MACHON MEIR
                       DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT RE'E
Nr. 211
25. Aw 5759
 

AUF DEUTSCH:
DIE TOLERANZ
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
NEU Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
 

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 7,12-11,25):
Die Segnungen des Gehorsams, Heranziehung der Geschichte
als Motivation zur Erfüllung der fundamentalen Pflicht, G~tt zu
lieben und seine Gesetze zu halten, persönliches Erleben der
Wunder zu Gunsten Israels sollen zu Liebe und Gehorsam
führen, Belohnung und Strafe im Judentum (Mittelteil des
Schma-Gebetes).
 
Der Stand der Dinge...

Jedes Gerät...

Rav Dov Begon
Leiter von
MACHON MEIR

"Jedes Gerät, gegen dich geschmiedet, richtet nichts aus, und
jede Zunge, die gegen dich auftritt vor Gericht, sprichst du
schuldig" (Jeschajahu 54,17; aus der Haftara). Seit tausenden
von Jahren und von Generation zu Generation hören die
Versuche von innen wie von außen nicht auf, dem Volk Israel
fremde Kulturen aufzuzwängen. In unserer Generation sind wir
vor allem der westlichen Kultur ausgesetzt, deren Einfluß sich
in weiten Teilen der israelischen Öffentlichkeit unübersehbar
bemerkbar macht.

Und trotz alledem - keine der fremden Kulturen und keine der
fremden Sprachen ["Zungen" auf Hebräisch], die unsere
Sprache zu ersetzen strebten, die heilige hebräische Sprache,
werden ihr Ziel auf lange Sicht erreichen; vielmehr sehen wir,
wie das Hebräische zu neuem Leben erstand, nachdem es
über 2000 Jahre nur Wenigen geläufig war, und ebenso ersteht
vor unseren Augen eine große, neue Bewegung der Rückkehr
zu den traditionellen jüdischen Quellen und der heiligen Tora,
in Bewahrheitung des Prophetenwortes, daß "jedes Gerät,
gegen dich geschmiedet", d.h. die nichtjüdische Kultur, "nichts
ausrichtet".

Nach dem Stand der Dinge erleben wir heute den vollen
Schwung des Rückkehr-Prozesses der Juden ins Land Israel
und die Erfüllung der Worte des Propheten Jecheskel: "und ich
werde auf euch reines Wasser sprengen... und ich gebe euch
ein neues Herz und einen neuen Geist.." (36, 25-26). Die
Bewegung der Rückkehr zum Judentum wächst in allen
Schichten der Gesellschaft und kennzeichnet nur den Beginn
eines Prozesses, wo es "keinen Hunger nach Brot und keinen
Durst nach Wasser, sondern zu hören die Worte des Ewigen"
(Amos 8,11) geben wird.

Dieser Rückkehrprozeß erfolgt in verschiedenen Stufen. Es
gibt zum Beispiel die individuelle Form der Umkehr, die
"Umkehr aus Ehrfurcht", wobei der Mensch auf die Vorteile des
Judentums für sich, seine Familie und die Zukunft seiner
Kinder spekuliert: "Siehe, ich lege vor euch heute Segen und
Fluch: den Segen, so ihr gehorchet den Geboten des Ewigen
eures G~ttes, die ich euch heute gebiete" (Dt. 11,26-27). Diese
Leute erkennen zwar die Wohltaten von Religion und Tora für
sich und ihre Familien, doch gibt es darüber noch eine höhere
Stufe, die "Rückkehr aus Liebe". Hierbei kehrt der Mensch
nicht nur wegen kalkulierter Vorteile zum Judentum zurück,
sondern aus der Erkenntnis der Wahrheit, daß es einen Herrn
gibt, der über alles herrscht, und daß dieser G~tt, der Herr der
Welt, der Herr Israels ist und wir zum Befolgen seiner Gebote,
in seinen Wegen zu wandeln und ihm anzuhängen verpflichtet
sind.

Durch diese "Umkehr aus Liebe" erreichen wir die große
Umkehr, auf die wir alle hoffen und an deren Kommen wir
glauben - der Offenbarung und der Mehrung des wahren Guten
und der wahren Freude in der Welt, und wir sehen werden, wie
"gütig der Ewige gegen alle ist und sein Erbarmen über all
seine Werke" (Psalm 145,9), und dann werden wir erleben, wie
"ein Volk, das dich nicht kannte, zu dir eilet, um des Ewigen,
deines G~ttes willen, und wegen des Heiligen Israels; denn er
hat dich verherrlicht" (Jeschajahu 55,5).
 
Am Schabbes-Tisch...

Ein Leben in Glauben

Rav Jakov Halevi Filber

Unser Wochenabschnitt beginnt mit G~ttes Spruch an das
jüdische Volk: "Siehe, ich lege vor euch heute Segen und
Fluch" (Dt. 11,26). Die genaue Formulierung dieser Aussage
provoziert einige Fragen: 1. Der Satz fängt in der Einzahl
("Siehe") an und geht in der Mehrzahl ("euch") weiter; 2.
Warum wird das separate Wort "anochi" (ich) verwendet, wo
ein entsprechendes Anhängsel an das Tätigkeitswort
ausgereicht hätte, und warum redet er in der Gegenwart - mit
dem Wort "natati" (ich gab) ist doch alles gesagt? Wozu "vor
euch" ("lifnejchem") - "[gab] euch" ("lachem") wäre doch genug
gewesen? Und was nützt uns die Information "heute"? Ein
kürzerer Vers hätte die gleiche Aussage erbracht, oder etwa
nicht?

Doch jedes Wort in der Tora, sagte Rabbiner Elijahu aus Wilna
("der Wilna'er Gaon"), hat seine genau definierte Bedeutung
und trägt eine spezifische Mitteilung zum Nutzen des
Menschen.

Eine der Ursachen, die den Menschen am Gehen des rechten
Weges hindern, ist seine Rücksichtnahme auf die "öffentliche
Meinung" und "gesellschaftliche Normen", weswegen er viele
gute Taten unterläßt, um sich nicht von seiner Umgebung zu
unterscheiden. An ihn wendet sich die Schrift in der Einzahl:
"Siehe", auch wenn du als Einziger den rechten Weg
beschreitest, so sind die Worte der Tora eben nur an dich
gerichtet, beachte nicht das Verhalten der Anderen. Hat sich
dieser Mensch mit seiner Isolation abgefunden, doch fragt er
sich nun, wie er denn alleine mit den Verführungskünsten der
Triebe fertigwerden soll, die ihn pausenlos verleiten wollen, so
heißt es im Vers "ich" - der Mensch ist in diesem Kampf
niemals allein, denn: "mit ihm bin ich (anochi) in der Not"
(Psalm 91,15), und wie die talmudischen Weisen sagten: "Der
böse Trieb des Menschen übermächtigt sich seiner tagtäglich,
...und wenn der Heilige, gepriesen sei er, ihm nicht beistehen
würde, könnte er sich seiner nicht erwehren" (Sukka 52b).

Nun könnte man glauben, daß man wohl am Anfang des
Weges noch über die freie Entscheidung verfüge, dann aber ist
es vorbei, die Chance kommt nicht wieder, und man muß den
einmal eingeschlagenen Weg zuendegehen, auch wenn er in
die Irre führt. Darum sagt uns der Vers in der Gegenwartsform
"lege", was ausdrücken will, daß die Übergabe nicht nur einmal
in der Vergangenheit erfolgte, sondern der Mensch zu jeder
Zeit, in jeder Sekunde eine neue "Vorlage" zur Entscheidung
erhält, bis an sein Lebensende. Doch auch nachdem der
Mensch schon weiß, daß er seinen Weg jederzeit ändern und
ein neues Leben beginnen kann, wird er sich doch trotzdem
Sorgen wegen seiner Vergangenheit machen - was wird aus all
den Sünden, Fehltritten und Gaunereien, die sich bis heute auf
seinem Kerbholz angesammelt haben? Darauf antwortet die
Tora "heute" - wer sein Leben wirklich und ernsthaft
umkrempelt, beginnt wie ein heute Neugeborenes mit einem
blanken, unbeschriebenem Blatt.

Und nun zum letzten Punkt: warum steht "vor euch" und nicht
einfach "euch"? Dies soll andeuten, daß die freie Wahl dem
Menschen nicht aufgenötigt wird und er niemandem einen
Gefallen tut, wenn er sich für den rechten Weg entscheidet;
vielmehr liegt die Freiheit der Wahl vor ihm, zu seinem eigenen
Nutzen. "Man leitet den Menschen auf den Weg, auf dem er zu
wandeln wünscht" (Makkot 10b).

Aus den Worten der Schrift und den Erklärungen des Wilna'er
Gaon entnehmen wir einige Grundsätze über die Aufgabe und
das Verhalten des Menschen. Das erste Prinzip besagt, daß
der Erfolg des Menschen im wesentlichen von ihm selber
abhängt und die Entscheidung für Gut oder Böse allein aus
seiner persönlichen Initiative resultiert. Zweitens erhält er in
jeder Situation eine neue Chance, und auch wenn er einmal
versagte, ist die Lage noch zu retten, denn er kann umkehren
und es nocheinmal versuchen. Desweiteren darf man nicht vor
der Masse zurückschrecken, die sich negativ verhält, und auch
wenn man sich mit seinem Glauben allein auf weiter Flur sieht,
lasse man seinen Geist nicht sinken und verberge nicht seine
innere Wahrheit vor dem Druck gesellschaftlicher Normen. In
diesem Fall sollte man sich die Gestalt unseres Vorvaters
Awraham vor das geistige Auge rufen, vor dem die ganze Welt
auf der einen Seite stand und er sich auf die andere stellte. In
Wirklichkeit befindet sich der gläubige Mensch niemals allein in
seiner Welt, denn die himmlische Hand ist ihm immer
entgegengestreckt, und an ihm werden sich die Worte unserer
Weisen bewahrheiten: "Wer sich reinigen will, dem verhilft man
dazu" (Joma 38b).
 
Frage und Antwort

Unser Land

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wäre es nicht eine gute Idee, für Frieden auf Teile
unseres Landes zu verzichten?

Antwort: Das Land Israel ist unser Land! Es ist uns streng
verboten, auf auch nur einen Quadratmillimeter davon zu
verzichten. Wo gibt es denn sowas, daß ein Volk auf sein Land
verzichtet?! Im Gegenteil, man muß sich dafür noch aufopfern!

Manchmal werde ich von Fernsehjournalisten aus dem Ausland
interviewt, wobei ich immer befürchte, daß sie meine Worte aus
dem Zusammenhang reißen oder verdrehen. Darum bevorzuge
ich knappe Antworten. Wenn mich z.B. ein Franzose fragt, ob
ich bereit wäre, für Frieden auf Teile des Landes zu verzichten,
so antworte ich ihm: So wie Sie auf den Elsaß. (Das ist ein
Streifen Land, den die Deutschen den Franzosen abnehmen
wollten, worum schon mehrere Kriege geführt wurden). Wenn
mich ein Belgier fragt, dann antworte ich: So wie die Wallonen
(ein Teil des belgischen Volkes, der schon lange nach
Unabhängigkeit strebt). Fast jeder Staat hat seine Minderheit,
die sich selbständig machen will, oder Nachbarländer, die noch
alte territoriale Ansprüche zu begleichen haben. Von
freiwilligen Abtretungen ist uns allerdings in diesem
Zusammenhang nichts bekannt!

Vielleicht möge jemand sagen: Das stimmt schon im Prinzip,
man muß aber Realist bleiben. Wir stehen unter großem Druck
von allen Seiten, darum müssen wir zu Verzichten bereit sein.

Im Gegenteil - Ihr behauptet, wegen des Druckes haben wir
keine andere Wahl, als auf unsere Ideale, die Wahrheit und
unsere Glaubwürdigkeit zu verzichten, dabei verhält es sich
doch genau umgekehrt! Gerade wegen unserer Bereitschaft,
auf Ideale und Wahrheit zu verzichten, gibt es den Druck! So
ist das in der Welt, wenn einer merkt, daß man von seiner
Sache gar nicht überzeugt ist, wird dort sogleich der Hebel
angesetzt.

Was die Menschheit voranbringt, sind die Gedanken und die
Ideale. Nicht die Geschichte produziert die Ideale, wie der
historische Materialismus behauptet, sondern die Ideen
machen Geschichte. Natürlich nicht immer gleich und sofort.
Die aktuelle Historie resultiert aus den Aktivitäten der Politiker.
Doch die Ideen und Überzeugungen dringen in das allgemeine
Bewußtsein ein, und am Ende beeinflussen sie unsere Nation
und auch die Völker der Welt.

Einer unserer hochrangigen Politiker sagte einmal, er habe
jahrelang als israelischer Botschafter in den USA gedient und
es sei ihm nie gelungen, die Amerikaner davon zu überzeugen,
daß ganz Israel uns zusteht. Darauf fragte ihn der Interviewer,
ob er denn selber davon überzeugt sei - was er verneinte. Ist
es denn dann ein Wunder, wenn er andere nicht überzeugen
kann?!

Je mehr wir uns bewußt sein werden, daß dieses Land uns
gehört, daß es uns gemäß der Bibel (Tanach) zusteht, daß dies
das Land ist, das uns G~tt gegeben hat, in dem wir unsere
Geschichte begannen, nur daß wir aus ihm vertrieben wurden
und jetzt zurückkehren, und dieses Land uns nach der Tora
ethisch, zu recht und historisch zusteht - dann werden auch die
Völker ringsherum dies begreifen und von dem Druck auf uns
ablassen.

Wo es Glauben gibt, gibt es auch spirituelle Stärke,
ideologische Stärke, und dadurch auch politische Stärke. Das
Land Israel gehört uns auf immer und ewig. Nur weil Räuber
kamen und in unserer Abwesenheit Häuser bauten, gehört das
Land schon ihnen?! Wo gibt's denn sowas?!

Auf individueller Ebene wollen wir niemandem einen Nachteil
verursachen. Ein Nichtjude darf im Lande verbleiben unter der
Bedingung, daß er sich nicht damit beschäftigt, wie er uns am
besten umbringt und unseren Staat zerstört.

Die politische Souveränität in diesem Lande steht allerdings
uns, nur uns, zu, "solange, wie der Himmel über der Erde steht"
(Dt. 11,21), bis in alle Ewigkeit.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel

Finanzier gesucht:
Zur Herausgabe ausgewählter Kommentare zur Parscha und
anderen jüdischen Themen von Rabbiner Schlomo Aviner in
Buchform auf deutsch werden Spender gesucht, die z.B. das
Andenken von Angehörigen auf diese Weise ehren wollen.
(Kosten für Hardcover /Taschenbuchformat ca. DM 5000,-
/Auflage v.1000 St.). Interessenten werden gebeten, sich mit
der deutschen Redaktion (s.o.) in Verbindung zu setzen.

Bereits erschienen (Auswahl):

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Jerusalem: 18.55/20.12
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