DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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den Rabbi"
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BESCHALLACH
Nr. 290
17. Schwat 5761
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen auf Französich
Diese Woche in
der Tora (Ex. 13,17 - 17,16):
Ägypter verfolgen
die Kinder Israels nach dem Auszug;
Spaltung des Schilfmeeres;
Übergang der Israeliten, Untergang
der Ägypter;
2 Lobgesänge; erste Beschwerden; Man
("Manna"); freitags
doppelte Menge, reicht auch für Schabbat;
wiederum Zank um
Trinkwasser; Moscheh schlägt den Felsen;
Überfall der
Amalekiter; Gebot, Amalek in allen Generationen zu
bekämpfen.
| Frage
und Antwort
Respekt für den Staat Israel Rav Schlomo Aviner
|
![]() |
Frage: Sie unterstützen und lehren selber in großem
Maße das
respektvolle Verhältnis zur israelischen Regierung und dem, der
ihr vorsteht. Ich freue mich immer, diese Dinge zu lesen und zu
hören, weil sie wirklich ermutigen.
Ich würde Sie gerne fragen, wo die Grenze für diese Art der
Beziehung liegt. Schließlich war auch König Jannai ein König
Israels, und wir finden nirgendwo, daß die talmudischen Weisen
ihn mit solchem "Staatsrespekt" behandelten.
Soweit ich mich erinnere, pflegen Sie in diesem Zusammenhang
das Laufen des Propheten Elijahu vor König Achaw sowie deren
prinzipiellen Streit zu erwähnen [siehe Kö.I, 18.Kap.], doch
andererseits war die Herrschaft Jannais, milde gesagt, nicht
gerade ein Zuckerschlecken [er ließ reihenweise Rabbiner
ermorden, und viele flohen vor ihm nach Alexandria] und schon
gar nicht diejenige des Hordus ("Herodes"), deren Wegbereiter
er war.
Ich würde nun gerne wissen, wieweit wir im Respekt für den
Staat gehen müssen, und worin unterscheidet sich die
Herrschaft Jannais von unserer derzeitigen Regierung?
Antwort: Der Respekt vor der israelischen Regierung bezieht
sich auf zwei Aspekte, die allerdings zusammengehören: 1. den
halachischen, religionsgesetzlichen Aspekt, und 2. im Hinblick
auf Emuna, Glauben bzw. Weltanschauung.
Die halachische Seite besteht darin, daß man der
Regierung
Israels gehorchen muß, denn sie wurde von der Allgemeinheit
zur Leitung des Staates gewählt. Natürlich kann dem Volk
Israel
bei dieser Wahl ein Fehler unterlaufen sein, wir können aber
nicht gegen die Allgemeinheit ankämpfen und gegen sie
revoltieren. Als das Volk den Propheten Schmu'el ("Samuel")
um die Einsetzung eines Königs bat, fügten sie hinzu, es
solle
ein König "wie bei allen Völkern" sein. Darüber war
der Prophet
mit Recht böse. Ein König - das ist ein Gebot der Tora,
wie
auch Maimonides in seinem Gesetzeswerk "Mischne Tora"
vermerkte, aber einen König "wie bei allen Völkern" zu
verlangen, ist eine Frechheit (Sanhedrin 20b). Trotzdem weist
der Herr der Welt den Propheten Schmu'el an, nicht mit dem
Kopf gegen die Wand zu rennen, sondern der Nation einen
König zu beschaffen, und zwar den bestmöglichen; die
Angelegenheit werde sich schon einrenken. Gleichwohl beging
der erste König, Scha'ul, viele Fehler, doch war er der
Wegbereiter für den zweiten König, David, der nicht nur die
Psalmen verfaßte, sondern auch den Urtyp des Maschiach
("Messias") verkörperte, das Fundament unseres ewigen
Königtums. So stellte sich am Ende heraus, daß das Volk
doch
recht hatte, man mußte nur etwas Geduld zeigen.
Auch ein böser König gilt religionsgesetzlich als vollgültiger
König. Natürlich darf man keinen König einsetzen, der
keine
Himmelsfurcht in sich hat (Gesetze von Königen und Kriegen,
1,7), und wenn man einen gerechten König einsetzte, der im
Amt zu einem Bösewicht wurde, muß man ihn absetzen
(Gesetze von den Tempelgeräten 4,21). Solange er aber im
Amt ist, gilt er als König und genießt die volle Autorität
dieses
Amtes. Schon vor vielen hundert Jahren fragte einer der
Talmudkommentatoren (Toßafot zu Sanh.20b, "Melech"),
warum König Achaw wegen der Enteignung des Weinbergs des
Nawot bestraft wurde, wo dies doch zu den Rechten des Königs
gehört, und gab verschiedene Erklärungen dazu - er erklärte
allerdings nicht, daß Achaw ein Bösewicht war und
damit
rechtlich nicht als König galt.
Das soll natürlich nicht als Freibrief für alle Missetaten
des
Königs verstanden werden. Wenn der König einen Fehler macht
und sündigt, muß man ihn mit allem Nachdruck ermahnen. Das
gilt allerdings nicht nur für einen gottlosen König, sondern
auch
für einen gerechten wie König David, der kein Recht hat,
gegen
die Tora zu entscheiden. Dafür wurde Davids Heerführer Joaw
ben Zeruja verurteilt (Sanhedrin 49a), und entsprechend
entschied Maimonides (Gesetze von Königen und Kriegen 3,9).
Die Propheten hielten sich nicht zurück, wenn es darum ging,
König Achaw und sogar König David wegen ihrer Sünden
zu
ermahnen. Ebenso ermahnten die talmudischen Weisen König
Jannai (Kiduschin 66a). Doch deswegen hörte er nicht auf,
König zu sein, denn auch als sie ihn ermahnten, nannten sie ihn
"König Jannai", und woher haben Sie das, daß die Weisen
ihn
nicht als König ansahen?!
Und als sie ihn vor Gericht stellten, sagten sie zu ihm: 'König
Jannai, stehe auf deinen Beinen!' (Sanhedrin 19a). Dazu fragte
ein Talmudkommentator, ein Toragelehrter brauche in so einer
Situation doch nicht zu stehen, wegen der Würde der Tora, und
erst recht nicht der König, dessen Würde die eines
Toragelehrten übertrifft?! Denn ein Toragelehrter darf auf seine
Würde verzichten, ein König aber nicht - wir entnehmen daraus,
daß er Jannai als König ansah.
Auch Hordus, der ein großer Bösewicht war, wurde vom
gelehrten Baba ben Buta als König gewertet, und er vertrat
diese seine Ansicht aus verschiedenen Gründen mit großer
Hartnäckigkeit (siehe Baba Batra 3b/4a).
Das alles hat einen simplen Grund, wie Rabbiner Naftali Z.J.
Berlin aus Woloschin erklärte: Wenn man dem König oder dem
Herrscher nicht folgt, geht es im Staate drunter und drüber; und
jeder Feind hat ein leichtes Spiel, dieses Volk vernichtend zu
schlagen. Es geht also um die Vermeidung von Lebensgefahr
(pikuach nefesch) des Volkes in seinem Lande.
In diesem Sinne schrieb auch "Sefer HaChinuch" (Sammlung
und Erklärung aller 613 Ge-und Verbote) bezüglich des
Verbotes, dem Fürsten, d.h. dem König zu fluchen: "Keine
menschliche Gesellschaft kann zurechtkommen, ohne einen
von ihnen als Oberhaupt über die anderen zu setzen, seine
Gebote zu erfüllen und seine Dekrete zu befolgen, weil sich die
Ansichten der Menschen voneinander unterscheiden und sich
niemals alle zusammen auf eine Ansicht einigten, eine Sache
von allen Sachen zu tun, und darum wären sie zu nichts fähig
und müßten alle Handlungen unterlassen, und darum bleibt
ihnen gar nichts anderes übrig, als einen von ihnen als
maßgeblich zu akzeptieren, im Guten wie im Schlechten, um
Erfolg zu haben und sich mit den Dingen der Welt beschäftigen
zu können, obwohl sie manchmal in seinen Anweisungen und
Wünschen großen Nutzen finden werden, und manchmal das
Gegenteil; doch all dies ist immer noch besser als die
Zwietracht, die vollkommene Handlungsunfähigkeit verursacht"
(Gebot Nr.71).
Entsprechend unserem religiös-weltanschaulichen Standpunkt
sind wir natürlich überglücklich, eine Regierung zu
haben und
nicht mehr unter der Herrschaft der Türken oder der Engländer
zu stehen. Es gehört zu den Geboten der Tora, das Land Israel
unter jüdischer Herrschaft zu halten, wie Rabbiner Moscheh ben
Nachman ausführte ("Nachmanides", RaMBaN, bedeutender
Tora- und Talmudkommentator aus der Periode der Rischonim,
Nr.4 in seiner Liste der Gebote): "Es wurde uns geboten, das
Land zu ererben, das der Ewige, gelobt sei er, uns gab, und es
nicht in den Händen einer anderen Nation oder öde und
unbewohnt zu lassen", das heißt, dieses Land sei in den
Händen dieses Volkes. Wir freuen uns, dieses wichtige und
die
ganze jüdische Gemeinschaft betreffende Gebot erfüllen zu
können - auch wenn die Regierung noch immer nicht der
Königsherrschaft Davids entspricht.
Maimonides schrieb in der Einleitung zu den Gesetzen von
Chanukka: "..kehrte das Königtum über 200 Jahre lang an Israel
zurück" - was auch Jannai und Hordus einschließt, auch sie
gehören zum Inhalt des Chanukkafestes.
Die Rückkehr des Königtums an Israel ist die Einleitung der
messianischen Königsherrschaft. Maimonides bestimmte
aufgrund der talmudischen Quellen: "Unsere Weisen erklärten:
Es gibt keinen anderen Unterschied zwischen der Jetztzeit und
den Tagen des Maschiach als [das Aufhören der] Knechtschaft
der Fremdherrschaft [=Unabhängigkeit Israels]" (Gesetze von
Königen und Kriegen, 12,2). Gleichfalls definierte er: "Die 'Tage
des Maschiach' sind Teil der Jetztzeit, wobei die Welt ihrem
natürlichen Gange folgt, nur daß das Königtum an Israel
zurückkehrt" (Gesetze von der Umkehr, 9,2).
Ersteinmal müssen wir glücklich sein, einen Staat und eine
Regierung zu haben, und natürlich muß man sich an ihre
Gesetze halten. Und wenn sie der Tora widersprechende Ding
tun, muß man sie mit allem Nachdruck kritisieren.
Aber auch wenn man kritisiert, muß man sich streng ans Thema
halten, den nötigen Respekt wahren und nicht in Schimpftiraden
verfallen. Awija, König von Jehuda, wurde von G~tt bestraft,
weil er in aller Öffentlichkeit, vor versammelter Truppe,
Jerow'am ben Newat, den König von Israel beschimpfte
(Chronik II, 13.Kap.; Talmud Jeruschalmi Jewamot §16, Hal.3).
Wenn die Regierung oder der Regierungschef ihre Aufgabe
nicht ordnungsgemäß erfüllen, muß man sie natürlich
ablösen.
Solange sie aber noch nicht abgelöst wurden, sind sie eben
doch unsere Regierung bzw. ihr Chef. Das läßt sich mit einem
Autobus vergleichen, dessen Fahrer nichts taugt; natürlich muß
man ihn durch einen besseren ersetzen, solange er aber das
Lenkrad hält, muß man zuallererst einen Unfall vermeiden.
Mögen wir Stärkung finden und uns die wahrhafte
Königsherrschaft zuteil werden.
Weitere Kommentare
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