DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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"Betrachtungen"
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den Rabbi"
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BO
Nr. 289
10. Schwat 5761
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen auf Französich
Diese Woche in
der Tora (Ex. 10,1 - 13,16):
Die letzten drei
Plagen: Heuschrecken, Finsternis und Tötung
der Erstgeborenen;
Definition des "ersten Monates";
Vorbereitungen zum
Auszug aus Ägypten: Opferblut an
Türpfosten,
Opferlamm essen; Pessachgesetze; Kinder Israels
backen Matze; Gesetze
von Tefillin und Erstgeborenen der
Haustiere zur Erinnerung
an den Auszug aus Ägypten.
| Frage
und Antwort
Das Rezept für gute Laune Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Wie läßt sich ein Zustand konstanter Freude
erreichen,
ohne Sorgen und Ängste?
Antwort: Eine bedeutende Frage, einer ganzen Doktorarbeit
würdig. Diese Frage wurde unserem großen Lehrer (und Arzt)
Moscheh ben Maimon ("Maimonides") von einem arabischen
König gestellt. Die Antwort findet sich allerdings nicht in den
Responsen Maimonides', auch nicht in seinen Briefen, sondern
im Buche "Zarej Hajagon" von Rabbi Schemtow Ibn Falkira als
literarische Erweiterung eines Kapitels aus dem Buche der
"Gesundheitsregeln" von Maimonides, einem seiner zahlreichen
medizinischen Werke, und wurde aus dem Arabischen ins
Hebräische übersetzt. Diese Antwort ging seinerzeit an König
Afazel, dem Sohne des berühmten Sultans Saladin.
Er schrieb an Maimonides mit der Bitte um Heilmittel für seine
zahlreichen Gesundheitsprobleme, und das größte von ihnen
-
die ständige Sorge und Furcht, die ihn beherrschten und alleine
schon für zahlreiche Krankheiten verantwortlich waren.
Maimonides bestätigte diese Erkenntnis und schrieb: "Wisse,
daß die meisten Krankheiten von der Sorge, von übergroßem
Zorne und der Überanstrengung herrühren". Es gibt genügend
psychosomatische und auch reguläre organische Krankheiten,
die sich durch einen zerrütteten Seelenzustand verschlimmern.
Sorgen und Ängste, für sich genommen schon große Übel,
verursachen darüberhinaus viele Probleme.
Maimonides hatte sogleich ein Heilmittel zur Hand: die
G~ttesfurcht. Ein g~ttesfürchtiger Mensch dient G~tt in Freude.
"Licht ist ausgesäet dem Gerechten, und Freude allen, die
redlichen Herzens sind" (Psalm 97,11). Woher nimmt der
Mensch die Freude? Vom Dienst an G~tt.
Wer sich und sein ganzes Bestreben aber nur auf die
materialistische Welt konzentriert, auf Essen und Trinken,
Kleider und Besitz, und es passiert dem eine Panne - dann
kommt er um vor Sorgen und rupft aus Kummer seine Haare
einzeln aus.
Im "Führer der Unschlüssigen" widmete Maimonides zwei
Kapitel dem Ijow ("Hiob"). Dessen Freunde versuchten
vergeblich, ihn zu beruhigen. Am Ende des Buches aber
beruhigt er sich doch. Woher dieser Meinungsumschwung?
Waren seine Probleme plötzlich kein Problem mehr? Sie blieben
Probleme, doch seine Einstellung zu ihnen hatte sich geändert.
Am Anfang des Buches "sitzt er im Staube" (Ijow 2,8), d.h. in
irdische Dinge vertieft. Er war zwar ein Gerechter, doch
materielle Dinge nahm er sehr wichtig. Als diese seine Welt
zusammenbrach, sein Vermögen verschwand, seine Kinder in
den Garten Eden überwechselten und er von schwerer
Krankheit geplagt wurde - nahm er sich dies alles sehr zu
Herzen.
Doch am Ende des Buches sagte Ijow: "Darauf verwerf ich und
bereue - in Staub und Asche" (42,6). Ich verlasse meinen
früheren Standpunkt, meine Abhängigkeit von materiellen
Dingen. Entsprechend schrieb Rabbiner Levi ben Gerschon
(RaLBaG, "Gersonides"; lebte vor ca. 700 Jahren in Frankreich)
in seinem Kommentar zum Buche Ijow, daß alle Probleme, die
den Menschen heimsuchen, ihn nur bekümmern und sein Leben
zerstören, wenn er sich auf die materiellen Dinge versteift, doch
wenn er in einer spirituellen Welt lebt, können die Probleme ihn
nicht erreichen, denn seine spirituelle Welt hat jeder Mensch in
seiner Hand. Er hat immer die freie Wahl, in jeder Lage das
Gute zu tun, ob er gesund ist oder krank, reich oder arm, viele
Kinder hat oder keine. Die Umstände ändern sich, doch für
jeden Umstand und jeden Rückschlag gibt es ein passendes
Verhalten im Sinne G~ttes. Wer seine Freude vom Dienst an
G~tt bezieht, dem kann man sie durch keine Gewalt der Welt
wegnehmen.
Darum schrieb Maimonides an jenen König: Wenn deine
Gedanken ausschließlich dem Diesseits gelten, dann sind deine
Probleme unlösbar, denn in der materiellen Welt geht es nicht
immer nach deinem Willen. Die diesseitige Welt ist kein
Paradies.
Der Gerechte, der sich an den Geboten und guten Taten
erfreut, an der Ethik und der Ermahnung, ist ein starker
Mensch, jeder Lage gewachsen und standfest gegenüber
Sorgen und Problemen. Er nimmt sich nicht alle möglichen
Dinge zu Herzen, die ihm im natürlichen Lauf der Welt
widerfahren. Er hat den richtigen Ausblick auf die Wirklichkeit.
Wohl ist die Traurigkeit eine gefühlsbedingte Erscheinung, doch
die Erkenntniswelt des Menschen bestimmt in großem Maße
die
Stärke seiner Gefühlsempfindungen.
Auch wenn ein Mensch über Reichtum, Gesundheit und alles
Gute verfügt, bietet das noch lange keine Garantie fürs Glück,
sagte Maimonides, denn diese Dinge werden mit dem Tode des
Menschen hinfällig. "Denn bei seinem Tode nimmt er nichts mit
von allem, nicht sinkt ihm nach sein Gut" (Psalm 49,18). Das ist
die Furcht vor dem Tode, die die Philosophen erwähnen,
besonders die existenzialistischen Denker der letzten
Generationen: auch wenn der Mensch zur Zeit gut lebt - alleine
das Wissen um die Tür am Ende des Korridors, die ins Nichts
führt, macht ihm schon jetzt das Leben wertlos.
Im Gegensatz zu einem frommen Menschen, schrieb
Maimonides; auch wenn ihn Leiden heimsuchen, tröstet er sich
damit, daß diese immer noch besser sind als der Tod.
Hauptsache, er lebt, und auch in der Stunde seines Todes
übergibt er seine Seele an G~tt in Freude, im Wissen, daß
auch
dies ihm nur zum Guten gereicht, zum Leben in der kommenden
Welt. Diese Tür führt in eine bessere Welt.
Es gibt objektive Krisen, und es gibt subjektive Krisen. Wenn
dein Schiff mit deinem ganzen Vermögen untergeht, dann ist
das wirklich eine objektive Krise, d.h., deinem Willen
entgegengesetzt. Doch wie du dich damit subjektiv
auseinandersetzst - das hängt allein von dir ab. Wenn du vor
Kummer stirbst oder dich zusammenreißt hängt allein von
dir
ab, von deiner Weltanschauung. Hinterher ist es zu spät, eine
Beziehung aufzubauen. Diese wird von deinem geistigen und
ethischen Hintergrund diktiert, den du dir im Laufe deines
ganzen Leben angesammelt hast.
In diesem Zusammenhang erwähnte Maimonides die Ansicht
der Philosophen, welche die guten und schlechten Seiten dieser
Welt als unwirklich bezeichneten. Was dir als schlecht oder
gut
erscheint, muß nicht zwangsläufig auf einer korrekten
Einschätzung basieren. Ein Mann stieg auf zur Königswürde,
und dann brach er unter ihrer Last zusammen. Ein anderer kam
zu Reichtum, doch seine Methoden verlegten ihm den Weg zur
kommenden Welt.
Ebenso schrieb Maimonides über die Worte der talmudischen
Weisen "man ist verpflichtet, über das Böse einen Segen zu
sprechen wie über das Gute" (Brachot 54a), weil man nicht
sicher sein kann; vielleicht ist das Gute in Wirklichkeit schlecht
und das Schlechte gut (Mischnakommentar ebda.). Bekannt
sind auch die Sprüche der Weisen wie "auch dies ist zum
Guten", und "alles, was G~tt tut, tut er zum Guten". Einer
verliert sein Königtum und seine Besitztümer, und gerade
das
bringt ihm das ersehnte Glück, denn nun kann er ein ruhiges
Leben führen und sich mehr dem Dienst an G~tt widmen, womit
er sich ein Leben in der kommenden Welt sichert.
Ein Mann war auf dem Weg zum Hafen und lief sich einen Dorn
in den Fuß. Wie er schließlich humpelnd den Hafen erreichte,
hatte das Schiff schon abgelegt. Den ganzen Tag fluchte er -
bis er hörte, daß das Schiff untergegangen war. Dazu heißt
es:
"Ich danke dir, Ewiger, daß du mir gezürnt hast" (Jeschajahu
12,1).
"Seine Majestät der König benötigt nicht viele Beweise,
nur
erwecke und stärke er sein Herz durch Gewöhnung an das
Studium der Bücher der Ethik, ausgezeichneter Weisheiten und
biblischer Ermahnungen, bis sich seine Seele gestärkt hat und
er zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden weiß".
Maimonides empfahl dem König, die Ethik der Tora zu
studieren!
Maimonides machte auf ein wichtiges Prinzip aufmerksam: das
Gute der diesseitigen Welt ist eine flüchtige Angelegenheit und
nicht Hauptsache. Man weiß ganz einfach nicht, was jeder neue
Tag bringen wird, und in dieser Welt kann sich innerhalb von
Sekunden gut in schlecht und schlecht in gut verwandeln.
Maimonides schloß seine Antwort wie folgt: Sorgen können
zwei
Ursachen haben - die Vergangenheit und die Zukunft. Der
Mensch sorgt sich über das Gewesene, und er sorgt darüber,
was noch geschehen wird. "Die Sorge wegen der
Vergangenheit bringt keinen Nutzen, und wer sich sorgt und
stöhnt über etwas, das bereits geschehen und vorüber
ist,
mangelt jeden Verstandes und ist verrückt". Nicht nur, daß
er
Kummer hatte, er macht es sich durch seine Sorge nur noch
schlimmer, "er ähnelt jemandem, der sich sorgt und quält:
Warum wurde ich nicht als Engel mit Flügeln geschaffen, in den
Himmel zu fliegen, - ist das nicht heller Wahnsinn?!".
Auch die Sorge um die Zukunft, vielleicht werde ihm ein
Unglück geschehen, ist "sinnlos und Schwarzseherei". Es ist
zwar möglich, daß ein Unglück geschieht, es ist aber
auch
möglich, daß es nicht geschieht, "man muß sein Herz
mit dem
festen Vertrauen auf G~tt den Allmächtigen erfreuen, und alles,
was er dem Menschen widerfahren läßt, ist zum Guten".
"Wenn sich seine Majestät der König an diese Dinge hält,
vermindern sich seine Sorgen und seine Gedanken werden
davon ablassen, und seine Herrschaft wird viele Jahre währen".
"Lasset uns jubeln und uns freuen an ihm" (Psalm 118,24) - nur
an ihm. Die Lust und Freude an G~tt.
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