DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHAR-BECHUKKOTAI
Nr. 304
26. Ijar 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Lev. 25,1-27,34)
Gesetze des Siebentjahres, des Joweljahres (alle 50);
Bodenrecht; Auslösung des Verarmten; Zinsverbot; Sklaven-
und Arbeitsrecht; Götzenverbot; Schabbat heiligen; Wohlstand
und Frieden bei Gebotsbeachtung, Armut, Tod und Exil bei
Nichtbeachtung; Geldgegenwerte von dem Tempel geheiligten
Personen und Sachwerten.
 
Frage und Antwort

Rache

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: In Anbetracht der jüngsten Ereignisse und im Hinblick
auf die Geschichte vom Auszug aus Ägypten - wenn wir die
Völker der Erde und an ihrer Spitze Pharao / Arafat und die
Palästinenser / als Boten verstehen, die Existenz G~ttes und
die Verinnerlichung der Göttlichkeit in der Welt im Allgemeinen
und beim Volk Israel im besonderen zu bestätigen, dann dürften
wir ihnen doch eigentlich ihre Verbrechen gar nicht übelnehmen,
das Blut unserer Brüder von ihnen einzufordern, und wir müßten
unsere Reklamationen gegen uns selber geltend machen, da
die Völker wie gesagt nur Sendboten sind?! Welchem Zweck
dient demnach die Rache? Was bedeutet also "G~tt der Rache,
Ewiger" (Psalm 94,1)?

Antwort: Die ganze Tora stützt sich auf dieses Grundprinzip: der
Mensch verfügt über Willensfreiheit, wie schon Rabbiner
Moscheh ben Maimon ("Maimonides") in den Gesetzen von der
Umkehr, 5.Kap. schrieb: Wenn G~tt über einen Menschen
verhängte, ein Bösewicht zu sein, und ihn dann dafür bestraft,
so wäre das sicher ein großes Unrecht.

Was Pharao betrifft, so hatte er uns aus freien Stücken
zugesetzt, G~tt hatte ihn nicht dazu gezwungen - im Gegenteil,
G~tt schickte Moscheh, damit er das Volk Israel entlasse und
reumütige Umkehr tue (ebda., 6.Kap.), doch weil er nicht
bereute, wurde er mit dem Entzug der Willensfreiheit bestraft.

Weiter fragte Maimonides: "G~tt hat scheinbar doch über die
Ägypter vorherbestimmt, daß sie schlecht handeln werden,
denn es heißt ja in der Tora: 'Sie [die Ägypter] werden sie 400
Jahre quälen und knechten' (Gen. 15,13)"? Und er antwortete
darauf: "Auch bei den Ägyptern hätte jeder Einzelne von denen,
die Israel Schlechtes antaten, Willensfreiheit gehabt, es zu
unterlassen, denn für keinen Einzelnen gab es eine
Vorherbestimmung. G~tt hat Awraham nur wissen lassen, daß
seine Nachkommenschaft im fremden Lande bedrückt werden
wird" (ebda.).

Darum wurden die Ägypter am Ende schwer bestraft, und nach
einigen Generationen wurde das ägyptische Reich restlos von
den Babyloniern beseitigt, die wiederum von den Persern und
Medern besiegt wurden, welche später auch an die Reihe
kamen - so wie im Lied "Chad Gadja" ("ein Lämmchen, ein
Lämmchen") am Sederabend; jedem Imperium schlägt die
Stunde, wenn sein Maß voll ist.

Dasgleiche gilt für die Araber bei uns und um uns herum, jeder
Einzelne von ihnen verfügt über die Willensfreiheit, ein
vollkommener Bösewicht zu sein oder nur ein halber, drittel oder
viertel Bösewicht - oder ein "Gerechter der Völker". Wie er sich
auch entscheidet, er wird auf jeden Fall einst vor dem
himmlischen Gericht Rechenschaft ablegen müssen, und auch
vor dem irdischen Gericht.

Wohl bestimmt G~tt im Großen und Ganzen den Ablauf der
Weltgeschichte, doch muß man zwischen "erster Ursache" und
"mittleren Ursachen" unterscheiden. Was wir in Ägypten leiden
mußten, war von G~tt als erster Ursache, als "Ursache aller
Ursachen und Grund aller Gründe" vorbestimmt worden. Die
Ägypter jedoch entschieden sich dafür, "mittlere Ursache", d.h.
Mittel zum Zweck zu sein, und wurden entsprechend bestraft.
Und Batja, die Tochter Pharaos, entschied sich dafür, Moscheh
zu retten, und erhielt ihren Lohn. Wenn nicht sie Moscheh aus
dem Fluß gezogen hätte, hätte G~tt sicher einen anderen Retter
beschafft, doch sie war es, die sich dieses Verdienst erwarb. So
sprach Mordechai zu Königin Esther: "Denn wenn du schweigst
in solcher Zeit, wird Hilfe und Rettung erstehen den Jehudim
von einem anderen Orte her" (Esther 4,14). "Man führt
Verdienstliches durch einen Verdienstlichen herbei und Böses
durch einen Bösen" (Smachot 8.Kap.). Jeder entscheidet
anhand seiner Willensfreiheit, ob er ein Sendbote G~ttes zur
Vermehrung des Guten und des Segens in der Welt sein will,
oder ein Instrument der Zerstörung und des Verderbens.

Die talmudischen Weisen erzählten: "Als Papos und Lulianos
durch den Römer Trajanus zur Vollstreckung ihres Todesurteils
geführt wurden, sagte er ihnen: Wenn ihr zum Volke von
Chananja, Mischa'el und Asarja gehört, komme euer G~tt und
vollbringe an euch ein Wunder, so wie er es jenen getan hat [sie
waren ins Feuer geworfen worden und kamen unversehrt
heraus]. Da antworteten sie: Nein; jene waren große Gerechte,
wir aber sind nur einfache Leute aus dem Volke, und wir
verdienen kein Wunder. Darüberhinaus hatte Nebukadnezar
seine guten Seiten, für die er würdig war, dieses Wunder zu
sehen. Du aber bist ein Bösewicht, und wir verdienen den Tod.
Wisse, wenn du uns nicht tötest, so hat G~tt viele Sendboten,
viele Bären, viele Leoparden, viele Giftschlangen und viele
Skorpione" (Smachot ebda.).

Darum müssen die Feinde des jüdischen Volkes, die gegen uns
antreten, um uns zu vernichten, restlos aufgerieben werden,
damit "sie sich fürchten und fortan nicht freveln" (Dt. 17,13),
"G~tt ist ein Kriegsmann" (Ex. 15,3), ein "G~tt der Rache"
(Psalm 94,1), und es ist uns geboten, in seinen Wegen zu
folgen (Dt. 8,6/19,9/26,17/28,9/30,16) und an den Bösewichten
Rache zu üben. Während unseres Exils (Galut) waren wir
machtlos, doch nun haben wir durch G~ttes Gnade eine starke
Armee, die unsere Rache an denen übt, die uns ausrotten
wollen. Diese Rache ist auf keinen Fall dazu bestimmt,
aggressive Gelüste abzureagieren, denn wir sind ein sensibles
und mildtätiges Volk, sondern um die Bösewichte der Welt
abzuschrecken und ihnen Furcht einzuflößen. So wurde uns
von der Tora geboten, den Kriegstreibern mit gleicher Münze
heimzuzahlen.

Um G~ttes Willen aber dürfen wir nicht mit Beschuldigungen
und Anschwärzung gegen das jüdische Volk ankommen. Wir
müssen das Volk Israel vielmehr in Schutz nehmen! Wir sind
bekanntlich noch nicht soweit, daß "Schwerter zu Sicheln und
Lanzen zu Rebenmessern" (Jeschajahu 2,4) umgeschmiedet
wurden, noch immer gibt es Kriege auf der Welt. Die uns lieben
und teuren Kinder Israels opfern sich für das Land auf, sowohl
in der Armee als auch in Siedlungen und Urbarmachung. Dieses
große Verdienst kann gar nicht oft genug erwähnt werden, denn
solches Verdienst steigt vor dem Thron der Herrlichkeit auf und
bringt uns Segen.

Folgende Geschichte wird im Buche "Pelle Jo'ez" (etwa "Der
wunderbare Ratgeber", populäres Werk jüdischer Gesetze und
Weltanschauung in kurzgefaßten Kapiteln, erschien vor ca. 180
Jahren) erzählt: "Zur Zeit der Religionsverfolgung trat ihnen eine
Frau entgegen und rief aus: 'Herr der Welt, du wußtest genau,
wen du dir erwähltest, wer ist wie dein Volk Israel, die zur
Heiligung deines Namens getötet werden'. Später offenbarte ein
Weiser, daß dieser Ausruf zur Einstellung der Verfolgungen
führte" (Kapitel über die Fürsprache).

Aus dem gleichen Grunde wurde Gideon ausgewählt, Israel zu
retten, weil er nämlich Verdienstvolles über die Juden zu sagen
wußte, und G~tt sprach zu ihm: "Gehe mit dieser deiner Kraft
und rette" (Richter 6,14; Raschikommentar, Sohar). Er war
nämlich kein Gerechter und auch nicht der Sohn eines
Gerechten, sondern gerade wegen dieser Neigung, Gutes über
Israel zu reden, wurde er zur Rettung Israels bestimmt.

Und heute? Heute haben wir eine wunderbare Generation, eine
heilige und vorzügliche, die sich für Volk und Land aufopfert,
eine Generation, die G~tt liebt und ihr Wunder geschehen läßt.

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Wer hat Angst vor Siebtjahrsfrucht?

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Auf vielen Nahrungsmitteln, die dieses Jahr in Israel vermarktet
werden, findet sich die Aufschrift "ohne Verdacht auf Schwi'it",
d.h. ohne pflanzliche Bestandteile, die Siebtjahrsheiligkeit
besitzen. Wo es um Gemüse geht, das im Siebtjahr
wahrscheinlich von Juden verbotenerweise ausgesät wurde, ist
diese Aufschrift verständlich. Allerdings sollte man Ausdrücke
vermeiden, aus denen sich die Disqualifizierung jener
autorisierten Rabbiner herauslesen läßt, die jüdische Produkte
unter dem "Heter Mechira" [Scheinverkauf des Landes an einen
Nichtjuden zur Vermeidung der Heiligkeit und des
Bearbeitungsverbotes durch Juden] erlauben. Doch wo es um
Obst geht, das bei jüdischen Landwirten wuchs, welche große
Mühen bei der Einhaltung der Siebtjahrsgesetze aufsichnahmen
- warum sollte man gerade Produkte "ohne Verdacht auf
Schwi'it" suchen?

Die Verwendung von siebtjahrsheiligem Obst verursacht zwar
gewisse Komplikationen, und wenn man die damit verbundene
ideelle und erzieherische Bedeutung nicht versteht, kann die
Sache "nervig" werden. Doch gerade darum geht es: Man muß
sich diese Bedeutung einmal klarmachen und sie in ihrem
ganzen Ausmaß erleben.

Bei der Heiligkeit dieser Früchte geht es um zwei zentrale
Themen: Das erste lautet "Hefker", die Enteignung zugunsten
der Allgemeinheit. Die Siebtjahrsfrüchte wuchsen ohne
menschlichen Einfluß, weil die Durchführung der üblichen
Landarbeiten verboten ist. Sie verdanken ihre Existenz allein
dem auf ihnen ruhenden göttlichen Segen. Darum nennt die
Tora diese Früchte "Schabbat Ha'aretz", d.h. Früchte des
Landes, das ruhte. "Und es sei die Feier des Landes für euch
zum Essen, für dich und deinen Knecht und deine Magd, und für
deinen Mietling und Beisaß, die bei dir weilen" (Lev. 25,6). An
diesen Früchten habt ihr keine Eigentumsrechte, sie sind der
Allgemeinheit freizugeben. Daraus folgt, daß man mit ihnen
keinen regulären Handel, wie mit eigener Ware, treiben darf.
Auch Früchte, die man sich erlaubterweise wie aus der freien
Natur genommen hat, werden nicht vollständiges Eigentum.
Wenn der Zeitpunkt kommt, da diese Art in der freien Natur
nicht mehr anzutreffen ist, "den Tieren in deinem Lande" (Lev.
25,7), dann muß man alle zum privaten Konsum oder fürs Vieh
eventuell im Haus gehaltenen Vorräte nochmals der
Allgemeinheit freigeben.

Neben seinem sozialen Wert enthält "Hefker" auch den
generellen Aspekt des "wende dich ab vom Bösen" durch die
Aufgabe des privaten Eigentumsrechtes. Von hier gelangen wir
zum Aspekt des "wende dich hin zum Guten": der
Siebtjahrsheiligkeit der Früchte. Während der sechs Jahre der
(Land-)Arbeit essen wir von unserem eigenen Tisch, im siebten,
Schmittajahr essen wir sozusagen als Gäste vom Tische des
Schöpfers der Welt. Ein Gast kann sich nicht benehmen, wie es
ihm in den Sinn kommt. Er muß den Tischsitten seines
Gastgebers folgen. Darum darf man die Siebtjahrsfrüchte nicht
anders verwenden, als es im Volke Israel, dem Volke des
Gastgebers, üblich ist. Der Gast bringt seinem Gastgeber einen
gewissen Respekt entgegen und wird sicher nicht dessen
freundliches Geschenk verächtlich behandeln, er wird Teile
davon nicht einfach wegwerfen oder sonstwie unangemessen
benutzen.

Auf diese Weise kann jedermann die Heiligkeit der Früchte des
Landes Israel im Siebentjahr spüren, die so auch auf die
folgenden Jahre ausstrahlt. Überhaupt wir, die wir in einer
Überflußgesellschaft im Zeichen des Überflusses leben und
daher den Anblick von Unmengen achtlos weggeworfener
Nahrungsmittel gewohnt sind, sollten uns vom Schabbat-Jahr
die Ehrfurcht vor dem Geschenke G~ttes in Gestalt des
Ertrages des heiligen Landes erhalten, wo gleichzeitig in
anderen Ländern Millionen Menschen Hunger leiden.

Möge es uns allen ein "gut Schabbes-Jahr" sein!
 

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Tel Aviv: 19.10/20.14
Haifa: 19.04/20.15