DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ACHARE MOT - KEDOSCHIM
Nr. 302
12. Ijar 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Lev. 16,1-20,27)
Jom Kippur: Opferdienst und Feiertag; Fleischgenuß nur von
Opfertieren; Verbot des Blutessens; Verwandte usw., die zu
heiraten verboten ist; weitere Sittlichkeitsgebote, um die Greuel
der Kana'aniter zu vermeiden; Gebot und Versprechen, heilig zu
sein; div. Ge- und Verbote und deren Strafen; Land von Milch
und Honig.
 
 

Der Stand der Dinge...
Seid heilig!
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Zwei Bedeutungen hat der Ausdruck "heilig sollt ihr sein" (Lev.
19,2). Die erste Bedeutung beinhaltet das Gebot, heilig zu sein,
d.h., "haltet euch von sittlicher Entartung und Sünde fern"
(Raschikommentar). Der zweiten Bedeutung nach werden wir
mit diesem Ausspruch über eine zwangsläufige Tatsache
informiert. G~tt versichert uns, daß wir eine heilige Nation sind
und unsere Bestimmung darin liegt, den Völkern zum Licht zu
sein, wie schon unserem Vorvater Awraham gesagt wurde:
"..und durch dich sollen alle Geschlechter des Erdbodens
gesegnet werden" (Gen. 12,3).

Darum müssen wir lernen, erinnern und die Tatsache
anerkennen, daß wir ein heiliges Volk sind, ein besonderes
Volk, eine besondere Kreatur in der Schöpfung. "Das Volk, das
ich mir gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen" (Jeschajahu
43,21) - "..der uns von allen Völkern auserwählt und uns seine
Tora gegeben hat" (Segensspruch über die Tora).

Nach dem Stand der Dinge sind unsere Identität und die
Erkenntnis, eine Nation zu sein, deren ganze Aufgabe in der
Erleuchtung der Menschheit besteht, das wichtigste Thema, das
es in dieser Generation zu lehren und zu erkennen gilt.

"Ein fundamentaler Irrtum ist die Abkehr von unserem ganzen
Vorzug, das Ablassen von der Erkenntnis des 'der du uns
auserwählt hast'... erhoben und sehr viel größer als jedes Volk.
Wenn wir unsere Größe kennen werden, dann kennen wir unser
Wesen, wenn wir unsere Größe vergessen, vergessen wir
unser Wesen... Nur durch das Vergessen unseres Wesens
verbleiben wir klein und elend, und das Vergessen unseres
Wesens ist das Vergessen unserer Größe..." (Rabbiner
A.J.Kuk, "Orot HaTechija", §5).

Nationale und politische Schwäche sind die Folge des
Vergessens und der mangelnden Kenntnis und Erkenntnis
dessen, wer wir sind und wofür wir leben. Darum müssen wir
jetzt erst recht über das einzigartige Wesen des jüdischen
Volkes lernen und lehren, das aus allen Völkern auserwählt
wurde, der Welt das Gute zu bringen. Wir müssen wissen, daß
wir genau darum im Verlauf unserer ganzen Geschichte
gekämpft haben, und besonders in den letzten hundert Jahren,
einschließlich des gegenwärtigen Krieges der Söhne des
Lichtes gegen die Söhne der Finsternis.

Der Glauben und das Wissen - daß wir heilig sind und eine gute
Seele besitzen, die sich gerade im Lande Israel offenbart, und
um diese Offenbarung kämpfen wir - werden uns die Kraft und
den Mut zum Sieg mit G~ttes Hilfe über alle Kontrahenten
geben, die uns gegenwärtig bedrängen.

In Erwartung der vollständigen Errettung,
Rav Dov Begon
 
 
 
Frage und Antwort

Mutig weiter

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Was für einen Sinn hat es, wenn Tag für Tag israelische
Bürger von palästinensischen Terroristen ermordet werden?

Antwort: Der Tod eines Kindes, das von Terroristen - möge ihr
Andenken ausgelöscht werden - ermordet wurde, gilt als wahrer
Heldentod, denn in unserem Lande zählt jeder Kilometer als
Grenzgebiet und jeder Bürger als Soldat, ob in Uniform oder
zivil. Jeder gilt als Kämpfer, sowohl Jüngling als auch Kleinkind,
und darum wollen die Schlächter - möge ihr Andenken
ausgelöscht werden - sie ja auch töten, denn sie sehen in dem
Kind von heute den Kämpfer von morgen. In Wirklichkeit ist es
bereits der Kämpfer von heute, denn das Land Israel wird nicht
nur durch die Armee erobert, sondern auch dadurch, daß wir
einfach nur darin wohnen. So sprach unser Lehrer Moscheh im
Segen über den Stamm Ascher: "Eisen und Kupfer dein Riegel"
(Dt. 33,25), und im Raschikommentar dazu heißt es: "Jetzt
spricht er zu ganz Israel; ihre Helden werden in den Städten an
der Grenze wohnen und diese verschließen, daß die Feinde
nicht in sie eindringen können, als wenn sie mit Schlössern und
Riegeln von Eisen und Kupfer verschlossen wäre". Es ist das
Verdienst der Armee, daß wir hier wohnen können, und in
gleichem Maße ist es das Verdienst unseres Wohnens hier,
eine Armeepräsenz zu haben, durch das Verdienst eines jeden
Teenagers, eines jeden Jungen und Mädchens, die sich nicht
fürchten und an jedem Orte wohnen, an jeden Ort gelangen und
überall herumreisen.

G~ttseidank haben wir keine Angst. Eine neue Generation von
Juden wuchs heran, die keine Angst haben, nicht einmal
Jugendliche und Kleinkinder. 200 Millionen Araber fürchten sich
vor fünf Millionen Juden. Seit dem Jom-Kippurkrieg wagen sie
es nicht, uns durch Krieg zu provozieren. Es langt gerade noch
zu sporadischen Terroranschlägen um des Mordens willen.
Terror hat keine ernstliche Macht, und noch nie gelang ihm, ein
Land zu erobern, höchstens Angst zu machen und die
Lebensumstände zu erschweren. Wir aber fürchten uns nicht:
"Fürchte nicht, mein Knecht Jakov" (Jeschajahu 44,2). Nur vor
G~tt fürchten wir uns in erhabener Himmelsfurcht - aber nicht
vor Fleisch und Blut.

Während des Krieges ist es verboten, sich zu fürchten, und
auch vor Terror darf man sich nicht fürchten. Jetzt ist nicht die
Zeit fürs Herumheulen. Als es in der Diaspora Pogrome gab,
blieb uns nichts anderes übrig als das Weinen, um Hilfe zu
flehen, zu beten oder fortzulaufen. Heute jedoch erleiden wir
keine Pogrome, sondern stehen im Krieg. Seit dem
Unabhängigkeitskrieg befinden wir uns im Kriegszustand, der
mal diese und mal jene Gestalt annimmt, Krieg von außen,
Krieg im Innern, und mit G~ttes Hilfe halten wir stand. Wenn ein
Soldat fällt, kann sich sein Offizier nicht auf den nächsten Stein
am Wegesrand setzen und stille Tränen vergießen; diesen
Luxus darf er sich nicht erlauben. Überdies beginge er das
Verbot "und mache seine Brüder nicht mutlos" (Dt. 20,8). Im
Gegenteil, er muß neuen Mut schöpfen und seine Truppe
bestärken, mit noch mehr Einsatz zu kämpfen.

Man sollte sich einmal genau das Klagelied König Davids
betrachten (Schmu'el II, 1.Kap.). Scha'ul, König von Israel, war
gefallen und mit ihm sein Sohn Jehonatan, den David wie seine
eigene Seele liebte. Sicher war sein Herz gebrochen - und
trotzdem hielt er es für angebracht, bei gleicher Gelegenheit das
Volk zu Heldenmut aufzurütteln. "Und sprach es, daß man die
Söhne Jehudas den Bogen lehre" (ebda., Vers 18). "Bevor er
das Klagelied anstimmte, wollte er den Mut seiner Leute
stärken, damit sich ihr Herz nicht in Verzweiflung erweiche, ihr
Haupt gegen die Philister zu erheben, und so sagte er ihnen: Es
ist an der Zeit, die Söhne Jehudas den Kriegsbogen führen zu
lehren, damit sie die Philister überwältigen können" (Mezudat
David zur Stelle), "denn er [der Bogen] gehört zu den
bevorzugten Kriegsgeräten" (Rabbiner Levi ben Gerschon,
"Gersonides"). "Siehe, es ist geschrieben in dem Buche
Jaschar" (Forts. Vers 18), d.h. im Buche Bereschit/Genesis, das
auch "Sefer HaJaschar" genannt wird, und dort wurde das
Gebot zu kämpfen erwähnt. "Dein Schmuck o Israel" (V.19), das
Land Israel, das begehrenswerte Land, das erstrebenswerte
Land, für das es lohnt, sich aufzuopfern. "Wie sind gefallen die
Helden!" (V.19). Sie fielen, doch nicht einfach so, sondern im
Kampf, zu ihrem Glück. Wenn nur auch wir solche Helden
wären... "Vom Blute der Erschlagenen, vom Fette der Helden
wich Jehonatans Bogen nicht rückwärts und Scha'uls Schwert
kehrte nicht leer zurück" (V.22). "Sie wichen niemals zurück,
ohne ihre Schwerter vom Blut und Fett der Feinde zu tränken
und viele zu erschlagen" (Mezudat David). "Wie sind gefallen
die Helden im Kriege" (V.25) - eine Art Kehrreim des
Klageliedes. "Wie sind gefallen die Helden, und sind dahin des
Krieges Geräte!" (V.27) - das ist der Schlußvers, der zu
Heldentum im Krieg aufruft.

Wir müssen uns eine neue Denkweise aneignen, die
Schaltkreise unseres Lebens umprogrammieren und verstehen,
daß wir uns im Krieg befinden und nicht im Frieden. Dieser
Zustand kann noch lange Zeit andauern, und wenn wir uns nicht
umgewöhnen, werden wir noch viele enttäuschte Hoffnungen
einstecken müssen.

Sicherlich müssen wir um einen teuren und liebgewonnenen
Gefallenen trauern, doch verbleibt dies im Rahmen der
individuellen Trauer, genau wie wir über jeden anderen
Todesfall trauern, wie wenn z.B. jemand bei einem
Verkehrsunfall ums Leben kam. Im Gegenteil, hier geht uns die
Trauer leichter ans Herz, weil er für das Volk und das Land
starb.

Es gibt aber keine nationale Trauer um die in den Kriegen
Israels Gefallenen, es gibt keinen Gedenktag für die Toten der
Kriege zur Eroberung des Landes Israel durch Jehoschua bin
Nun, und auch nicht der Kriege der Chaschmonäer. Es gibt
allerdings nationale Trauer in Bezug auf die Zerstörung und die
Vertreibung ins Exil, nämlich Tischa Be'Aw. Doch für das
Zeitalter der Erlösung gibt es keine nationalen Trauertage; diese
"erweichen das Herz der Kämpfer im Kriege".

Alle, die heutzutage wehklagen, zittern und verzweifeln, tun
genau das, worauf es die Terroristen  - möge ihr Andenken
ausgelöscht werden - abgesehen haben. Wir müssen ihnen im
Gegenteil zu verstehen geben, daß wir keine Angst vor ihnen
haben und ihnen sagen: das ist unser Land, und hier bleiben
wir, und euch wird das noch teuer zu stehen kommen!

Überhaupt sollten wir uns nicht einbilden, wir lebten hier in einer
Art Lunapark oder schon im Garten Eden. Im ersten Kapitel des
Buches "Der Weg der Frommen" ("Messilat Jescharim",
Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto) wird erklärt, wie im Garten
Eden alles ganz natürlich und leicht zugeht, doch in unserer
Welt muß man sich noch anstrengen; im Gegenteil, wenn etwas
leicht geht, steht es im Verdacht, dem Ratschlag des bösen
Triebes zu entspringen (ebda., Ende des 6. Kap.). Wer zum
bösen Trieb hält, dem geht alles leicht, doch der gute Trieb
verlangt nach Anstrengung, Kampf und Arbeit, und wenn man
ihn vernachlässigt, kommt nichts dabei heraus.

"Ein Mensch wird zum Mühsal geboren" (Ijow "Hiob" 5,7).
G~ttseidank gehören wir nicht zu den weichknie-igen Heulsusen
und den willenlosen melancholischen Trübsalbläsern. Wir sind
Helden, die jeden Tag aufs Neue bestehen. Aus jeder Moral,
jeder Selbstkritik, Toralehre und Gebet gehen wir gestärkt
hervor in unser privates und erst recht in unser
gesellschaftliches Leben, das noch mehr Heldenmut benötigt.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
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