MACHON MEIR
DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MATTOT-MASS'EH
Nr. 207
26. Tammus 5759
NEU AUF DEUTSCH:
DIE
TOLERANZ
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
NEU AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge
von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen, zum Zuhören
online (z.Zt.
am besten mit Internet Explorer)
Diese Woche in der Tora (Num. 30,2-36,13):
Selbstauferlegte Verbote, Vernichtung
der Midjaniter,
Landzuteilung an die Stämme Gad und
Re'uwen, Liste aller
Reisestationen während der Wüstenwanderung,
Gebot der
Austreibung der Ka'aniter, die 6 Levitenstädte,
Gesetz von der
Zuflucht des Totschlägers, Bodenerbrecht
für Frauen; Ende
des 4. Buches Moscheh.
| Frage
und Antwort
Was gibt es heute im Fernsehen? Rav Schlomo Aviner
|
![]() |
Frage: Das Fernsehen durchdringt alle Bereiche unseres
Lebens. Ist das gut so, muß man sich damit abfinden oder
sollte man etwas dagegen unternehmen?
Antwort: Das Fernsehen als ein Instrument von enormen
Potential hätte einen Segen für die Menschheit bedeuten
können. Tatsächlich entwickelte es sich jedoch zu einer
Katastrophe, und zwar aus zwei Gründen: 1. dürftiger Inhalt,
und 2. sein Wesen an sich, ein leider unheilbares Gebrechen
bzw. irreparables Problem. Zum Inhalt: hier begegnen wir einer
Art Sub-Kultur, Vulgarität, Seichtheit, rauhem Umgangston,
geistiger Leere, Gewalt und Pornographie.
Wegen wirtschaftlicher Interessen wird das Niveau auf den
kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergeschraubt.
Erwachsene und Kinder werden tagtäglich Programmen
ausgesetzt, die im Widerspruch zu den elementarsten Regeln
der Moral stehen. Der Bildschirm präsentiert einen funkelnden
Materialismus, der ideologische Spannungen abbaut. Der
Körper der Frau wird zum Konsumgut degradiert und ihre
Würde mit Füßen getreten. Zwischen der Gewaltkriminalität
und dem Fernsehen besteht ein direkter Zusammenhang. In
den Jahrzehnten seines Bestehens wurden die Zuschauer mit
Gewalttaten wie Mord, Überfall usw. bombardiert und ihre
Gefühlswelt dadurch abgestumpft, wie durch Versuchsreihen
mit dem Physiograf, der wie ein Lügendetektor arbeitet,
nachgewiesen wurde. Die Menschen reagieren schon nicht
mehr auf Schandtaten. Die Kämpfe im Kolosseum waren ein
Kinderspiel gegen das, was das Fernsehen heute auf seine
Zuschauer losläßt.
Die elektronischen Medien verkörpern ein alternatives
Erziehungssystem, das Wertvorstellungen und Stereotypen
bestimmt und festlegt, was als gesellschaftlich akzeptabel und
förderlich gilt. Sie zeichnen eine gewalttätige, gefährliche
und
entfremdende Welt. Kinder werden zu früh den Problemen der
Erwachsenen ausgesetzt, bevor ihr Gefühlsleben ausgereift ist.
Sie kennen sich schon in allen Perversionen aus.
Das Fernsehen gewöhnt die Menschen an Mord und Totschlag,
und besonders an die "Täter mit weißem Kragen", was ohne
jegliche Gewissensbisse ausgestrahlt wird. Über welches
moralische Rückgrat verfügt eine Jugend, die in dieser Sub-
Kultur aufwächst und ihr den Großteil seiner Freizeit, im
Durchschnitt etwa 130 Minuten pro Tag, widmet? Zum
Zeitpunkt seiner Einschulung hat ein Kind, das schon mit
anderthalb Jahren vor dem Kabelfernsehen saß, 15000
Stunden Zuschauen auf dem Konto!
Dies alles im Hinblick auf die Inhalte, die sich rein theoretisch
verbessern ließen, auch wenn dieser Kampf mit unzähligen
Widrigkeiten verbunden wäre. Das wesentliche Problem liegt
jedoch im Bereich der Kreativität. Das Fernsehen gewöhnt
den
Menschen an die Passivität, an geistige Trägheit. Die linke
Gehirnhälfte, die bei den Kindern für die Entwicklung von
Sprache und Sprechen und das analytische Denken zuständig
ist, verkümmert durch die frontale und wortlose Aufnahme, die
nach keinerlei eigener Anstrengung verlangt. Der Mensch
verblödet. Verstand und Denken werden überflüssig. Drinnen
in der Kiste denkt man für uns und erklärt uns alles. In
kurzer
Zeit werden viele Themen oberflächlich angesprochen, so daß
man niemals zur Wahrheit vordringt. Der Betrachter glaubt
schon zu verstehen, doch in Wirklichkeit macht man ihm nur
etwas vor, um in ihm den Irrglauben zu erzeugen, er herrsche
schon über die Materie.
Es entsteht ein verzerrtes Weltbild: es existiert nur das, was
die Kamera einfängt. Unsere Persönlichkeit wird entstellt.
Das Fernsehen ersetzt unsere Augen. Es bestimmt, ob wir
einen Brand als ein großartiges oder ein besorgniserregendes
Schauspiel betrachten. Es stiehlt uns einen Teil unserer
Persönlichkeit und schläfert ihn ein. Der heutige
Normalverbraucher vertritt eine der im Fernsehen vermittelten
Meinungen, d.h. oberflächliche Meinungen - denn eine Idee
kann man nicht in Bildform ausdrücken.
Als entscheidendes Kriterium gilt der Genuß. "Wir wünschen
Ihnen gute Unterhaltung". Kein abstraktes Denken, keine
objektive Analyse und keine Schlußfolgerungen. Nur sofortige,
konkrete Befriedigung.
Ein Politiker wird nach seinem Auftreten und nicht anhand
seiner Aussagen beurteilt. Präsentation und Propaganda
gelten mehr als Taten, das Image mehr als die Wirklichkeit. Die
wahren Helden sind die Filmstars, und wer in der Politik etwas
gelten will, muß sich auch so geben.
Es wird eine Phantasiewelt vorgegaukelt. Man zeigt ein
abgerissenes arabisches Haus und dessen Bewohner davor.
Man zeigt aber nicht die langwierigen Recherchen, die zu der
Entscheidung führten, denn diese erzeugen keinen plötzlichen,
leichten, provokativen und politisch nutzbaren Eindruck.
Das Fernsehen lebt im Hier und Jetzt. - Das Judentum umfaßt
auch die Vergangenheit und die Zukunft. Eine lange
Vergangenheit und eine unsichtbare Zukunft - und ganz und
gar nicht visuell, nicht leicht faßbar, nicht medienfreundlich
und
nicht gewinnversprechend. - Die Wirklichkeit wird in
leichtverdauliche und eindrucksvolle Happen aufgeteilt, und
nach jedem hat man den vorangegangenen schon vergessen.
Alma deperuda, eine zusammenhanglose Welt.
Emuna hat eine tiefe Bedeutung, abstrakt und nicht mit den
Sinnen zu fassen, man sieht kein Bild.
Das Fernsehen erzeugt ein illusorisches Weltbild, ein
Theaterspiel von Wirklichkeit. Es ist Zeuge, Richter und
Henker in einem. Es trägt keine moralische Verantwortung für
die Allgemeinheit. Es ist nur sich selbst verpflichtet, und in sich
selbst verliebt.
In ein Buch kann man sich vertiefen und in Ruhe überlegen.
Beim Fernsehen entscheidet die schnelle Ausbeutung eines
Themas über alles.
Jede Gesellschaft hat ihre Helden. Im Buch kann ein Held auch
ein Wissenschaftler sein, ein gelehrter Mensch und ein kluger
Kopf, dessen Hochschätzung auf seinen Gedanken und seinen
Ideen beruht und nicht nur auf seinen Taten, seinen Siegen
und seinen Abenteuern. Ein wahrer Held hat auch spirituelle
Aspekte. Der elektronische Held ist eine Art
Unterhaltungskünstler leichten Wesens, ein trivialer Mensch,
über dessen tägliches Leben man alles weiß, der weder
Respekt noch Ehrfurcht erweckt und dessen Bewunderer ihre
Gunst mal diesem und mal jenem schenken.
Wegen der schnellen Verbreitung der Informationen und ihrer
schnellen Aufeinanderfolge bleibt keine Zeit zum Nachdenken.
Es muß ständig etwas Neues geben, und es muß so schnell
wie möglich auf den Bildschirm kommen. Ein echter Held wird
nur noch nach seinem Unterhaltungswert beurteilt. Das Niveau
der Themen sackt ab. Erziehung, Religion und Politik werden
eher der leichten Muse zugerechnet. Geschichte gehört schon
gar nicht mehr in den Bereich des Lesens, sondern nur noch
des Sehens.
Was kann man angesichts dieser Situation machen? Hier ist
das diametrale Gegenteil angesagt. Es gab einmal einen
berühmten Menschen, der sein ganzes Leben lang nicht ein
einziges Mal interviewt wurde, und trotzdem erlangte er die
höchstmögliche charakterliche Stufe in der gesamten
Menschheitsgeschichte und übte den dauerhaftesten Einfluß
aus: unser Lehrer Moscheh, der sich anscheinend niemals vor
eine Kamera drängte.
Als unser großer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk fünfzehn Jahre alt
war und in einer bedeutenden Jeschiwa lernte, fragte er seinen
Vater, Rabbiner Awraham Jizchak Kuk, ob er
Ausdrucksfertigkeit, Fremdsprachen und guten Sprachstil
erlernen sollte. Dieser antwortete ihm: "Der Geist G~ttes erfüllt
die Finsternisse der Welt mit Licht, erschien über dem
Erwählten der Menschheit, der sich selbst 'unbeschnittener
Lippen, schweren Mundes und schwerer Zunge' bezichtigte"
(Briefe I, S.30).
Die Heilung liegt im Studium der Tora, in der Mehrung des
Lichtes der Tora, dann wird G~tt die Kräfte der Finsternis
vertreiben und ein Jeder seine Götzen von sich werfen,
und umkehren und leben.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige
Sendungen und Nachrichten aus Israel
| Am
Schabbes-Tisch...
Gijur des Geschirrs Rav Asri'el Ari'el |
Als Nebeneffekt des Krieges gegen die Midianiter lernen wir
die Gesetze von der Behandlung von Geschirr und Eßbesteck,
die ein Jude von einem Nichtjuden erwirbt. Auf den ersten Blick
scheinen die Dinge recht einfach, sind es allerdings ganz und
gar nicht. So heißt es in der Tora: "Alles, was ins Feuer kommt,
müßt ihr ins Feuer bringen, dann wird es rein; doch muß
es
durch Besprengungswasser entsündigt werden; und alles, was
nicht ins Feuer kommt, müßt ihr in Wasser bringen" (Num.
31,23). Nach der einfachen Bedeutung handelt es sich hier um
das Kaschern von Geschirr, so wie wir es von den
Pessachgesetzen her kennen: ein Gefäß, das auf dem Feuer
erhitzt wird, muß durch Glühendmachen gekaschert werden,
und ein Gefäß, das nur mit heißer Nahrung in Berührung
kommt, durch Eintauchen in kochendes Wasser. Doch diese
Erklärung reicht nicht: Warum heißt es "dann wird es rein"
bei
einem Gefäß, das geglüht wurde? Das Glühendmachen
dient
doch nicht der rituellen Reinheit, sondern zur restlosen
Beseitung absorbierter verbotener Speisen! Und wenn das
Gefäß schon durch das Glühen von der Totenunreinheit
befreit
wurde, warum muß man es dann noch im
"Besprengungswasser" entsündigen, d.h., es mit dem Wasser
der Asche der roten Kuh besprengen? Und wenn schon eine
zusätzliche Verrichtung zur Reinigung des Gefäßes nötig
ist,
warum nur bei den zu glühenden Gefäßen und nicht bei
den
abzukochenden? Kann denn das Kochen im Wasser reiner
machen als das Glühen im Feuer?
Diese Fragen führen uns zu der Antwort der talmudischen
Weisen am Ende des Traktates vom Götzendienst (Awoda
Sara). Der Reinigungsprozess, von dem hier die Rede ist,
bezieht sich gar nicht auf die Befreiung von Totenunreinheit.
Mit dem erwähnten "Besprengungswasser" ist in Wirklichkeit
das "Wasser, in dem Frauen nach der Regel untertauchen"
gemeint, also eine Mikwe. Daraus lernen wir die Gesetze vom
Eintauchen des Geschirrs. Wer Geschirr von einem Nichtjuden
kauft, muß es vor dem Gebrauch in einer Mikwe untertauchen.
Damit reinigt man es nicht von etwa aufgenommenen
verbotenen Speisen, denn dazu reichen Glühen bzw.
Abkochen. Der Erwerb an sich dieses Gefäßes von einem
Nichtjuden verpflichtet uns, es dem Reinheitsprozeß des
Eintauchens in einer Mikwe zu unterziehen.
Bei den Gesetzen vom Eintauchen gibt es eine interessante
Bestimmung. Wer bei einem Nichtjuden zu Gast ist oder von
ihm ein Gefäß borgt, braucht es nicht einzutauchen. Wer
aber
ein Gefäß von einem Nichtjuden kauft, darf es nicht
ohne
vorheriges Eintauchen benutzen. Das Eigentumsverhältnis
bestimmt die Pflicht des Eintauchens. Wir müssen also sagen,
daß die Gesetze von Tewilat Kelim (Eintauchen von Geschirr)
nicht zur Kaschrut gehören, sondern zu den Gesetzen von
der
Konvertierung zum Judentum (Gijur). So wie ein Konvertit in
der Mikwe untertauchen muß, um sich dem jüdischen Volk
anzuschließen (bei einer Frau, die ja nicht zur Brit Mila
pflichtig
ist, reicht das allein aus), so muß auch ein Gefäß,
das vom
Eigentum eines Nichtjuden in das Eigentum eines Juden
übergeht, zum Zwecke "des Übertritts" untertauchen. Die
Heiligkeit des Lebens eines Mitgliedes des Volkes Israel betrifft
nicht nur seinen Körper, sondern auch sein Eßgeschirr. Damit
die Gefäße ihre Aufgabe angemessen ausführen können,
nämlich der Heiligkeit des jüdischen Lebens zu dienen, müssen
sie wie zum "Gijur" eintauchen.
Finanzier
gesucht:
Zur Herausgabe ausgewählter Kommentare
zur Parscha und
anderen jüdischen Themen von Rabbiner
Schlomo Aviner in
Buchform auf deutsch werden Spender gesucht,
die z.B. das
Andenken von Angehörigen auf diese
Weise ehren wollen.
(Kosten für Hardcover /Taschenbuchformat
ca. DM 5000,-
/Auflage v.1000 St.). Interessenten werden
gebeten, sich mit
der deutschen Redaktion (s.o.) in Verbindung
zu setzen.
Bereits erschienen (Auswahl):
MACHON MEIR
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-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
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