DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ACHAREI
MOT
Nr. 249
24. Nissan 5760
AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen
Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge
von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen
auf Französich
Diese Woche in der Tora ( Lev. 16,1-18,30):
Jom Kippur: Vorschriften
für den Hohepriester, Opferdienst und
Feiertag; Fleischgenuß
nur von Opfertieren (während der
Wüstenwanderung);
Verbot des Blutessens; Verwandte usw.,
die zu heiraten
verboten ist; weitere Sittlichkeitsgebote, um die
Greuel der Kana'aniter
und die Vertreibung aus dem Lande
Israel zu vermeiden.
| Frage
und Antwort
Tagesgespräch II Rav Schlomo Aviner
|
![]() |
Frage: In einer der vorigen Ausgaben von Be'Ahawa ube'Emuna
(Nr. 243) ging es um die Frage der "Mehrung des Gespräches
mit der Frau". Ich persönlich rede außerordentlich viel
mit
meiner Frau, und zwar besprechen wir alle familiären
Angelegenheiten: Hausfrieden, Kindererziehung, Intensivierung
der Religiosität und jedes andere Thema, das die
Familienharmonie fördert. Natürlich reden wir auch über
alltäglichere Dinge. Dabei beschäftigte mich schon immer
die
Frage, wie ich im Hinblick auf die Mischna in den "Sprüchen der
Väter" (1,5) dastehe: "Mehre nicht das Gespräch (Ssicha)
mit
der Frau; man hat das von der eigenen Frau gesagt,
geschweige mit der Frau des Nächsten". Zu meiner Freude fand
ich eine interessante Antwort auf meine Frage. Im Talmudtraktat
Brachot (31a) steht geschrieben: "Man stelle sich nicht zum
Beten hin in Traurigkeit, noch in Trägheit, noch im Scherzen,
noch in Ssicha", und der Raschikommentar erklärt Ssicha
als
"dummes Gerede".
Vielleicht ist das auch die Absicht in den "Sprüchen der Väter".
Man mehre nicht das Gespräch, d.h. dummes Gerede mit seiner
Frau, und natürlich soll man erst recht nicht mit der Frau eines
Anderen dumm herumschwätzen.
Diese Erklärung machte mir deutlich, daß es nicht nur erlaubt,
sondern sogar wünschenswert sei, mehr mit meiner Frau zu
reden.
Ich bin mir nur nicht sicher, ob meine selbstgebastelte Erklärung
richtig ist, hoffe allerdings, nicht zu sehr an der halachischen
Wahrheit vorbeigezielt zu haben.
Antwort: Ihre Ansicht scheint mir absolut korrekt, und auch
Rabbiner Ovadia aus Bertinoro (lebte vor etwa 500 Jahren, auch
als "Bartenura" bekannt, verfaßte einen äußerst populären
Mischnakommentar) erklärte Ssicha in der Mischna "Sprüche
der Väter" mit "seichtem Gerede", wie in der Gemara Chagiga
(5b, nach Amos 4,13): "..der dem Menschen sagt, was er
gesprochen hat", d.h. seichtes und vielleicht auch schlüpfriges
Gerede. Der "Tossafot-Jomtov"-Mischnakommentar definiert
Ssicha mit "leerem Gerede", und man sollte sich stattdessen
lieber mit der Tora beschäftigen. Diese Erklärung zielt auf
die
Gemara ab, wo von der Begegnung des Rabbi Jossi mit Bruria,
der gelehrten Ehefrau Rabbi Me'irs, erzählt wird. Dort handelte
sich Rabbi Jossi die herbe Kritik Brurias ein, weil er sie mit
zuvielen Worten nach dem Weg nach Lod gefragt hatte (Eruwin
53b). Auch mit seiner eigenen Frau soll man keine sinnlose oder
blödsinnige Unterhaltung führen, obwohl das nicht unbedingt
vergleichbar ist. Manche Worte haben zwar keinen bestimmten
Inhalt, können aber die Menschen einander näherbringen, und
das ist bestimmt gut zwischen Eheleuten, darum kann man das
auch nicht mehr "leeres Gerede" nennen. Zwischen einem
Mann und einer für ihn fremden Frau gilt das natürlich nicht,
hier
ist ihm vielmehr geboten, großen Abstand zu halten.
Doch auch mit einer fremden Frau darf man über objektiv nötige
Dinge reden, und natürlich erst recht mit seiner eigenen Frau,
das ist sogar empfehlenswert. Darum können Sie sich glücklich
schätzen, diesen Weg eingeschlagen zu haben, und mögen Sie
und Ihre werte Gattin des himmlischen Segens teilhaftig werden.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige
Sendungen und Nachrichten aus Israel
| Am
Schabbes-Tisch
Sein Haus und unser Haus Rav Jakov Ari'el
|
![]() |
"Und der Ewige sprach zu Moscheh nach dem Tode der beiden
Söhne Aharons... sage deinem Bruder Aharon, daß er nicht
zu
jeder Zeit in das Heiligtum komme..." (Lev. 16,1-2). Was hat der
Tod der zwei Söhne Aharons mit den Gesetzen für Jom Kippur
zu tun?
Der Midrasch berichtet von einer anderen Sünde der Söhne
Aharons: Sie hatten keine Frauen. Diese Angelegenheit wird
gegenüber Aharon besonders betont: "..und erwirke Sühne für
sich und sein Haus" (Lev. 16,6). Jeder kennt die Halacha,
nach
der ein unbeweibter Hohepriester nicht den Dienst an Jom
Kippur verrichten darf. Interessanterweise lehrt dieselbe
Mischna (zu Beginn des Traktates Joma), wonach der
Hohepriester verheiratet sein muß, daß er die sieben Tage
bis
Jom Kippur nicht bei seiner Frau sein darf. Wenn die Frau ihn
also bei seinem Dienst stört, warum verlangt man dann
überhaupt von ihm, verheiratet zu sein?!
Jom Kippur selbst enthält einen ähnlichen Widerspruch.
Einerseits lesen wir im Minchagebet an Jom Kippur aus der
Tora die Verse über die zu ehelichen Beziehungen verbotenen
Verwandtschaftsgrade aus unserer Parascha, und andererseits
heißt es in der Mischna am Ende des Traktates Ta'anit (26b):
"Israel hatte keine fröhlicheren Festtage als den fünfzehnten
Aw
und den Versöhnungstag. An diesen pflegten die Töchter
Jerusalems... auszuziehen und in den Weingärten zu tanzen,
indem sie dabei sangen: Jüngling erhebe deine Augen...". An
diesem heiligen Tage wäre es doch wohl angebracht, die
Jünglinge von den Mädchen so weit wie möglich fernzuhalten.
So ist unser ganzes Leben voller Widersprüche. Das kommt am
besten durch die beiden Sündopferböcke zum Ausdruck - der
eine gelangt ins Allerheiligste des Tempels, dem Ort unserer
innigsten Verbindung zu G~tt, und der andere wird weit, weit
weg von jeder Innerlichkeit nach Asasel in die Wüste geschickt.
Und woher weiß man, welcher Bock wohin gehört? Durch's Los!
Damit wird das Schicksal der menschlichen Seele angedeutet,
die manchmal vor extrem unterschiedlichen Möglichkeiten steht
- und die dann dem blinden Zufall die Entscheidung überläßt...
Die beiden Möglichkeiten lauten: Auf der einen Seite die
Innerlichkeit, die Tiefe, das Abstrakte und das Verborgene, und
auf der anderen Seite die Äußerlichkeit, das Unbedeckte,
das
Anziehende und das Verlockende. Beide Seiten befinden sich in
ihrer Extremheit in ein und demselben Menschen: in seinem
Herzen und in seinen nach außen gerichteten Sinnen.
Die Tora will diese beiden Seiten in harmonischen Einklang
bringen. Während des ganzen Jahres soll das Opfer den
Menschen G~tt näherbringen und wird durch Herausschaffen
aus dem Tempelgelände als Opfer disqualifiziert; ebenso, wenn
es zu nahe ans Allerheiligste kommt. Nur an Jom Kippur, dem
Tag der seelischen Rechenschaft, dem Tag der gründlichen
Klärung, dem Tag der Reinheit und der Sühne - wird die
Äußerlichkeit vollkommen von der Innerlichkeit getrennt,
um die
Harmonie des seelischen Gleichgewichtes wiederherstellen zu
können.
Die Beziehung zwischen Mann und Frau, (wie die zwischen
dem Menschen und seinen Grundwerten), kann auf zwei extrem
gegensätzliche Weisen oder harmonisch zum Ausdruck
kommen: durch das eine Extrem, durch absolute Trennung und
Abstandnahme voneinander, und andererseits durch absolute
Zügellosigkeit, ohne jede Beschränkung. Darüber projizieren
wir
in gleichem Sinne die reine Vergeistigung, und ihr gegenüber
die materialistische Tierhaftigkeit. Dazwischen liegt der
goldenen Mittelweg: die Harmonie von Körper und Seele.
Dieser
Weg läßt sich jedoch nicht auf einen Punkt statisch festnageln,
denn den Menschen bewegt eine lebendige und aktive Seele,
die unterschiedlichen Geisteszuständen ausgesetzt ist.
Gleichgewicht und Harmonie können sich also von Mal zu Mal
an anderer Stelle einfinden. Das ist die Natur des Menschen.
Nur so kann er seine innere Ausgeglichenheit bewahren.
Der Fehler der Söhne Aharons lag in ihrer Annahme, ihr
Priesteramt zwinge sie zu absoluter Enthaltsamkeit von der
Gründung einer Familie. Vielleicht lernten sie das von unserem
Lehrer Moscheh, der in dieser Beziehung eine Ausnahme
darstellte. Doch sie fragten ihn nicht um Rat. Sie gelangten zu
diesem Beschluß aufgrund eigener Überlegung. Das führte
zu
ihrem zweiten Fehler. Sie sahen sich dazu ermächtigt, das
Räucherwerk drinnen im Heiligtum und auch außerhalb
darzubringen. Ihr Status der Heiligkeit und Reinheit schien
ihnen dazu auszureichen - und das war ein Irrtum. "Mit diesem
darf Aharon in das Heiligtum gehen: mit einem jungen Farren..."
(Lev. 16,3) - dem Symbol der materialistischen Tierhaftigkeit.
Doch nach ihrer Bezwingung, nachdem er seine Hände auf den
Opferstier gestützt hatte - "und erwirkte Sühne für
sich und sein
Haus". Ohne Haus, d.h. ohne Frau, gibt es für ihn keine Sühne;
er kann nicht als persönliches Beispiel für Heiligung und
spirituelle Reinheit vor der israelitischen Öffentlichkeit dienen.
Gleichzeitig jedoch, mit seinem Eintritt ins Heiligtum, und in der
Woche davor, hält man den Hohepriester von seiner Frau fern.
Natürlich gilt er weiterhin als verheiratet, doch jetzt muß
er sich
einen bestimmten Zeitraum von ihr trennen, absondern, wobei
ihre Verbindung rein von jeder triebhaften Neigung erhalten
bleibt.
Einerseits ist Jom Kippur ein Tag der Absonderung von den
verbotenen Beziehungen, ja sogar von der gesetzlichen
Ehefrau. Und derselbe Tag, nach dem spirituellen
Reinigungsprozeß, ist der große Tag der Heiratsvermittlung.
Dazwischen besteht kein Widerspruch. Nur so wird ein junger
Mann seine Augen auf die Gründung einer guten Familie
richten.
* * *
Mit einem kleinen Lächeln
Einer der Anhänger des "Alten von Schipoli"
klagte dem Rebben
bitterlich über seinen Zustand: "Ich
unterhalte ein Wirtshaus und
bin den ganzen Tag mit primitiven Leuten
zusammen, mit
Säufern und Betrunkenen, und höre
ihre Gespräche über fast
immer unanständige Dinge. Ich kann so
nicht mehr
weiterleben".
Darauf erwiderte ihm der fromme Alte: "Du
möchtest sicher in
einem schönen, stillen Kämmerlein
voller heiliger Bücher sitzen,
gekleidet in Samt und Seide, und so G~tt
in Heiligkeit und
Reinheit dienen. Ich aber sage dir: Solche
Diener hat der Ewige
Tausende und Abertausende, nämlich die
Dienstengel in den
höheren Sphären. Und trotzdem schuf
G~tt diese niedere Welt
und erfreut sich ganz besonders an jenen
Juden, die mit
Problemen und Hindernissen zu kämpfen
haben und diese
überwinden und ihm dienen. Dazu
bist du geschaffen worden,
und das ist das Verdienst, das du erwerben
kannst, dem Ewigen
höchste Freude zu bereiten, die ihm
alle Heerscharen seiner
Dienstengel nicht machen können".
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