung zu G~tt. Ich fühle höchstens eine Liebe
zu meiner Frau, das ja, wie im Roman. Auch meine Kinder liebe
ich. Doch gegenüber G~tt fühle ich gar nichts besonderes". -
Stimmt, er fühlt diese Liebe zu G~tt nicht, existieren tut sie aber
dennoch.

Seit wann existiert nur das, was man fühlen kann?! Jemand, der
in Jescha wohnt, ist in G~tt verliebt, auch wenn er sich dessen
nicht bewußt ist.

Sagte ein Jude aus Kirjat Schmona zu einem aus Kirjat Arba:
"Alle Achtung!", worauf dieser erwiderte: "Wieso 'alle Achtung'?!
Euch gebührt dieses Lob! Euch beschießt man dauernd mit
Katjuscha-Raketen, und dann müßt ihr in den Keller". "Nein, das
passiert doch nur sehr selten. Es ist zwar nicht leicht und
verlangt eine gewisse Opferbereitschaft, läßt sich aber trotzdem
nicht vergleichen. Bei euch kommt das doch jeden Tag vor, auf
den Straßen und in den Siedlungen".

Echte Chassidim! Eine neue Art Chassidim! Es gibt Chassidim
in der Wissenschaft und als Lehrer in einer abgelegenen,
entwicklungsbedürftigen Stadt, alle möglichen Arten von
Chassidim. Der größte Chassid ist natürlich der "Chassid in
allen Lebenslagen". Die Chassidim von Jescha sind nur Chassid
in einer Sache: in ihrem opferbereiten Einsatz für das Land
Israel.

Glücklich ist unser Volk, das solche Siedler-Chassidim besitzt.
Der Herr der Welt freut sich, wendet sich an die Engel und sagt:
Seht, seht, sehet meine Kinder, wie sie sich aufopfern, seht wie
sie bereit sind, alles für das Volk Israel und das Land Israel zu
geben.

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
http://www.israelnn.org
 

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