MACHON MEIR
                       DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TAWO
Nr. 214
16. Elul 5759
 

AUF DEUTSCH:
DIE TOLERANZ
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
NEU Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
 

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8):
Erstlingsfrüchte, Land von Milch und Honig, Torasteine am
Jordan, Fluch und Segen von den Bergen Ewal und Gerisim,
ausführliche Warnung zur Einhaltung der Gebote, Lohn und
Strafe, Erinnerung an Wunder und Bund mit G~tt.
 
 
Frage und Antwort

Kontakt zu G~tt

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Auf der Suche nach spiritueller Befriedigung fragen
viele Menschen, wie man zu G~tt Kontakt aufnimmt und wie
man das Torastudium und den Dienst an G~tt genießen kann,
so wie man ein schönes Lied genießt. Warum können wir nicht
den gleichen Spaß haben wie ein nichtreligiöser Jude bei einer
lustigen Party?

Antwort: Natürlich kann man zu G~tt nicht im einfachen
Wortsinn Kontakt aufnehmen, und auch mit der Suche nach
Genuß ist man bei der Religionsausübung an der falschen
Adresse - ein Verständnis-Fehler der wirklichen Bedeutung.
von "Anhänglichkeit an G~tt".

Der Schwiegersohn von Rabbiner Awraham Jizchak Kuk
schrieb diesem einmal, daß er keinen Genuß am Torastudium
verspüre. Rabbiner Kuk antwortete ihm, daß es ihm ganz
genauso ergehe. Während des Studiums verspüre er keinen
Genuß, aber er genieße ganz außerordentlich den stetigen
Zuwachs an Weisheit, Einsicht und spiritueller Reinheit. Diese
geistige Reifung geht allerdings sehr langsam vor sich, und
darum läßt sich dieser Prozeß nur schwer spüren, der darum
auch kein besonderes Erlebnis vermittelt, entsprechend läßt
sich ihm kein sofortiges Genußerlebnis abringen. Freude kann
der Mensch aber wohl verspüren, so wie die Freude des
Vorankommens auf dem Wege, selbst wenn er lang ist, wenn
man doch weiß, daß es der gerade und wahre Weg ist.

Die Frage, warum man keinen Genuß beim Dienst an G~tt
verspürt, ähnelt der Geschichte von der Mutter, die zu ihrem
Sohn sagte: Iß mein Sohn, wer ißt, wächst und wird groß und
stark, und das Kind ißt daraufhin brav seinen Teller leer - und
stellt sich dann vor den Spiegel, um die versprochene Wirkung
zu beobachten. Nach einiger Zeit kommt er zurück zu seiner
Mutter und beklagt sich bitterlich, daß er nicht sehe, wie er
wächst.

Bei materiellen Dingen erzielt man den Genuß sofort: die
Gaumenfreude beim Essen, den Gefühlssinn, das Sehen und
das Hören.

Doch in spirituellen Dingen funktioniert das nicht so. Hier ist
von großen und erhabenen Dingen die Rede, von einem
gewaltigen Werk von Aufbau und Wachstum Stufe um Stufe in
der Anhänglichkeit an und der Näherung zu G~tt.

Doch auch in der materiellen Welt unterscheidet man zwischen
sofortiger Befriedigung und einer sich erst nach andauernden
Anstrengungen einstellenden Erfüllung. Ein Archäologe zum
Beispiel wird selten gleich zu Beginn seiner Arbeit ein Ergebnis
präsentieren können. Zuerst einmal sammelt er Stück um Stück
Tongefäße, Scherben und Steine. Erst nach langer
Sammelphase und noch längerer Begutachtung entsteht
langsam ein Bild und somit die Freude über ein handfestes
Ergebnis. Doch auch während der ganzen Vorarbeit genießt
der Archäologe seine Arbeit in dem Wissen, daß durch seine
Schaffenskraft Verborgenes aus der Vergangenheit ans
Tageslicht kommt.

Es wäre sicher ein großer Fehler, wegen fehlender
Erfolgserlebnisse auf das Torastudium zu verzichten. Mitzwot
(die Gebote) und spiritueller Dienst bringen der Seele Freude.
Diese Freude spürt man jedoch nicht bei jeder Kostprobe, im
Sinne von "Kostet und sehet, daß gütig der Ewige ist" (Psalm
34,9), so wie beim Essen, sondern wie beim Gehen auf dem
Wege, vom langen Gedeihen.

Daß man die Freude erst nach einiger Zeit spürt, bedeutet ja
nicht, daß sie nicht existiert. Die Freude des Verstandes gehört
als unabdingbarer Bestandteil zum Dienst an G~tt, wie es
heißt: "Dafür, daß du dem Ewigen, deinem G~tte nicht mit
Freude gedient hast" (Dt. 28,47). Uns macht diese Arbeit
Freude, denn wir verfeinern so unsere Seele, verfeinern die
Welt. Gefühlsmäßig läßt sich das Toralernen aber erst nach
langem Studium genießen. Das Lernen und das Gebet sind
nicht für uns da, sondern für den Schöpfer der Welt, und weil
der Dienst für ihn ist, haben wir an unseren Taten Freude - die
Freude der Gebotserfüllung.

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 
Am Schabbes-Tisch

Rechenschaftsbericht

Rav Jakov Ari'el

Es ist wohl allgemein üblich, daß der Direktor einer
Gesellschaft in regelmäßigen Abständen den Aktionären einen
Rechenschaftsbericht vorlegt. So muß auch jede Bank eine
Jahresbilanz veröffentlichen, und jede Aktiengesellschaft eine
Vorschau auf die Geschäftsentwicklung, woran man ihren
wirtschaftlichen Zustand erkennen kann. Auch auf privater
Ebene legt jeder Mensch einmal im Jahr, an Jom Kippur, einen
Bericht über seine Taten und seine Auslassungen vor.

Zweimal innerhalb von sieben Jahren müssen wir einen sehr
detaillierten Report abgeben, nämlich über die Verzehntung
der Boden- und Baumerträge. Der Zeitpunkt hierfür ist der
siebte Tag des Pessachfestes im vierten und im siebten Jahr
des siebenjährigen Schmitta-Zyklus (Dt. 26,13). "So sollst du
sprechen vor dem Ewigen deinem G~tte: Ich habe das
Geheiligte aus meinem Hause geräumt und habe es auch dem
Leviten und dem Fremdling gegeben... ich bin nicht
abgewichen von deinen Geboten und habe nicht vergessen".
Seltsam, daß dieser Bericht "Bekenntnis (Widui) der
Zehntabgaben" genannt wird. Normalerweise wird dieses Wort
in Zusammenhang mit Schuld verwendet, z.B. als
"Sündenbekenntnis", und hier verhält es sich doch genau
umgekehrt?! Hier steht der Mensch vor G~tt und erklärt, er
habe alles wie befohlen ausgeführt. Darüberhinaus kann
jemand, der die Abgaben nicht ordnungsgemäß entrichtet hat,
dieses Bekenntnis gar nicht abgeben! Unser Lehrer, Rabbiner
A.J.Kuk, erklärte dazu, daß die Bedeutung des Widui denn
auch gar nicht "Schuldbekenntnis" sei, sondern
"Berichterstattung". Mehr noch: Die Bedeutung des Wortes
"Widui" im Zusammenhang mit der Verzehntung enthält in
großem Maße die Weisung zur Danksagung über die Güte
G~ttes, der uns seine Gebote gab, anstelle der Verkündung
unserer Sünden und Rückschläge.

Rabbiner Kuk fügte dem hinzu, daß diese Art Widui zu einer
Rückenstärkung beim Dienst an G~tt führt. Wenn jemand seine
Sünden aufzählt, so lenkt er seine Aufmerksamkeit darauf und
schämt sich; so erhöht er die Motivation, sich zu bessern und
eventuelle Schäden wiedergutzumachen. Hierin liegt jedoch
auch eine Gefahr verborgen. Die Frustration, die den
Menschen begleitet, der jedes Jahr aufs Neue mehr oder
weniger dieselben Sünden bekennt, kann ihm die Motivation
zur Besserung rauben und ihn verzweifeln lassen. So bietet der
"Bericht über die Verzehntungen" (Widui HaMa'asserot) eine
willkommene Ergänzung des Sündenbekenntnisses (Widui "Al
Chet"). Hier braucht er nicht sein Versagen zu demonstrieren,
sondern kann seine Erfolge auflisten. "Ich habe der Stimme
des Ewigen meines G~ttes gehorcht, ich habe ganz so getan,
wie du mir geboten" (Dt. 26,14). Die so erzielte Befriedigung
ermuntert den Betreffenden, so weiterzumachen und weitere
göttliche Höhen zu erklimmen.

Zwei Bekenntnisse: Das Sündenbekenntnis im Monat Tischri,
und das Verzehntungsbekenntnis des Monats Nissan, die sich
ergänzen und zusammen eine Einheit des Dienstes an G~tt
bilden, in Respekt und Freude, in Ehrfurcht und Liebe.
 
Der Stand der Dinge...

Ein guter Mensch zu sein

Rav Dov Begon
Leiter von
MACHON MEIR

Die talmudischen Weisen hielten sich bei der Vergabe von
Torastudienplätzen an zwei gegensätzliche Methoden. Nach
der einen Methode siebte man die ausgezeichneten Schüler
heraus und ließ nur diese ins Lehrhaus (Bet Midrasch), wie
Rabban Gamli'el, der sagte: "Ein Schüler, der lernt, aber nicht
danach handelt, darf nicht ins Bet Midrasch gelassen werden"
(Brachot 28a). Die Schule von Schammai lag auf der gleichen
Linie: "Man lehre nur jemanden, der weise, demütig und nach
den Vorvätern geraten ist". In der Schule von Hillel verfuhr man
jedoch anders: "Man lehre jedermann, denn es gab schon viele
jüdische Bosewichte, die sich dem Torastudium näherten, und
aus ihnen wurden Gerechte, Fromme und Ehrliche" (Awot
deRabbi Natan). So ist der Gang der Welt: 1000 treten ein zum
Bibelstudium, und 100 können es hinterher lehren, 1000 treten
ein zum Mischnastudium, und 10 können es hinterher lehren,
1000 treten ein zum Talmudstudium, und einer kann es
hinterher lehren. Darum sorgten die Weisen der "großen
Versammlung" für drei Dinge, als die Juden aus dem
babylonischen Exil zurückkehrten, um sich ihre nationale
Heimstatt wiederaufzubauen: 1. Grundlage des
Gerichtswesens: "Seid bedächtig im Entscheiden". 2.
Grundlage der Erziehung: "Stellet viele Schüler her", und 3.
Grundlage der Torabefolgung: "Machet einen Zaun dem
Gesetz" (1. Mischna der "Sprüche der Väter",
Kehatikommentar).

Die "Aufstellung vieler Schüler", d.h. die Erziehung, war einer
der Eckpfeiler des Aufbaus der Nation während der Periode
des zweiten Tempels nach 70 Jahren Exil, und erst recht, nach
dem Stand der Dinge, nach unserem 2000-jährigem Exil, in der
Periode hin zum Bau des dritten Tempels. So muß die
Erziehung an der Spitze der nationalen Tagesordnung stehen.
Auch unsere gegenwärtige Regierung ist sich der notwendigen
Bevorzugung des Erziehungswesens wegen seiner zentralen
Bedeutung für den Fortbestand und die Weiterentwicklung des
Staates Israels bewußt. Darum steckt der Staat jährlich mehr
als 20 Milliarden Schekel in das Erziehungswesen - und
trotzdem bleiben die erhofften Früchte aus, denn die
israelische Gesellschaft befindet sich weiterhin in einer Krise
der ethischen Grundwerte, besonders in den
zwischenmenschlichen Verhältnissen, was in Gewalttätigkeiten
in der Familie, in der Gesellschaft und sogar im
Erziehungswesen selbst zum Ausdruck kommt, in Ermangelung
an Grundwerten und Idealen, in einer materialistischen
Weltanschauung usw. Auch noch mehr Geld würde an diesem
Zustand kaum etwas ändern. Der Kern der Erziehung muß
darin bestehen, gute Menschen zu produzieren, Menschen mit
Prinzipien. Seit Gründung des Staates wurde das
Hauptaugenmerk jedoch immer auf die materielle Seite und das
Erreichen der gesteckten Ziele gelegt. Natürlich muß man auch
für einen hohen Standard im Berufswesen sorgen, Ingenieure,
Ärzte, Rechtsanwälte und dergleichen mehr, doch auf dem
Wege wurde der Mensch vergessen, der Mensch der
Grundwerte und der Moral, der gute, hilfsbereite Mensch, der
dem Nächsten nützlich sein will. Die Zielausrichtung des
Erziehungswesens muß grundlegend geändert werden, an der
Spitze darf nicht mehr allein der Erfolgszwang stehen, sondern
die Erziehung zum guten Menschen. Dadurch wird sich
schließlich auch die israelische Gesellschaft ändern und sich
das Prophetenwort bewahrheiten: "Und dein Volk - sie alle sind
Gerechte, für ewig besitzen sie das Land, ein Sprößling meiner
Pflanzungen, meiner Hände Werk zur Verherrlichung"
(Jeschajahu 60,21).

Finanzier gesucht:
Zur Herausgabe ausgewählter Kommentare zur Parscha und
anderen jüdischen Themen von Rabbiner Schlomo Aviner in
Buchform auf deutsch werden Spender gesucht, die z.B. das
Andenken von Angehörigen auf diese Weise ehren wollen.
(Kosten für Hardcover /Taschenbuchformat ca. DM 5000,-
/Auflage v.1000 St.). Interessenten werden gebeten, sich mit
der deutschen Redaktion (s.o.) in Verbindung zu setzen.

Bereits erschienen (Auswahl):

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch in Russisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
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Lichterzünden/Schabbatausgang in:
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