MACHON MEIR
                       DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHLACH LECHA
Nr. 202
21. Sivan 5759  (außerhalb Israels Beha'alotecha)
 

NEU AUF DEUTSCH:
DIE TOLERANZ
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
 

NEU AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen, zum Zuhören
online (z.Zt. am besten mit Internet Explorer)
 

Diese Woche in der Tora (Num. 13,1-15,41):
12 Fürsten kundschaften das Land Kana'an aus; 10 bringen
positiven, aber entmutigenden Bericht, 2 optimistisch und
verweisen auf göttlichen Beistand; Volk hört auf
Mehrheitsbericht, göttliche Strafe: 40 Jahre Wüste, bis
Ungläubige ausgestorben sind; jetzt wollen sie doch, aber G~tt
läßt sie nicht mehr; weitere Opfergesetze; Strafe für
G~tteslästerung; der Holzsammler am Schabbat; Zizit.
 
 
Frage und Antwort

Weib und Wein

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt


 

Frage: An der Sünde der Kundschafter waren die Frauen nicht
beteiligt, und überhaupt heißt es ja, daß der Auszug aus
Ägypten nur wegen der Rechtschaffenheit der Frauen möglich
war, und ebenso die zukünftige Erlösung! Die Frauen haben
demnach großes Eigenverdienst, warum also wird ihr Status
geringer als der des Mannes eingestuft?

Antwort: Die talmudischen Weisen erzählen die folgende
Geschichte: "Einst war Ula bei Rav Nachman [dem Vorsteher
der größten Jeschiwa im babylonischen Nehardea] eingekehrt,
und nachdem er gespeist hatte, sprach er den Tischsegen und
gab Rav Nachman den Becher des Segens. Da sprach Rav
Nachman zu ihm: Möge doch der Meister den Becher des
Segens Jalta [der Frau von R. Nachman] schicken. Dieser
erwiderte: [Das ist nicht nötig, denn] so sprach Rabbi
Jochanan: Die Leibesfrucht der Frau wird nur durch die
Leibesfrucht des Mannes gesegnet", darum wird durch den
Segen des Mannes automatisch die Frau mitgesegnet. "Als
Jalta dies unterdessen hörte, stand sie wütend auf, ging in die
Weinkammer und zerschlug 400 Fässer Wein. Hierauf sprach
Rav Nachman zu Ula: Möge der Meister ihr doch einen
anderen Becher schicken. Da ließ er ihr sagen: Dies alles [der
ganze Wein im Faß] gehört zum Becher des Segens", darum
braucht sie nicht ausgerechnet vom Becher des Tischsegens
zu trinken, sondern kann direkt vom Faß trinken. "Da erwiderte
ihm Jalta: Von Herumtreibern kommt Geschwätz, von Lumpen
Ungeziefer" (Brachot 51b). Unser großer Lehrer, Rabbiner
Awraham Jizchak Kuk, interpretierte in seinem Werke "Ejn A'ja"
diese Geschichte dahingehend, daß die Frau Segen über ihr
Haus bringt, wenn sie sich ihrem Ehemann anschließt. Jalta
hingegen war eine wichtige und weise Frau, die Tochter des
"Rosch Gola", dem Oberhaupt der babylonischen Judenheit,
vergleichbar mit einer Prinzessin. Trotzdem vertrat Ula die
Ansicht, auch eine hervorragende Frau müsse den Einfluß
ihres Mannes annehmen, und sie erhält ihren Segen nur aus
der Quelle des Mannes. "Welches ist die gute Frau? Die den
Willen ihres Mannes tut" (Tanna deBej Elijahu §9).

Doch Jalta, schon vom Vaterhause aus höchstangesehener
Familie, teilte diese Auffassung keineswegs, sondern meinte,
daß die Frau ihre eigenständigen Wege gehen kann und nicht
nur eine Art Fortsetzung ihres Mannes zu sein braucht. Darum
hätte Ula ihr den Becher des Tischsegens senden müssen, um
damit nämlich seine Anerkennung ihres großen Anteiles am
Aufbau des Haushaltes und des täglichen Lebens
auszudrücken. Darum zerbrach Jalta in ihrem gerechten Zorn
400 Fässer Wein, um damit ihrem Standpunkt den
größtmöglichen Nachdruck zu verleihen, daß eine vorzügliche
Frau nicht hinter ihrem Mann zurücksteht, sondern einen
selbständigen Platz in der Führung von Haushalt und Leben
einnimmt. Natürlich gibt es auch den Fall, daß die Frau der
Welt ihren Segen gerade in Ankoppelung an ihren Mann bringt,
doch gleichen nicht ein Mann dem anderen und nicht eine Frau
der anderen. Daher darf die Möglichkeit der Führung durch
eine hervorragende Frau in eigener Regie nicht von vornherein
ausgeschlossen werden.

Ula akzeptierte dies nicht. Nach seiner Ansicht kann selbst die
begabteste Frau keine selbständige Einheit bilden und ist auf
das Zusammenwirken mit ihrem Ehemann angewiesen; darum
weigerte er sich, ihr einen eigenen Becher zu übersenden.

So rügte Jalta ihn schwer: "Von Herumtreibern kommt
Geschwätz" - du hast kein geregeltes Familienleben sondern
lebst wie jemand, der von Ort zu Ort wandert, um Tora zu
lernen und zu lehren, darum verstehst du davon nichts, und wie
kommst du dazu, deine Meinung zu diesem Thema zu
äußern?! Gerade die Frau ist zur Leitung des Familienlebens
am besten geeignet, jeden Schmutz und Schandfleck von ihm
fernzuhalten, es auf ein sicheres Fundament zu stellen, in
Reinheit und Heiligkeit. Sie ist das Fundament des Haushalts
und sein Haupt, und sie überwacht die Erziehung.

"..von Lumpen Ungeziefer" - herumwandernde Leute achten
nicht immer auf Schönheit und Ästhetik. Natürlich ist der Sinn
für Schönheit nicht das Wichtigste im Leben, doch eine
Vernachlässigung der Reinlichkeit kann Schande, Ekel und
Verwahrlosung zur Folge haben. Die Frau, Hüterin der
häuslichen Ordnung, der Schönheit und der Sauberkeit, "sie
bewacht die Ordnung ihres Hauses" (Sprüche 31,27; aus dem
Abschnitt "Eschet Chajil", der am Freitagabend vor dem
Schabbatmahl gesungen wird), verströmt so eine angenehme
Atmosphäre, die das Sprossen eines Hauses der Weisheit,
Ethik und G~ttesfurcht ermöglicht.

Sowohl bezüglich der praktischen als auch der spirituellen
Haushaltsführung gilt eine hervorragende Frau keineswegs
Anhängsel ihres Mannes, sondern führt aufgrund ihrer
eigenständigen Persönlichkeit.

Abschließend sagte Rabbiner Kuk: "Und weil es auch diesen
Aspekt in bestimmt bezeichneter Weise gibt, wurde zu diesem
Ziel dies ganze Schauspiel niedergeschrieben in göttlicher
Schrift auf den Tafeln des heiligen Talmuds".
 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen
können Sie jede Woche auf hebräisch im Internet-Radio hören;
eine Programmvorschau (auch für englischsprachige Sendungen
und Nachrichten aus Israel) erhalten Sie unter:   http://www.a7.org
 
Kinder, Kinder...

Wie interessiert man die Schüler für den Religionsunterricht (1)

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

Frage: Sollte man sich beim Erstellen des Lehrplanes für den
Religionsunterricht auf aktuelle Themen konzentrieren und
leicht faßbare und die Schüler anziehende Artikel wählen,
vielleicht sogar leichtgewichtige und "pikante" Themen
bevorzugen, um in den Schülern ein Interesse für das Studium
der spirituellen Dinge zu wecken? Dieser Vorschlag betrifft
besonders den Talmud-Lehrplan und fußt auf der Hoffnung, die
Beziehung der Schüler zur Gemara auf diese Weise positiv zu
beeinflussen.

Antwort: Für uns gilt der Grundsatz: "Grundsätzlich lerne der
Mensch Tora am Ort, zu dem sein Herz Lust hat, denn es
heißt: 'sondern an der Lehre des Herrn seine Lust hat' (Psalm
1,2)" (Awoda Sara 19a). Mit "Ort" ist nicht unbedingt eine
geographische Bestimmung gemeint (wie z.B. Lehrhaus,
Jeschiwa oder Seminar), sondern ein geistiges "Gebiet", eine
Lehrmethode oder bestimmte Inhalte. Eine wesentliche
Voraussetzung für die Verinnerlichung des Lehrstoffes ist der
harmonische Einklang von Seele und Lehrstil. Ohne diese
Harmonie gibt es weder Freude noch Aufnahmebereitschaft.

In Bezug auf das Torastudium erklären die talmudischen
Weisen, daß nicht nur das geschaffte Pensum - in Weite und
Tiefe - maßgeblich ist, weil G~tt auch die "Zuwendung des
Herzens" verlangt und nicht nur die Anstrengung des Gehirns.
D.h., der Erfolg des Torastudiums mißt sich auch nach der
persönlichen Identifikation mit den erlernten spirituellen
Inhalten. Und wie gelangt der Mensch zur "Identifikation des
Herzens"? Wahrscheinlich sind die Chancen dafür höher, wenn
er sich mit der Tora "am Ort beschäftigt, zu dem sein Herz Lust
hat".

Nach diesem Prinzip wollen einige Pädagogen die seelische
Aufnahmebereitschaft der Jugendlichen zu religiösen Themen
dadurch sicherstellen, indem man ihnen ein ansprechendes
und befriedigendes Lehrmenü mit einem guten Schuß
spannender Aktualität, pikanten und leichtverdaulichen
Themen bietet. Hauptsache, die Schüler haben Spaß am
Lernen und werden nicht abgeschreckt.

Doch unser Lehrer Rabbiner A.J.Kuk distanzierte sich in
seinem Buch "Ejn A'ja" (zum Traktat Schabbat, S.120) von
dieser Lehrmethode, die den Schwerpunkt der religiösen
Studien auf das Lustgefühl legt. "Einen großen Fehler begehen
Jene, die alle Stufen des Unterrichts der jungen Schüler im Stil
von Amüsement durchführen. Obwohl der Zustand der
Freudigkeit ein sehr schöner, angenehmer und wohlgefälliger
ist, sollten aber die Befriedigung und das Vergnügen an den
Worten der Tora und der Weisheit nicht krampfhaft auf diesen
Genuß fixiert sein". Der Unterricht in Gemara darf nicht in
einen Amüsierbetrieb ausarten! Man darf das Gefühl der
Befriedigung beim Erlernen des Talmuds nicht zum Prinzip
erheben, und darum sollte man beim Zumessen eines Anteiles
von Genuß im Lehrplan nicht übertreiben.

Allerdings kommen die Worte Rabbiner Kuks etwas
überraschend. Auf den ersten Blick stimmen sie nicht mit der
allgemeinen Erziehungsmethode überein, die auf die
Verwirklichung des Prinzips "Grundsätzlich lerne der Mensch
Tora am Ort, zu dem sein Herz Lust hat" großen Wert legt.
Rabbiner Kuk distanziert sich von einem Einheitsstil der Art
und Weise, wie Tora gelehrt wird, und ruft vielmehr dazu auf,
die Lehrinhalte auf die seelischen Neigungen der Schüler
abzustimmen. Er betont, daß die Tora einem göttlich
gesegnetem Felde gleicht, voll guter Dinge, wie Halacha und
Aggada, Überblick verschaffendes und örtlich vertiefendes
Studium, Tanach und Emuna, Spitzfindigkeiten und praktische
Gesetzgebung - und jeder ist dazu aufgerufen, das Gebiet zu
entdecken, zu dem sein Herz Lust hat. Rabbiner Kuk
veröffentliche einen ganzen Artikel ("Ikwe HaZon", S.117) nur
über die Wichtigkeit von "Genuß und Freudigkeit" beim Dienst
an G~tt und beim Torastudium. Kann man denn nicht davon auf
die Zentralität der "Freude am Lernen" beim Festlegen eines
Lehrplanes für jugendliche Schüler schließen?

Diese Verwunderung löst Rabbiner Kuk selber im Verlauf
seines Artikels in "Ejn A'ja" auf. Er erklärt, daß die durch "Tora-
Abenteuer" künstlich erzeugte Freude am Torastudium der
gesunden pädagogischen Entwicklung der jugendlichen
Schüler schade. - Darüber mehr beim nächsten Mal.
 

MACHON MEIR
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Anfängerkurse auch in Russisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
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-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
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