MACHON MEIR
                       DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT PINCHAS
Nr. 206
19. Tammus 5759
 

NEU AUF DEUTSCH:
DIE TOLERANZ
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
 

NEU AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen, zum Zuhören
online (z.Zt. am besten mit Internet Explorer)
 
 

Diese Woche in der Tora (Num. 25,10-30,1):
G~ttes Friedensbund mit Pinchas, dem Priester; Musterung der
Kinder Israels vor Jericho; Auslosung der Anteile am Lande
Israel; auch Töchter erben Land; Jehoschua zum Nachfolger
Moschehs erwählt; Opfergesetze für Wochentage, Schabbat,
Neumond und Feiertage.

Diese Woche im Kalender: 17.Tammus, Fasttag
 
 
Der Stand der Dinge...

Fall und Aufstieg Jerusalems

Rav Dov Begon
Leiter von
MACHON MEIR

In den "bejn hamezarim" genannten drei Wochen zwischen
dem Fasttag des 17. Tammus und dem 9. Aw (Tischa BeAw)
unterscheiden wir drei Stufen der Zerstörung Jerusalems. Am
10. Tewet begann die Belagerung, am 17. Tammus wurde eine
Bresche in die Stadtmauer geschlagen und am 9. Aw die Stadt
zerstört und der Tempel verbrannt, möge er bald in unseren
Tagen wiederaufgebaut werden. Jede dieser Stufen der
Zerstörung überbringt uns nicht nur eine historische Tatsache,
sondern will uns auch eine tiefere Bedeutung vermitteln.

Die Belagerung Jerusalems und der Versuch, die Stadt vom
Umland und von der Welt zu isolieren, entspricht dem Versuch,
das Herz vom Körper zu trennen. Sie hatte die Schwächung
und die Einschüchterung des Volkes durch Mangel und Enge
zum Ziel.

Das Schlagen einer Bresche in die Stadtmauer war nur durch
den inzwischen in der Stadt tobenden Bruderkrieg möglich. Die
Mauer fiel als Folge der Uneinigkeit der Nation; im Gegenteil,
durch die Streitereien wurde die Sicherheit Jerusalems
vernachlässigt und die Mauern damit dem Feind preisgegeben.

Die Zerstörung Jerusalems und das Niederbrennen des
Tempels resultierten aus dem sinnlosen Haß, der wie eine
Krankheit das Herz des Volkes Israel erfaßte und es schließlich
brach.

Doch so, wie die Zerstörung Jerusalems in Stufen erfolgte, wird
Jerusalem auch stufenweise wieder erbaut. Nach dem Stand
der Dinge ist es wohl für jedermann offensichtlich, wie
Jerusalem von Tag zu Tag wächst und mit G~ttes Hilfe erbaut
wird. So wie die Zerstörung mit der Belagerung anfing, begann
der Aufbau mit der Beseitigung der Belagerung.

Als ersten Schritt entledigten wir uns des britischen
Würgegriffes, der die Juden an der Einwanderung nach
Palästina hinderte. Während des Unabhängigkeitskrieges
durchbrachen wir die Belagerung des hungernden Jerusalems.
Im Sechstagekrieg befreite sich Jerusalem von seiner dünnen
Nabelschnur und gelangte zur nunmehr ungehinderten
Entwicklung nach allen Seiten ins Freie, wurde unter unserer
Herrschaft vereinigt und befindet sich durch die Gnade G~ttes
zur Zeit in einem Prozeß beschleunigter städtebaulicher
Entwicklung in alle Richtungen.

Die Belagerung in Form des arabischen Boykotts auf
wirtschaftlichem und politischem Gebiet verliert ständig an
Bedeutung, und der Staat Israel hat sich ganz im Gegenteil zu
einem hochtechnologischen Wirtschaftspartner der westlichen
Welt mit Beziehungen zu fast allen Ländern der Erde
entwickelt.

Der nächste Schritt beim Aufbau Jerusalems besteht in der
Errichtung einer befestigten Mauer im Gegenzug zum Fall der
Mauer in der Vergangenheit. Und wie damals die Spaltung und
der Bruderkrieg den Fall der Stadt verursachten, so werden
heute die Gemeinsamkeit und die nationale Einigkeit als Mauer
den Feinden trotzen, die immer noch nach der Teilung
Jerusalems und der Herrschaft über die Stadt streben.

Wenn wir uns alle die Hände reichen, die ganze Nation, alle
Bewegungen und alle Parteien, mit dem Ziel, die Ganzheit
Jerusalems zu verteidigen, erbauen wir eine feste Mauer, die
alle Breschenschläger zurückweichen läßt.

Und je mehr wir die bedingunslose Nächstenliebe unter uns
verstärken, werden wir den sinnlosen Haß ausmerzen, der die
Tempelzerstörung verursachte, und teilhaftig werden an der
Freude des Wiederaufbaus Jerusalems als des Lichtes der
Welt, und unseres Tempels, bald in unseren Tagen, amen.
 
 
 
Frage und Antwort

Fahrt vorsichtig !

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Gibt es angesichts der vielen Opfer im Straßenverkehr
keine Gesetze in der Tora darüber?

Antwort: Einst raste ein Mann mit seinem Pferdefuhrwerk in der
Nacht wie ein Wilder, bis es sich überschlug und sein Sohn
und sein Knecht, die auf der Ladung saßen, den Tod fanden.
Der bekannte Rabbiner Akiwa Eger (lebte vor etwa 200 Jahren
in Posen) verurteilte den Mann dazu, aus dem Betrag, den er
für die Hochzeit seines Sohnes aufgewendet hätte, einen
"ewigen Fonds" zu machen und aus den Erträgen
nacheinander die Versorgung und das Torastudium von
Armenkindern bis zum Alter von 15 Jahren im Namen des
Sohnes zu finanzieren, die nach ihrer Hochzeit jeweils ihren
Erstgeborenen auf den Namen des Sohnes benennen müßten.
Ebenso habe er für den getöteten Knecht jedes Jahr eine
bestimmte Summe für die religiöse Unterweisung von
Armenkindern zu spenden, für das Lernen von Mischnajot und
für ein Minjan, das immer am Jahrzeittag an den Gräbern der
beiden Getöteten für deren Seelen und um Verzeihung für den
Mann betet. In Bezug auf die Einschränkung von persönlichen
Annehmlichkeiten als Sühne für seine Tat wies ihn Rabbiner
Eger an, unter Berücksichtigung seines vorgerückten Alters,
drei Jahre lang jeden Montag und Donnerstag tagsüber zu
fasten, sowie am Vortag des Neumonds und während der Zehn
Bußtage, und nach drei Jahren faste er an diesen Tagen
jeweils bis Mittag. Außerdem dürfe er nie mehr an einem
Hochzeitsessen teilnehmen. Und jeden Abend lege er
gebrochenen Herzens und unter Wehklagen ein
Sündenbekenntnis ab und bitte um Vergebung und Sühne
(Rabbi Akiwa Eger, Responsen II, Nr.3).

Der oben geschilderte Unfall galt noch nicht einmal als
"irrtümliche Tötung" (Totschlag), wie Rabbiner Eger nachwies.
Wie müßte erst das Urteil ausfallen, wenn es sich wirklich um
"irrtümliche Tötung", also mangelnde Vorsicht, gehandelt hätte,
wobei die Tora bereits den Begriff "Mörder" gebraucht, der in
einer der Zufluchtsstädte Unterschlupf finden muß, und wenn
er herauskommt, vom Bluträcher [wörtl.: Blut-Erlöser] getötet
werden darf! Auch ein Irrtum ist schon eine ernste Sache und
rührt von "fehlender Vorsicht" her ("Aruch Haschulchan", Orach
Chajim §602,7).

Alles Vorgenannte gilt um so stärker, wenn es sich gar um "an
Absicht grenzenden Irrtum" handelt, wobei der Bluträcher
unbeschränkte Handlungsfreiheit genießt und es für den Täter
keinen Schutz der Zufluchtsstadt gibt. Ein solcher Fall liegt zum
Beispiel vor, wenn jemand eine Mauer abreißt und die Brocken
auf öffentliches Gebiet wirft, wo viele Menschen verkehren.
Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") definierte dies
wie folgt: "Dann gibt es den, der im Irrtum tötet, und sein Irrtum
grenzt an Absicht, wie wenn eine bewußte Unrechtmäßigkeit
beteiligt war oder wenn er sich hätte vorsehen müssen und
sich nicht vorsah, und das Gesetz sieht hier keine Verbannung
[in einer Zufluchtsstadt] vor, weil seine Sünde dazu zu schwer
ist, Verbannung sühnt ihm nicht, und die Zufluchtsstädte
nehmen ihn nicht auf, denn sie nehmen nur denjenigen auf, der
ausschließlich verbannungspflichtig ist; wenn ihn der
Bluträcher demnach irgendwo antrifft und tötet, so geht er frei
aus" (Gesetze vom Mörder und Schutz des Lebens, 6.Kap.,
§4).

Die heutigen religionsgesetzlichen Autoritäten entschieden,
daß die Nichtbeachtung von Verkehrsregeln und Ampeln sowie
das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit dem Gesetz vom
"Irrtum, der an Absicht grenzt" gleiche (HaRav Jizchak Jakov
Weiss, "Minchat Jizchak" Bd.VIII,148, HaRav Ovadia Josef,
"Jechawe Da'at" Bd.V,16).

Heute gibt es keinen Bluträcher im Sinne der Tora und auch
keine Zufluchtsstädte. Daher schlug man vor, wer einen
Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang verursache, müsse als
Krimineller behandelt werden, mit Gericht, Gefängnis und
Schande bis ans Ende seiner Tage. "Wenn ein Totschläger in
eine Zufluchtsstadt in die Verbannung geht und die Leute der
Stadt ihm Ehrung erweisen wollen, so sage er zu ihnen: Ich bin
ein Totschläger" (Mischna Makkot 12b).

Ein anderer Vorschlag lautet, den Betreffenden Sozialhilfe in
einem Rehabilitierungszentrum für Unfallgeschädigte leisten zu
lassen, und wieder ein anderer Vorschlag sieht vor, jeden
frischgebackenen Führerscheinbesitzer dorthin zu einem
Pflichtbesuch zu schicken.

Rabbiner Moscheh Zwi Nerja erzählte, daß die Zahl der
Verkehrsunfälle Rabbiner A.J.Kuk sehr beunruhigte, und dieser
sich wegen der modernen Verkehrsmittel große Sorgen
machte. Er pflegte zu sagen: Wenn es heute das Sanhedrin
gäbe, würde es vielleicht Ausflugsfahrten mit dem Auto
verbieten, und überhaupt nur dringend notwendige Fahrten
erlauben. "Ein Sanhedrin, das einmal in einem Septennium
eine Hinrichtung vollzieht, heißt ein verderbenbringendes;
Rabbi Elieser ben Asarja sagt, einmal in siebzig Jahren"
(Mischna Makkot 7a). Und dies nach den genauesten
Ausforschungen und Verhören aufgrund exakter Gesetze; erst
recht also ein durch Nachlässigkeit oder Leichtsinn
verursachter Verkehrsunfall. Wie kann man die Fahrzeuge
unbeschränkt auf die Straße lassen?! Darf denn die
Öffentlichkeit die Annehmlichkeit des Fahrens und eine
Ersparnis an Fahrzeit auf Kosten von Menschenleben
erzielen?! ("Likutej Har'aja" II, S.42).

Eines muß man ganz genau wissen: Ein Verstoß gegen die
Verkehrsregeln gilt als Übertretung der Tora, genau wie das
Essen von Schweinefleisch. Schneller als erlaubtes Fahren ist
verboten wie die Entweihung des Schabbat. Das Überfahren
der durchgezogenen weißen Linie hat die gleiche Strenge wie
die Gebote der ehelichen Reinheit, wenn nicht noch darüber!

Und wer sich an alle Verkehrsregeln hält, erfüllt damit Gebote
der Tora: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19,18),
"hütet sehr eure Seelen" (Dt. 4,15) und die Heiligung des
göttlichen Namens durch vorbildliches Verhalten.

Das Auto sollte vielmehr als Schule zum Erlernen von guten
Eigenschaften dienen: Sei großzügig, laß andere überholen,
lächle den Fußgängern zu, um ihnen zu sagen, sie könnten
passieren, verbessere nicht an anderen herum, sondern an dir
selber, versuche, positive Beweggründe für die Fehler Anderer
zu finden.

Wer ist ein Held? Der seinen Wagen bezwingt! (Frei nach den
"Sprüchen der Väter" 4,1: "...der seinen Trieb bezwingt").
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch in Russisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
 

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 19.11/20.32
Tel Aviv: 19.29/20.34
Haifa: 19.23/20.35