DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHA'ALOTECHA
Nr. 307
18. Sivan 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Num. 8,1-12,16)
Dienstweihung der Leviten; 1.Pessach in der Wüste und
Ersatztermin für Verhinderte; Reise und Lagern nach der
Wolken-/Feuersäule; die silbernen Alarmtrompeten;
Zugordnung des Lagers; Trennung von Jitro; Klage über
einseitige Diät; Wachtelschwemme und Strafung; Einsetzung
von 70 Weisen zur Unterstützung Moschehs; 2 neue Propheten
im Lager; üble Nachrede von Mirjam und Aharon über Moscheh,
Aussatzstrafung Miriams.
 
 

Der Stand der Dinge...
Der Biß der Schlange
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die talmudischen Weisen erklärten uns anhand von Beispielen
von gefährlichen Tieren, wer die Feinde Israels sind und welche
Ziele sie verfolgen. "Ein Gleichnis. Dies ist mit einem Menschen
zu vergleichen, der auf dem Wege gehend auf einen Wolf stieß
und gerettet wurde, der fortwährend das Ereignis mit dem Wolf
erzählte. Als er hierauf auf einen Löwen stieß und gerettet
wurde, erzählte er immerfort das Ereignis mit dem Löwen. Als er
aber später auf eine Schlange stieß und abermals gerettet
wurde, vergaß er das Ereignis mit jenen beiden und erzählte
fortan das Ereignis mit der Schlange. So auch bei Israel: die
späteren Leiden machen die ersteren vergessen" (Brachot 13a).

Der MaHaRSchA (Rabbiner Schmu'el Elieser Halevi Edels,
lebte vor etwa 400 Jahren) erklärte dieses Gleichnis wie folgt:
der Wolf steht für das Exil in Ägypten, der Löwe für das
babylonische Exil, und die Schlange symbolisiert das letzte Exil,
Sama'el, die Macht Eßaws [Rom, Christentum].

Warum werden die Feinde Israels im letzten Zeitalter mit der
Schlange verglichen? Rabbiner A.J.Kuk (in "Ejn Aja",
Kommentar zu den talmudischen Gleichnissen) erklärte, daß
"die Gegnerschaft der Völker im Verlauf der ganzen
Weltgeschichte ihnen einen bestimmten Nutzen brachte,
entweder um durch Unterdrückung Israels an Stärke zu
gewinnen, oder aus kleinlicher Furcht, Israel könnte den für sie
bestimmten Anteil übernehmen, oder damit ihre Macht nicht
zurückginge, wenn die spirituelle Kraft Israels wächst. Doch der
endzeitliche Krieg von Gog, König von Magog (Jecheskel
Kap.38+39) hat nur ein Ziel: zu verderben und zu vernichten...
denn Israel sitzt bereits in seinem Lande und sucht den Frieden
aller seiner Nachbarn. Nur der Wille zur Zerstörung, und die
Eifersucht um den Ruhm G~ttes, der durch Israel wächst, treibt
Gog zum Kriege. Darum wird er mit der Schlange verglichen,
die ohne eigenen Genuß beißt, nicht wie der Löwe und der
Wolf, die für ihr Fressen reißen; so ein Anschlag ist besonders
gefährlich. Doch gerade daraus wird die wahre Errettung Israels
erwachsen und der große und heilige Name G~ttes durch sie
vergrößert und geheiligt werden".

Nach dem Stand der Dinge nahmen sich die Feinde Israels, die
uns bekämpfen, die Schlange zum Vorbild. Ihr ganzes Streben
ist darauf gerichtet, Israel zu schaden, ohne einen eigenen
Nutzen daraus zu ziehen. Ihr Ende wird dem der vorzeitlichen
Schlange gleichen: "Verflucht seist du vor allem Vieh und vor
allem Getier des Feldes" (Gen. 3,14) - "der besten Schlange
zertrümmere den Kopf" (Raschikommentar zu Ex. 14,7 nach
Midrasch Tanchuma und Mechilta), Amen, dies sei G~ttes Wille.

In Erwartung der vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
Frage und Antwort

Leichtes Leben

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Warum kann G~tt nicht etwas vollendet Gutes geben?
Wenn mir mal etwas Gutes widerfährt, passiert garantiert sofort
etwas Schlechtes, was alles wieder verdirbt. Zum Beispiel,
wenn ich eine gute Klassenarbeit nach Hause bringe, findet
meine Mutter bestimmt ein Haar in der Suppe, keinmal ist die
Freude komplett. Warum muß das so sein?

Antwort: Die Welt wurde nicht zu deinem Vergnügen
geschaffen. Der Herr der Welt ist nicht dein Butler, der von dir
Gehalt bezieht, um dir das Leben so angenehm wie möglich zu
machen. Diese Welt ist kein Rummelplatz und der Herr der Welt
kein Karussellbetreiber, der dir für dein gutes Geld einen
schönen Nachmittag bereiten muß. Im Gegenteil - du bist eine
Dienerin G~ttes. Ich bin ein Knecht und du eine Magd. Natürlich
kann der Heilige, gelobt sei er, wenn er will, eine Welt schaffen,
in der Alles Spaß macht, doch unsere Welt ist nunmal nicht so.
Dies ist eine Welt des Dienstes.

Vor der Sünde des ersten Menschen war die Welt eitel
Sonnenschein, und zu diesem Zustand werden wir auch wieder
zurückkehren, und sogar darüber hinaus, nach der
Wiederauferstehung der Toten. Zur Zeit befinden wir uns jedoch
in der Welt des Dienstes, "ein Mensch wird zum Mühsal
geboren" (Ijow 5,7), wie Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto in
seinem Buche "Der Weg der Frommen" (Messilat Jescharim)
weiter erläuterte. Überhaupt sollte man dieses Buch so oft wie
möglich von A bis Z durcharbeiten; dieses geniale, gewaltige
Werk wurde unter dem Einfluß heiliger Inspiration verfaßt und
erleuchtet alle Probleme unter dem Aspekt von Glauben und
Dienst an G~tt. Wir befinden uns in einer Welt des Dienstes,
und darum stellt sich diese Frage gar nicht erst. Würde man
nicht einen Soldaten, der sich bei seinem Vorgesetzten über
einen Mangel an ununterbrochenem Dienstvergnügen
beschwerte, für leicht verrückt halten? Schließlich befindet er
sich beim Militär zu einem bestimmten Zweck, und ebenso
schuf G~tt die Welt zu einem erhabenen Ziel, wobei er uns die
große Gnade erwies, uns zu diesem gewaltigen Werk
einzuspannen.

In Wirklichkeit aber genießen wir vorzügliche
Arbeitsbedingungen. Die meisten Menschen sind die meiste Zeit
gesund und haben zu essen. Man sollte sich vergegenwärtigen,
daß dies nicht unbedingt so sein muß (siehe Messilat
Jescharim, 8.Kap.), man kann auch an einer Krankheit oder
Hungers sterben. Darum sollte man seinen Blick und seinen
Verstand schärfen und G~tt Tag und Nacht für alles Gute
danken, das er uns zukommen läßt, sowie für die große Gnade,
uns am Werke zu beteiligen, wie wir im Segensspruch vor dem
morgendlichen Schma-Gebet erwähnen: "mit ewiger Liebe hast
du uns geliebt", und worin kommt das zum Ausdruck? "die
Gesetze des Lebens, deinen Willen mit ganzem Herzen zu tun",
denn das ist das größte Glück des Menschen.

Frage: Wenn ich persönlich viel Schlimmes erleide, warum nicht
einfach Selbstmord begehen? Wenn ich mit den schlechten
Dingen nicht fertigwerde und sie mir ständig die Stimmung
verderben, warum sollte ich sie nicht ein für allemal loswerden?

Antwort: Weil du deine Arbeit tun mußt, und wenn du dich davor
drückst, wirst du schwer bestraft werden. Dann wirst du nämlich
nocheinmal hierher geschickt, bis du deine Aufgabe erfüllt hast.
Dann wirst du zwar sehr glücklich sein, aber nur nach
Überwindung vieler überflüssiger Schwiergkeiten auf dem
Wege. Sowas gibt es auch gar nicht, "unüberwindlich
Schlechtes". G~tt schickt dem Menschen keine Probleme, mit
denen er nicht fertigwerden kann. Alles, was dem Menschen
widerfährt, geschieht im Einklang mit der göttlichen Vorsehung,
um ihm die Möglichkeit zum Dienst an G~tt zu geben und so
zum höchsten Glück des Menschen zu gelangen. Wenn du z.B.
durch die Prüfung gefallen bist, dann geschah das, damit du
Demut und Fleiß erwirbst. Wenn du dich mit deiner Mutter
streitest, so sollst du daraus lernen, wie man um Verzeihung
bittet, wie man reumütig umkehrt, wie man seinen Ärger
überwindet, wie man Demut erlernt, usw. Wenn du dich mit
einer Schwierigkeit konfrontiert siehst, solltest du diese
Herausforderung freudig annehmen, den bösen Trieb zu
attackieren, um G~tt zu dienen. Danach wirst du ein inneres
Vergnügen spüren, wie es kein zweites auf dieser Welt gibt, ein
Vorgeschmack auf die kommende Welt. Natürlich dienen wir
G~tt nicht für dieses erhabene Vergnügen, sondern um des
Dienstes selbst willen, doch handelt es sich dabei um einen
erfreulichen Nebeneffekt, den uns G~tt in seiner großen Gnade
gibt, die Freude bei der Gebotserfüllung.

Frage: Häufig nützen meine Gebete gar nichts, und auch viele
gute Taten während einer langen Zeitperiode tragen keine
Früchte - warum soll ich also damit weitermachen? Das
frustriert doch nur. Man schuftet schwer, und G~tt hilft nicht.

Antwort: Die Religionsausübung ist kein Handelsgeschäft, in
das man zwecks Ertrages investiert. So eine Gebotserfüllung
heißt nicht 'Dienst an G~tt', sondern 'Dienst an dir selber'. Und
selbst wenn so ein Mensch das Erhoffte erreicht, so ist er
dennoch arm dran: die Hauptsache hat er verpaßt, nämlich die
Anhänglichkeit an G~tt, den Sinn des Lebens. Darum bringt
G~tt mit Absicht die Karten durcheinander, um die erhabene
Wirklichkeit des Dienstes-um-seiner-selbst-Willen zu
ermöglichen, dem höchsten für den Menschen vorstellbaren
Vergnügen. Der Hauptsinn des Gebetes besteht nicht in einer
Eingabe an die Weltbehörde für Sozialhilfe, sondern in der
Erlangung von Verbundenheit mit G~tt. Der Mangel erweckt in
uns das Verlangen, zu G~tt zu beten und ihm anzuhängen. Die
talmudischen Weisen erklärten den Grund für die einstweilige
Unfruchtbarkeit der Stammütter (waren sie doch klug, reich und
schön): wenn sie auch noch Kinder gehabt hätten, würden sie
nicht beten, und der Heilige, gelobt sei er, sehnt sich nach dem
Gebete der Gerechten. Das Gebet dient nicht zur Beseitigung
eines Mangels, sondern im Gegenteil, der Mangel dient zur
Erweckung des Gebetes. G~tt sehnt sich nach dem Gebete der
Gerechten, und die Gerechten sehnen sich nach dem Gebete
zu G~tt. Bei uns allen sehnt sich die Seele nach dem Gebet und
brennt vor Durst danach. Auch bei den Geboten handelt es sich
nicht um ein Tauschgeschäft, sondern Gaben um des Gebens
willen. Auch G~tt macht mit uns keine Geschäfte, sondern
vollführt an uns von morgens bis abends mildtätige Werke,
kostenlos, ohne daß wir sie verdient hätten. "abends, morgens
und mittags, du bist der Gute, denn dein Erbarmen hat nie
geendet, der Barmherzige, denn deine Liebeserweisungen
haben nie aufgehört" (Schmone Esre). Auch wenn wir für
unsere Arbeit wirklich eine Entlohnung verdient haben, so
erhalten wir einen viel fetteren Gegenwert, als wir geleistet
haben. Wenn wir uns statt G~tt fortwährend für seine
unendlichen Wohltaten zu danken auch noch beschweren, so
besteht die Gefahr, daß wir mit dem Entzug der kostenlosen
Gaben bestraft werden. "Alles, was Lebensatem hat, lobe den
Herrn" (Psalm 150,6), für jeden Atemzug muß man G~tt
preisen. Ich habe noch genau das Bild eines inzwischen
verstorbenen Freundes vor Augen, wie er im Krankenhaus um
Luft rang und nach der Sauerstoffmaske verlangte.

Und wir? Wie gut ist unser Anteil, wie angenehm unser
Schicksal!
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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