DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT DEWARIM
Nr. 314
8. Aw 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Dt. 1,1-3,22)
Im 40. Jahr, am 1. des 11. Monats, spricht Moscheh zu den
Kindern Israels, bevor sie den Jordan überqueren: Rückblick auf
die Reise, Einsetzen von Richtern, Aussenden der
Kundschafter+Sünde dazu, welche Länder in Ruhe gelassen
und welche erobert werden.

Diese Woche auf dem Kalender:
Tischa B'Aw (Fasttag; Moza'ej Schabbat)
 
 

Der Stand der Dinge...
Alter und neuer Tempel
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die talmudischen Weisen erklärten uns genau, warum und
worüber wir an Tischa Be'Aw trauern: "Am neunten Aw wurde
über unsere Vorfahren verhängt, nicht in das Land einzuziehen,
das erste und das zweite Mal der Tempel zerstört, Bitther
erobert und die Stadt geschleift" (Mischna Ta'anit 26b).

Das Ergebnis des Verrates der Kundschafter am Lande Israel
können wir am großen Weinen des Volkes Israel in der Wüste
in jener Nacht des Tischa Be'Aw ablesen: "Da erhob die ganze
Gemeinde ein lautes Geschrei und das Volk jammerte in jener
Nacht" (Num. 14,1), und das Resultat: "Der Heilige, gepriesen
sei er, sprach dann zu ihnen: Ihr habt ohne Anlaß gejammert,
ich aber werde ihn euch zum ewigen Jammer[tage] machen"
(Ta'anit 29a).

"Weswegen wurde der erste Tempel zerstört? Wegen...
Götzendienst, Unzucht und Blutvergießen. ... Weswegen aber
wurde der zweite Tempel zerstört, bei [dessen Bestehen] sie
sich ja mit der Tora, gottgefälligen Handlungen und
Liebeswerken befaßten? Weil dann grundlose Feindschaft
herrschte" (Joma 9b).

Nach dem Stand der Dinge müssen wir an Tischa Be'Aw (und
auch sonst) mit uns selbst ins Gericht gehen, sowohl in
nationaler als auch in individueller Hinsicht. Unser Verhältnis
zum Lande Israel schreit nach reumütiger Umkehr, und wir
müssen die Schwäche, die zur Zeit der Kundschafter und ihrer
Generation an die Oberfläche kam, aus dem Wege räumen,
ihren Mangel an Selbstvertrauen, das Land erobern zu können.
Im Gegenteil - wir müssen Stärke zeigen und uns anstrengen,
lernen und verstehen, unserer eigenen Sache hundertprozentig
sicher zu sein, nämlich daß das Land Israel nur uns allein
zusteht und keinem fremden Volk. Und wenn wir uns unserer
Sache sicher sind, werden dies auch unsere Feinde
anerkennen und Frieden schließen.

Wir müssen uns vor einander auch bezüglich der
zwischenmenschlichen Beziehungen Rechenschaft ablegen,
wiederum sowohl in nationaler als auch in individueller Hinsicht,
auf der Ebene des öffentlichen Lebens, der Familie und der
Einzelpersonen, und jede sinnlose Feindschaft ausräumen, für
die es nicht die geringste Rechtfertigung gibt. Stattdessen
sollten wir uns der bedingungslosen Liebe gegenüber den
Geschöpfen und unserem Volk zuwenden, gegenüber jedem
Einzelnen der von G~tt in Liebe auserwählten Nation. Mit
bedingungsloser Liebe, wie der Liebe Davids zu Jonatan, lassen
sich die Ursachen der Tempelzerstörung (und der Verhinderung
seines Wiederaufbaus) beseitigen, auf daß wir bald den Tempel
in neuem Glanz erbaut sehen mögen und sich die
Prophetenworte erfüllen: "So spricht der Ewige der
Heerscharen: Das Fasten des vierten und das Fasten des
fünften, und das Fasten des siebenten, und das Fasten des
zehnten werden dem Hause Jehuda zur Wonne und Freude
und zu fröhlichen Festzeiten, aber Wahrheit und Frieden liebet"
(Secharja 8,19).

In Trauer um die Zerstörung des Tempels, und in Erwartung der
vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
Frage und Antwort

Das Blut deines Nächsten!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Was sagen Sie zu der derzeitigen "Politik der
Zurückhaltung" der israelischen Regierung?

Antwort: Jüdisches Blut wird vergossen, und Niemanden regt es
auf! Die Regierung und die Armee handeln nicht und tun nichts
gegen die Mörder, sondern "halten sich zurück"! Furchtbar!

König David brach das Herz über jedes vergossene jüdische
Blut. Im Psalm 72, der auch politische Weisungen an seinen
Sohn Schlomo enthält, heißt es: "Aus Bedrückung und Gewalt
erlöst er ihre Seele, und teuer ist ihr Blut in seinen Augen" (Vers
14).

Die Führung der Sicherheitskräfte versucht manchmal
abzuwiegeln: "Im Großen und Ganzen halten wir die Sicherheit
auf einem angemessenen Niveau, statistisch gesehen kommen
gar nicht so viele Anschläge vor". Doch eine Frau, der gerade
der Mann ermordet wurde, interessiert das statistische Niveau
herzlich wenig. Will man ihr etwa andeuten: "Statistisch
gesehen ist Ihr Mann am Leben"?! Dieses Gerede hilft dem
Einzelnen überhaupt nicht.

Es gibt da eine Geschichte von einem Statistik-Professor, der in
einem Fluß ertrank, der durchschnittlich einen halben Meter tief
war. Doch gerade dort, wo er sich aufhielt, war der Fluß
dummerweise tiefer, und darum ertrank er.

Es reicht nicht, nur die Nation in ihrer Gesamtheit in den
Berechnungen zu berücksichtigen. Womit läßt sich das
vergleichen? Die göttliche Vorsehung waltet sowohl über die
Gesamtheit als auch über den Einzelnen. Rabbiner Moscheh
ben Maimon ("Maimonides") erwähnte in seinem Werk "Führer
der Unschlüssigen", daß der griechische Philosoph Aristoteles
nicht an die göttliche Vorsehung für den Einzelnen glaubte. Für
ihn war das Sinken eines Schiffes mit tausend Menschen an
Bord wie tausend Ameisen, auf die ein großer Klotz fällt:
Hauptsache, es bleiben auf der Welt noch Ameisen und
Menschen übrig. Daß alle Ameisen draufgehen oder alle
Menschen untergehen - das nicht. Aber bei tausend Menschen
weniger bleiben ja immer noch genug übrig. Entsprechend
bleiben im Staate Israel immer noch sechs Millionen Juden
nach, da fällt das Fehlen eines von ihnen ja gar nicht weiter
auf...

Um G~ttes willen! Die Regierung ist nicht nicht nur für das Wohl
der Allgemeinheit verantwortlich. Natürlich befürworten wir das
Wohl der Allgemeinheit, doch auch den Einzelnen gilt es zu
schützen! Man muß den Wegen G~ttes folgen, der sich auch
um jedes Einzelschicksal kümmert.

In dem genannten Psalm 72 heißt es übrigens auch: "Und er
herrschte von Meer zu Meer, und vom Strome bis an die Enden
der Erde, vor ihm knien sollen die Steppenländer, und seine
Feinde Staub lecken" (8-9), und daneben: "Er schaut mild auf
die Armen und Dürftigen, und die Seele der Dürftigen rettet er...
und er lebt und gibt ihm Besseres als Schebas Gold" (13/15).
Jener König war "rechts": er bezwang seine Feinde und
herrschte über sein gesamtes Staatsgebiet, der Länge nach und
der Breite, und gleichzeitig war er "links", kümmerte sich um die
Armen und teilte ihnen von seinem Geld zu. Er war ein echter
"Linker", der sich um seine armen Brüder sorgte, und nicht ein
"nachgemachter" Linker, der den Feinden seines Volkes in die
Hände spielt auf Kosten seiner Brüder. Wenn ein Minister
40.000 Schekel im Monat verdient, und nur ein einziger Jude
hungert - leider gibt es viele solche in unserem Lande - dann
muß er ihm von seinem Gelde abgeben. Und erst recht muß er
dafür sorgen, daß nicht sein Blut vergossen wird.

Es darf einfach nicht vorkommen, daß ein Jude von Terroristen
ermordet wird. Wer seine Hand an einen Juden legt, muß
wissen, daß wir nicht von ihm ablassen werden, wir werden ihn
mitten in der Nacht im Pyjama aus seinem Bett zerren und ihn
seiner gerechten Strafe zuführen, er und auch jene, die ihm die
Waffen in die Hand gaben, wer ihn versteckte und wer ihn
aufhetzte. Soll er vor Angst zittern - sollen sie alle vor Angst
zittern "und fortan nicht freveln" (Dt. 17,13).

Doch wer oder was soll die Verbrechen verhindern, wenn man
"Zurückhaltung" übt? Unser Regierungschef sagte: "Wir lassen
uns nicht in einen Krieg hineinziehen". Wo war denn von Krieg
die Rede?! Wir sind ein souveräner Staat, in dem Mörder frei
herumlaufen. Wir haben weder etwas gegen Nichtjuden noch
gegen Araber oder sonstige Minderheiten. Doch wer sich hier in
unserem Staat mit Mord beschäftigt, muß strengstens bestraft
werden, so daß ihm und seinesgleichen vollkommen die Lust
vergeht, ihre finsteren Pläne auszuführen.

Manchmal geben die für die Sicherheit Verantwortlichen zum
Besten, "Ja wollt ihr denn, daß wir alle zwei Meter einen
Polizisten oder einen Soldaten hinstellen?" - So eine faule
Ausrede! Sicherheit ist doch keine punktuelle Frage, sondern
hauptsächlich von staatsumfassender Tragweite. Die
Sicherheitspolitik muß einen Faktor solcher Abschreckung
beinhalten, daß niemand auch nur im Traume daran denkt,
einen Juden zu töten.

Würde etwa ein Jude in einem arabischen Land auf die Idee
kommen, am Straßenrand zu lauern und auf vorbeifahrende
Araber zu schießen? Natürlich nicht. Er weiß genau, daß er
nichts davon hat.

Wir haben auch nichts an der "generellen Oberaufsicht" der
Armee auszusetzen. Die Armee schützt das Land ganz
ausgezeichnet angesichts einer Übermacht von 200 Millionen
Feinden. Doch das reicht noch nicht aus. Sie muß sich auch um
den Einzelnen kümmern, um den Schutz eines jeden einzelnen
Juden.

Wenn wir dieses Ziel erreichen, werden wir bald bessere Zeiten
erleben.

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
http://www.israelnn.org
 

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