MACHON MEIR
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHEMINI
Nr. 194
24. Nissan 5759

Diese Woche in der Tora (Lev. 9,1-11,47):
Aharon bringt Sühnopfer für seine Beteiligung am "Goldenen Kalb"; Stiftszelt-
Einweihungsopfer und göttliche Erscheinung vor dem versammelten Volk; zwei der Söhne
Aharons werden für falsches Räucherwerk von himmlischen Feuer getötet; Speisegesetze,
erlaubte und verbotene Tiere.
 
 
Frage und
Antwort
Verstehen oder Glauben?
Rav Schlomo Aviner

Frage: Gibt es rationale Antworten auf alle Fragen, die mit G~tt und Judentum zu
tun haben, oder liegen manche Dinge unfaßbar jenseits unseres Horizontes?

Antwort: Der menschliche Verstand ist kein Alleskönner, sondern begreift nur einen
sehr beschränkten Teil der spirituellen Wirklichkeit. Doch dieser Teil ist uns lieb
und teuer, und wir müssen ihn bis in seinen letzten Winkel ausnutzen. Zu diesem
Thema treffen zwei gegenteilige Auffassungen aufeinander: 1. Daß der Verstand
alles begreifen kann, und 2. daß man gar nichts begreifen kann.

Wir, die Schüler von Moscheh Rabenu, strengen unseren Verstand bis an die
Grenzen seines Vermögens an und eröffnen uns dadurch ein Fenster zu neuen,
erhabeneren Welten - zur "Emuna" (~Glauben). Rabbiner Moscheh ben Maimon
("Maimonides") schrieb in seinem Gesetzeswerk ("Mischne Tora", Hil. Me'ila 8,8):
"Der Mensch sollte sich die Gesetze der heiligen Tora genau betrachten und ihnen
entsprechend seinem geistigen Vermögen auf den Grund gehen. Und wenn er für
etwas keine Deutung finden kann oder keinen Grund weiß, nehme er die Sache nicht
leicht und höre nicht auf, zu G~tt zu streben...". Und so schrieb er auch
zusammenfassend bezüglich der Opfergesetze (Hil. Tmura 4,13): "Obwohl es sich
bei allen Gesetzen der Tora um göttliche Bestimmungen handelt, sollte man darüber
nachdenken und allem, wofür sich eine Deutung finden läßt, eine Deutung geben".

Aus den Tiefen der Seele erhebt sich über den Verstand das Gefühl der Emuna,
denn die Seele selbst gehört schon zu den himmlischen Sphären. Durch diesen "Sinn
der Emuna" erlangt man weit über die Möglichkeiten des Verstandes
hinausreichende, tiefgehende und erhabene Erkenntnisse. Doch auch dieser "Sinn der
Emuna" hat seine Grenzen, er hat keinen Zugang zu allen göttlichen Dingen.

Über der Emuna steht die direkte Inspiration durch das Heilige ("Ru'ach
Hakodesch"), ein Überfluß aus noch höheren Sphären, der ebenfalls in
unterschiedlichen Abstufungen erscheint. Auch diese Inspiration erfolgt nicht ohne
Einschränkungen, denn in den höchsten spirituellen Höhen weiß auch sie nicht alles
zu erkennen.

Über diesem Phänomen steht die Prophetie, und auch bei ihr gibt es verschiedene
Abstufungen, und auch sie hat ihre Grenzen. Danach kommt die besondere Prophetie
von unserem Lehrer Moscheh, der mit G~tt "von Angesicht zu Angesicht" (Ex.
33,11) sprach, und von dem es im Hinblick auf alle anderen Propheten hieß: "Nicht
so mein Diener Moscheh..." (Num. 12,7). Von noch größerer Reichweite ist die
Prophetie des ersten Menschen, Adam, vor der Sünde...

Und darüberhinaus? Auch damit sind wir noch nicht am Ende aller Erkenntnis
angelangt, denn danach wartet auf uns noch die große Erleuchtung im Zeitalter der
Auferstehung der Toten, "denn ein Hoher hoch über den Hohen wacht" (Prediger
5,7)...
 
 
Am Schabbes-Tisch
Die Halacha und ihre Einhaltung
Rav Jakov Ari'el

Nadaw und Awihu, zwei der Söhne Aharons, brachten ein unvorschriftsmäßiges
Räucherwerk dar. [Räucherwerk gehört mit zu den Aufgaben der Priester im
Tempel]. Sie wollten dem Wüstenheiligtum anläßlich seiner Einweihung eine, wie sie
meinten, besondere Ehrung erweisen. Vielleicht hätte ein ähnliche Aktivität zu einer
anderen Zeit und an einem anderen Ort nicht die tödliche Folge für sie gehabt, und
man hätte ihnen sogar verziehen. Schließlich galt ihre Absicht der Ehre G~ttes. Sie
fühlten einen starken inneren Drang, auch von sich aus ein Opfer darzubringen. Eine
solche Initiative, auch wenn sie nicht genau dem jüdischen Gesetz entspricht, gilt
nicht als eine so furchtbare Sünde. Hier lag ein Irrtum bei der Gebotsausübung vor,
den das Gesetz unter bestimmten Bedingungen berücksichtigt. Doch nicht in diesem
Fall: Nicht an diesem Ort, und nicht zu dieser Zeit. Die Weihung des Heiligtums
(dem Vorläufer des Tempels in Jerusalem), die unter anderem den Status und die
Autorität des Religionsgesetzes ein für alle Mal konstituierte, verpflichtete zu
besonderer Genauigkeit bei dessen Einhaltung, hier und jetzt, um gar nicht
erst die Ansicht aufkommen zu lassen, wonach am Orte, dessen Bestimmung
in der Ehrung G~ttes liegt, jede Form der Ehrung G~ttes möglich sei. Dies
ist nicht der Fall; der Tempel soll gerade das Bewußtsein des Volkes für das
Gesetz stärken. Darum mußte der Irrtum, im Heiligtum brauche man es mit
der Halacha nicht so genau zu nehmen, an der Wurzel ausgerottet werden,
denn der Tempel soll die Halacha stärken, nicht schwächen.

Die natürliche Neigung, eine heilige Sache zu ehren und ihr einen eigenen
Wert zuzumessen, bis hin zur Rechtfertigung eines Gesetzesbruches zu
diesem Zwecke, entstammt einer irrigen Betrachtungsweise. Es gibt keinen
heiligeren Wert als das Verhalten des Menschen im Einklang mit der Tora.
Zu diesem Zweck wurde der Tempel geweiht, und zu diesem Zweck erhielt
das Buch der Tora seine Heiligkeit - damit der Mensch einen entsprechend
geheiligten Lebenswandel führe. Wenn der Mensch nun von seiner
spirituellen Stufe Abstriche macht, um etwas anderes zu heiligen, bewirkt er
genau das Gegenteil. Aus diesem Grunde erklärten die talmudischen Weisen:
"Man halte die Schulkinder nicht [vom Torastudium] ab, selbst nicht zum
Bau des Tempels" (Schabbat 119b), denn der Sinn des Tempels ist die
Verbreitung der Tora im jüdischen Volk. "Denn von Zion geht die Lehre
aus..." (Jeschajahu 2,3). Doch wenn der Bau des Tempels Torastudium
vermindert, wird genau das Gegenteil erreicht. Das Mittel - der Tempel -
wird zum Zweck, und der Zweck - die Tora - zum Mittel. Das darf nicht
passieren. Diesen Fehler machte Usa, als er Hand an die Lade mit den
Bundestafeln legte, wie sich das Zuggespann von ihr losgerissen hatte
(Schemu'el II, 6.Kap.). Die natürliche Reaktion eines jeden Menschen, der
den heiligen Schrein zu Boden fallen sieht, wäre, die Lade festzuhalten, um
sie vor Schaden zu bewahren. Wenn man die Angelegenheit jedoch einmal
richtig logisch durchdenkt, stellt sich die Frage: Woher stammt die Heiligkeit
der Bundeslade? Doch wohl von der in ihr aufbewahrten Tora. Und die
Heiligkeit der Tora besteht im Befolgen ihrer Weisungen. Da nun die
Verantwortung für den Transport der Bundeslade bei den Leviten und den
Kohanim (Priestern) liegt, hat kein Fremder das Recht, sie auch nur zu
berühren. Auch wenn die Lade zu Boden gefallen wäre, bestünde ihre
Heiligkeit und Ehrung gerade darin, sie nicht von Unbefugten berühren zu
lassen! Darüberhinaus muß beim Heraufbringen der Lade mit den
Gesetzestafeln an ihren endgültigen Standort in Jerusalem die Strenge der
Bestimmungen besonders betont werden. Das Volk muß zu intensiverer
Auseinandersetzung mit den Dingen erzogen werden. Die natürliche
Spontaneität des jüdischen Menschen sollte vorrangig auf Bewahrung der
Tora gerichtet sein und die Beachtung ihrer Anweisungen, selbst wenn dies
zur Mißachtung des Buches oder des Schrankes führen könnte. Denn weder
das Buch noch der Schrank sind Zweck der Sache, vielmehr ist die Tora ein
verpflichtendes Gesetzeswerk, dessen Existenz gerade von ihrer Heiligung
und ihrer Beachtung abhängt. "Durch die mir Nahestehenden will ich
geheiligt werden, und vor dem ganzen Volke will ich verherrlicht werden"
(Lev. 10,3).
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch in Russisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
 

Ankündigung:
Im Monat Ijar (in etwa 2 Wochen) beginnt in MACHON MEIR der nächste
Hebräisch-Kursus ("Ulpan") für Neueinwanderer und zeitweilige Einwohner/Touristen, mit
toraorientiertem Hintergrund und unter Aufsicht des israelischen Erziehungsministeriums.
Interessenten werden gebeten, sich mit dem Büro von MACHON MEIR in
Verbindung zu setzen - Anschrift:
Sderot Hame'iri 2,
IL - 91032 Jerusalem, ISRAEL
Tel.(+972 2) 6511906 / Fax 6514820

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 18.25/19.41
Tel Aviv: 18.43/19.43
Haifa: 18.36/19.43

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