MACHON MEIR
                       DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ETCHANAN
Nr. 209
11. Aw 5759
 

AUF DEUTSCH:
DIE TOLERANZ
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
NEU Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
 

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen, zum Zuhören
online (z.Zt. am besten mit Internet Explorer)
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 3,23-7,11):
Fortsetzung Moschehs Rückblicksrede, Bitte, doch einwandern
zu dürfen, und deren göttliche Ablehnung; Ermahnung, die
Tora nicht zu ändern; Warnung vor Götzendienst;
Zufluchtstädte; Wiederholung der 10 Gebote; das Schma-
Gebet; Vermeiden von Mischehen; nochmalige Aufforderung
zur Vertreibung der Ka'ananiter.
 
 
Frage und Antwort

Trost für mein Volk

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Kann man heutzutage noch irgendwo Trost finden?

Antwort: Aber sicher! Die Lage der Nation verkehrt sich in ihr
Gegenteil: "Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer G~tt, ..daß
erfüllt ist seine Dienstzeit, daß seiner Schuld genug getan,
denn es hat empfangen aus der Hand des Ewigen doppelt für
seine Sünden" (Jeschajahu 40,1-2). Die Galut (Exil,
Verbannung) geht durch G~ttes Gnade mit uns ihrem Ende
endgegen. Wir sind schon nicht mehr in der Galut. Wißt ihr
überhaupt, was Galut bedeutet?! In der Galut wird die Ehre des
Juden mit Füßen getreten, er muß konstant um sein Leben
fürchten und wird am Ende vertrieben. Eines trüben Tages
steht er auf, nimmt seine Frau und Kinder, packt seine
Siebensachen und macht sich in ein anderes Land auf, dessen
Sprache er nicht kennt und nicht weiß, woher sein täglich Brot
kommen soll. Er verläßt das Land, das er liebte und dort
hunderte von Jahren verbrachte. Galut bedeutet erlogene
Beschuldigungen gegenüber Juden, die nichts verbrochen
haben, Pogrome wie das des Chmielnitzki, der mit seinen
Kosaken eine Million Juden niedermetzelte, und einen Hitler,
der mit einer etwas anderen Weltanschauung und anderen
Ansichten auch Millionen Juden umbrachte. Galut ist die Affäre
um den französichen Generalstabsoffizier Dreyfus, der
niemandem etwas zuleide getan hatte, und man rief nicht nur
"Todesstrafe für Dreyfus!", sondern "Tod den Juden!".

Heute befinden wir uns glücklicherweise schon nicht mehr in
der Galut, sondern in unserem eigenen Land, in unserem
eigenen Staat mit unserer eigenen Armee und unserer eigenen
Polizei.

Einmal fragte mich ein Freund: Kann ich dies und jenes
machen? Ich antwortete ihm: Aber das ist doch illegal! - Was
interessiert mich legal oder illegal, Hauptsache Mitzwa! Da gab
ich ihm zur Antwort: Zweitausend Jahre haben wir darauf
gewartet, daß unsere Polizei zu etwas 'nein' sagt. Dieses Land,
daß so lange öd und wüst gelegen hatte, wird nun mit G~ttes
Hilfe zu einem blühenden Garten Eden aufgebaut. Siehst du
nicht die "Einsammlung der Verstreuten" von überall her auf
der Welt? Siehst du nicht, daß wir inzwischen unseren eigenen
Staat haben mit einer, gottseidank, starken Armee? Wir haben
nun eine Wirtschaft, Ackerbau und Industrie, Jeschiwot und
Tora-Seminare für Mädchen!

Hier hat sich etwas gewaltig geändert. "Tröstet mein Volk...,
seiner Schuld [ist] genug getan".

Vielleicht möge jemand erwidern, es gebe doch immer noch
viel unbegründeten Haß (ßinat chinam), und dafür verdienten
wir Galut. Anscheinend sind wir mit dem Sündigen noch nicht
fertig. Die Galut soll doch das Verbrechen ausmerzen und mit
den Missetaten Schluß machen, und sieheda, alles ist voll
Sünde und dem schlimmen verbotenem Haß.

Doch so eine Behauptung ist nichts anderes als Verleumdung.
In Wirklichkeit gibt es heute bedingungslose Liebe (ahawat
chinam). "Unbegründeter Haß" bedeutet, daß ein Jude den
anderen haßt, weil er nicht ganz genau wie er ist, sondern
eben anders. Alle müssen so wie er denken und der gleichen
Ideologie anhängen. "Bedingungslose Liebe" bedeutet, den
anderen Juden in seiner Eigenschaft als Juden zu lieben.
Heute gibt es diese "bedingungslose Liebe". Es steht doch
vollkommen außer Frage, daß wenn ein Jude in Gefahr
schwebt, eine Million Soldaten zu seiner Rettung kommen, die
sogar ihr eigenes Leben dafür in Gefahr bringen. Das soll
keine "bedingungslose Liebe" sein?! Zehn Religiöse begeben
sich unter Beschuß, um einen nichtreligiösen Kameraden zu
retten, und zehn Nichtreligiöse begeben sich unter Beschuß,
um einen Religiösen zu retten. Das soll wirklich keine
"bedingungslose Liebe" sein?!

Als er um Hilfe rief, prüfte keiner erst: "Sag' an, bist Du ein
Religiöser oder ein Nichtreligiöser; ein Linker oder ein
Rechter?" Ein Mensch liebt doch zuerst sein eigenes Leben -
und hier ist er bereit, es für seinen Bruder einzusetzen. Das
soll keine "bedingungslose Liebe" sein?!

Heutzutage gibt es kein anderes Land auf der Welt, dessen
Bürger sich einander so sehr lieben. Wir beziehen uns hier
nicht auf die Skandalsucht und die masochistische
Selbstzerfleischung der Massenmedien, sondern auf
Tatsachen. Gibt es sonst noch ein Land auf der Welt, in dem
kein Mensch ohne Wohnung ist, außer unserem? Selbst in
reichen Ländern sind Millionen Menschen ohne Behausung,
und keinen kratzt das. Sollte hier ein Fall bekannt werden, wo
jemand vollkommen "unten durch" ist und im Freien
übernachten muß - was für ein Geschrei würde das geben!

Dies ist das einzige Land auf der Welt, in dem niemand Hunger
leidet. In einer Untergrundbahnstation von New York kann man
eine junge Frau mit einem Kleinkind sitzen sehen, die ein
Schild mit der Aufschrift trägt: Ich bin hungrig. Und das stimmt
auch noch. Die Menschen eilen vorüber, und keinen
interessiert es. Im Wolkenkratzer über ihr, in einem der
feudalen Büros, sitzt ein Mann, der pro Tag eine Million Dollar
verdient, ohne Übertreibung. Bei uns kümmert sich der Staat
um die Hungrigen, und um diejenigen, die durch die Maschen
des sozialen Netzes fielen, kümmern sich private
Wohlfartsorganisationen, die sie mit allem Nötigen versorgen.
Das soll keine "bedingungslose Liebe" sein?!

Wie kann es jemand wagen, zu behaupten, es gäbe keine
"bedingungslose Liebe"?! Das ist doch reine Verleumdung! -
'Ich kenne aber jemanden, der andere haßt'. - Natürlich gibt es
Randerscheinungen, das kommt überall vor. Jede Gesellschaft
hat ihre Randerscheinungen wie z.B. gewalttätige Menschen,
die ihr persönliches Problem hinter einer ideologischen
Fassade verstecken. Wir erinnern uns noch gut an einen
Mann, der die Religiösen furchtbar haßte und bei jeder
Gelegenheit über sie herzog. Eines Tages tat er reumütige
Umkehr und wurde selber religiös, mit Haut und Haar - und war
nun auf die Nichtreligiösen schrecklich böse und schüttete
Kübel von Unflat über sie den lieben langen Tag... Das Prinzip
ist wohl jedem klar. So ein Mensch muß einfach hassen. Die
Tora lehrt uns: "Hasse nicht" (Lev. 19,17). Sagt der Herr der
Welt: Ich weiß, daß dir ein böser Trieb innewohnt und ein
wildes Tier in deinem Innern heult, ich kenne deinen Trieb zu
hassen, denn ich habe ihn dir ja eingepflanzt - damit du ihn
bekämpfst und ihn überwindest, dadurch über dich
hinauswächst und an spiritueller Größe gewinnst, aber nicht,
um vor ihm zu kapitulieren! Doch jener Mensch wollte hassen,
mal diesen und mal jenen, Hauptsache, die Munition gehe ihm
niemals aus. Steht so ein Mensch repräsentativ für das
jüdische Volk?

Und repräsentiert etwa das vom Fernsehen verspritzte Gift das
jüdische Volk? Langer Worte kurzer Sinn: manchmal steht nur
Müll im Schaufenster, doch im Laden selber ist gottseidank
alles von bester Qualität. Manchmal erscheinen auf dem
Bildschirm Menschen ohne moralisches und nationales
Verantwortungsbewußtsein. Statt daß die Medien die
Menschen miteinander verbinden, trennen und entfremden sie
sie voneinander. Im Volk pulsiert die "bedingungslose Liebe",
auch wenn man nicht gewohnt ist, dies laut herauszusagen.

Rabbiner Awraham Jizchak Kuk beschreibt in seinem Artikel
"Tröstung Israels", wie einst die Rabbiner auf der Hut waren
und über jeden Mißstand, über jede Sünde und über jedes
Vergehen einen großen Lärm machten, und das zu recht.
Heute hat sich ihre Aufgabe jedoch geändert. Heute ist es ihre
Pflicht, die Nation zu trösten, d.h., ihr die ihr innewohnenden
guten Kräfte aufzuzeigen, ohne zu schmeicheln und ohne
etwas zu beschönigen, nur die Wahrheit zu sagen, die volle
Wahrheit. Je mehr sich unsere Generation des in ihr
verborgenen Guten bewußt wird, vermehrt sie Heldenmut und
Tatkraft, Größe und Reinheit.

Diese Generation reicht an den Gipfel Jahrtausender jüdischer
Geschichte, eine ausgezeichnete Generation. Woher wissen
wir das? Betrachte ihre Erfolge, sie stellte einen Staat auf die
Beine und begann die Erlösung. Vielleicht möge jemand
einwenden, daß hierfür nicht die Generation verantwortlich sei,
sondern G~tt? Natürlich, doch "man führt Verdienstliches
herbei durch einen Verdienstlichen" (Schabbat 32a). Nicht
ohne Grund erwählte sich G~tt gerade diese Generation, um
die Erlösung zu bringen! Ist das etwa Zufall?! Dies ist eine
großartige Generation, voller Taten, voll großer Leistungen.
Und auch sie hat Fehler gemacht, keine Generation "ist auf
Erden, die das Gute tue und nimmer fehle" (Kohelet 7,20). Und
von einer Generationen umfassenden historischen Perspektive
sind wir zum endgültigen Trost gelangt, zu fortdauernder
Tröstung, und auf gleiche Weise kommen wir der Heiligkeit
immer näher.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 
 
Der Stand der Dinge...

Doppelter Trost

Rav Dov Begon
Leiter von
MACHON MEIR

"Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer G~tt, redet zum Herzen
Jeruschalajims und rufet ihm zu, daß erfüllt ist seine Dienstzeit,
daß seiner Schuld genug getan, denn es hat empfangen aus
der Hand des Ewigen doppelt für seine Sünden" (Jesch. 40,1-
2). Dazu erklärt der "Malbim" - Kommentar (Rabbiner Meir Löw
ben Jechiel Michel, voriges Jh.): Die Verdoppelung des Wortes
"Tröstet" soll uns etwas über den Erlösungsprozeß des Volkes
Israel lehren. Es gibt zwei Weisen, auf die die Erlösung
stattfinden kann - entweder frühzeitig, oder zum
spätestmöglichen Termin, "Achischenna" oder "Be'ita"
(Jeschajahu 60,22; Sanhedrin 98a). Das zeitliche Vorziehen
der Erlösung wiederum kann aus zwei Gründen erfolgen:
Entweder wegen der außerordentlichen Verdienste des
jüdischen Volkes in der Erfüllung der Gebote, oder wegen der
in ihrer Strenge und Härte weit über das Erforderliche
hinausgehenden Bestrafung für seine Sünden. Beide
Möglichkeiten führen zur vorgezogenen Erlösung,
"achischenna". Darauf bezugnehmend sagte der Prophet:
"denn es hat empfangen aus der Hand des Ewigen doppelt für
seine Sünden" - also "achischenna".

Dann gibt es noch die Möglichkeit der Erlösung "zu ihrer Zeit",
"be'ita", wonach das jüdische Volk auf jeden Fall erlöst werde.
So wie bei einer Frau gegen Ende der Schwangerschaft - man
kann die Geburt vorzeitig herbeiführen, oder aber bis zum
Ende abwarten, auf jeden Fall kommt eine neue, reine Seele in
die Welt.

Nach dem Stand der Dinge handelt es sich bei unserer
Generation um die des Holocaust und der nationalen
Wiedererstehung. Diese Generation "empfing doppelt aus der
Hand des Ewigen", ein fast zweitausendjähriges Exil (Galut),
welches das jüdische Volk bis in den Staub erniedrigt sah, mit
dem furchtbaren Holocaust zum Abschluß - diese Generation
verdient eine Tröstung im Sinne von "achischenna". Und
wirklich, wir können die Tröstung Israels mit unseren eigenen
Augen sehen, wie der Staat Israel sowohl in wirtschaftlicher als
auch in militärischer Hinsicht erstarkt. "Jedes Tal erhebe sich,
und jeder Berg und Hügel senke sich, und es werde die
Krümmung zur Ebene, und die Höcker zum Tal" (ebda., 40,4).
Und aus der real existierenden Einsammlung der Verstreuten
und dem Aufbau des Staates Israel kann der Tag nicht fern
sein, an dem wir auch der Fortsetzung dieses Verses teilhaftig
werden: "Damit sich die Herrlichkeit des Ewigen zeige, damit
alle Geschöpfe bekennen, daß also der Herr gesprochen hat"
(ebda., 40,5); alles, was der Ewige seinem Volk Israel von
Anfang an versprochen hat, erfüllt er - und das ist unser
größter Trost.
 

Finanzier gesucht:
Zur Herausgabe ausgewählter Kommentare zur Parscha und
anderen jüdischen Themen von Rabbiner Schlomo Aviner in
Buchform auf deutsch werden Spender gesucht, die z.B. das
Andenken von Angehörigen auf diese Weise ehren wollen.
(Kosten für Hardcover /Taschenbuchformat ca. DM 5000,-
/Auflage v.1000 St.). Interessenten werden gebeten, sich mit
der deutschen Redaktion (s.o.) in Verbindung zu setzen.

Bereits erschienen (Auswahl):

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch in Russisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an obige Anschrift von
MACHON MEIR

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 19.05/20.24
Tel Aviv: 19.23/20.26
Haifa: 19.17/20.27