MACHON MEIR
                       DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KORACH
Nr. 203
28. Sivan 5759  (außerhalb Israels Schlach Lecha)
 

NEU AUF DEUTSCH:
DIE TOLERANZ
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
 

NEU AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen, zum Zuhören
online (z.Zt. am besten mit Internet Explorer)
 

Diese Woche in der Tora (Num. 16,1-18,32):
Putschversuch Korachs und seiner Anhänger gegen Moscheh
und Aharon; harter Kern versinkt im Erdboden, andere werden
von himmlischem Feuer verzehrt; deren Räucherpfannen
dienen als Altarüberzug zum Mahnmal; anschließender Unmut
im Volk wird mit Seuche bestraft; Aharon heilt; göttliches
Wunder mit Aharons Stab bestätigt Führung durch Moscheh
und Aharon; Bestimmung der Priester und der Leviten zum
Tempeldienst und die ihnen zustehenden Abgaben.
 
 
Frage und Antwort

Der Zweck heiligt die Mittel nicht

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Muß man die Gebote der Tora um jeden Preis erfüllen -
auch wenn man dazu ein anderes Gebot übertritt?

Antwort: Der Herr der Welt ist nicht daran interessiert, "Gebot
durch Sünde" zu erfüllen, wie es der Talmud bezeichnet. Wenn
man ein Gebot nicht ohne eine Übertretung erfüllen kann, so
verzichtet G~tt ganz darauf.

Glücklich kann sich schätzen, wer das Gebot des Lulaw[Feststrauß am Laubhüttenfest] erfüllt - aber nicht mit einemgestohlenen Lulaw. "Denn ich der Herr liebe das Recht und
hasse Raub beim Brandopfer" (Jeschajahu 61,8). Die
talmudischen Weisen erklären dazu: "'ich.. hasse Raub beim
Brandopfer' - sogar für die Darbringung eines Brandopfers darf
man nicht rauben" (Sukka 30a/Raschikommentar) [von einem
Brandopfer hat der Opfernde keinerlei materiellen Nutzen].

"Ein Gleichnis: Als einst ein König aus Fleisch und Blut an
einem Zollamt vorbeikam, sprach er zu seinen Dienern:
Entrichtet den Zoll an die Zollbeamten. Da sprachen sie zu
ihm: Der Zoll ist ja vollständig dein!? Darauf erwiderte er ihnen:
Von mir sollen alle anderen Reisenden lernen, den Zoll nicht
zu hinterziehen. Ebenso spricht der Heilige, gelobt sei er: Ich,
der Herr, hasse Raub beim Brandopfer, von mir sollen meine
Kinder lernen, sich vom Geraubten fernzuhalten" (Sukka 30a).

Und die Moral: Auch für ein Gesetz des Königs aller Könige
darf man nicht stehlen, weder zum Bau von Synagogen noch
zum Bau von Lehrhäusern, weder zur Unterhaltung von
Jeschiwot noch von Tora-Schulen. Dies würde auch ein gutes
Beispiel für das tägliche Leben mit seinen kleinen Gaunereien
abgeben.

Der "Talmud Jeruschalmi" bringt ein extremeres Beispiel:
"Jemand bringt dem König ein Geschenk, und der König findet
heraus, daß dieses Geschenk ihm selber gestohlen worden
war. Wehe demjenigen, dessen Fürsprecher zu seinem
Ankläger wird" (Jeruschalmi, Sukka, 3. Abschnitt). Nicht nur,
daß so kein Gebot erfüllt wird - man begeht sogar eine Sünde.

Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto (verfaßte kabbalistische und
ethische Werke, lebte vor etwa 270 Jahren) betonte, daß auch
die Ausführung von Mitzwot zulasten der Arbeitszeit als
Diebstahl angerechnet und von G~tt nicht akzeptiert wird.
"Selbst wenn einer ein Gebot während der Arbeitszeit ausführt,
wird ihm dies nicht als Frömmigkeit angerechnet, sondern als
Vergehen, und ein Vergehen kann kein Gebot sein, wie es
heißt: 'ich.. hasse Raub beim Brandopfer' (s.o.). Entsprechend
sagten die Weisen: 'Wie kann einer, der eine Sea [Hohlmaß]
Weizen geraubt, gemahlen, geknetet und gebacken und davon
die Teighebe abgesondert hat, darüber den Segen sprechen,
er spricht ja keinen Segen, sondern eine Lästerung; und
darüber heißt es: wer raubt und preist, lästert dem Herrn' (Baba
Kama 94a, Psalm 10,3), und weiter: 'Wehe demjenigen, dessen
Fürsprecher zu seinem Ankläger wird' (s.o.), wie die Weisen im
Zusammenhang mit dem gestohlenen Lulaw sagten, und es
folgt logischerweise: wenn 1. der Raub eines Gegenstandes
als Raub und der Raub von Zeit als Raub gelten, und wenn 2.
er einen Gegenstand raubt, um ein Gebot zu erfüllen, wodurch
sein Fürsprecher zum Ankläger wird - dann wird der
Fürsprecher auch zum Ankläger, wenn er Zeit raubt, um ein
Gebot zu erfüllen. Und G~tt ist doch nur an der Ehrlichkeit
einer Person interessiert" ("Der Weg der Frommen", 11.Kap.).

Vor dem Essen von Brot "heiligen wir die Hände" durch
Übergießen mit Wasser aus einem speziellen Gefäß, wie die
Priester im Tempel vor dem Opferdienst. Gleichzeitig muß man
dabei auch auf Sauberkeit der Hände achten. Unser großer
Lehrer, Rabbiner Awraham Jizchak Kuk, schrieb dazu: "Der
Mensch muß das sich gesteckte Ziel grundsätzlich auf einem
Niveau der Heiligkeit und der spirituellen Reinheit halten,
desgleichen die Mittel, mit denen er es zu erlangen sucht, daß
nämlich auch diese heilig und rein seien" (Sidur "Olat Re'ija" II,
S.257).

Weiter schrieb Rabbiner Kuk: "Es gibt gute und heilige Dinge,
die auf einer häßlichen Existenzgrundlage bestehen, wie
Schwäche, Lüge und Bosheit, die manchmal gute Prinzipien
wie Scham, Sittlichkeit, Glauben und dergleichen stützen. Doch
wie das Gute bei den Bösewichten als schlecht gilt bei den
Gerechten, so enthält das Gute, das sein Gutes und Heiliges
vom Bösen und Unreinen erhält, viele schlechte Seiten, und
das Licht der Erlösung kommt nur dann zum Vorschein, wenn
die Fundamente des Bösen zerstört sein werden, auch die, die
das Gute und das Heilige stützen. Und selbst, wenn dadurch
das Gute, das Heilige und der Glauben leiden und absinken
und dadurch aussehen, als degenerierten sie - diese
Degeneration und dieses Absinken sind in Wahrheit Aufstieg
und Ermutigung, denn nach dem Rotten jener schlechten
Fundamente beginnt sofort das Licht des Glanzes und des
Heiligen auf den gesunden Fundamenten des Wissens, der
Weisheit, des Heldenmutes, der Pracht, der Ewigkeit und der
Herrlichkeit zu sprießen, und damit wird die Weltenherrschaft
im Lichte G~ttes und seiner Güte am Ende der Tage in Davids
verläßlichen Gnaden [=Hinweis auf den Maschiach] begründet,
die ein ewiger Bund sind, der nie und nimmer gebrochen wird.
'Und er sprach: Doch - mein Volk sind sie, Kinder, die nicht
lügen werden; und so ward er ihnen ein Retter. Bei all ihrer
Bedrängnis war ihm leid, und der Engel seines Antlitzes half
ihnen, in seiner Liebe und in seiner Milde erlöste er sie, und
hob sie auf und trug sie all die Tage der Urzeit'" ("Orot
HaTchija", 52.Kap., Jeschajahu 63,8-9).
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 
 
Kinder, Kinder...

Wie interessiert man die Schüler für den Religionsunterricht (2)

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und 
Leiter des Kollels der Jeschiwa
Ma'ale Adumim

Voriges Mal beschäftigten wir uns mit dem Vorschlag, sich im
Religionsunterricht auf leicht faßbare, aktuelle und "pikante"
Themen zu konzentrieren, um in den jugendlichen Schülern ein
Interesse für das Studium der spirituellen Dinge im
Allgemeinen und für den Talmud im Besonderen zu wecken.
Wir erwähnten dessen Zurückweisung durch Rabbiner A.J.Kuk,
besonders im Hinblick auf die jungen Schüler: "Obwohl der
Zustand der Freudigkeit ein sehr schöner, angenehmer und
wohlgefälliger ist, sollten aber die Befriedigung und das
Vergnügen an den Worten der Tora und der Weisheit nicht
krampfhaft auf diesen Genuß fixiert sein" ("Ejn A'ja" zum
Traktat Schabbat, S.120). Der Unterricht in Gemara darf nicht
in einen Amüsierbetrieb ausarten!

Obwohl Rabbiner Kuk in seinen Schriften die Wichtigkeit von
Lust und Freude beim Torastudium hervorhebt und empfiehlt,
den Lehrstil den seelischen Neigungen des Schülers
anzupassen, damit er "am Ort, zu dem sein Herz Lust hat"
lerne, distanziert er sich von einem auf unterhaltsame
Elemente gebauten Lehrplan. Wenn der Schüler ohne jegliche
Anstrengung Befriedigung am Torastudium findet, gewöhnt er
sich an die leichte Arbeit, was "dem Anfänger die Motivation
nimmt, sich bei der Erlangung der Wahrheit anzustrengen und
abzumühen" (ebda.). Wenn sich der Schüler erstmal an leicht
erzielbare Erfolgserlebnisse beim Torastudium gewöhnt hat,
wird ihn jeder Lehrstoff schnell anwidern, der keine sofortigen
Ergebnisse zeitigt.

Rabbiner Kuk erläutert, daß man zu Anbeginn des Toralernens
nicht zufällig auf Schwierigkeiten stößt, sondern wegen der
seelischen Kluft zwischen dem Schüler und der Tora. Es
handelt sich dabei nicht nur um ein intellektuelles Problem,
sondern um seelische Entfremdung. Um sich am Torastudium
erfreuen zu können, muß man eine tiefe und innige Verbindung
zur Tora, zu ihren Begriffen und zu ihren Gesetzmäßigkeiten
schaffen. Die künstliche Befriedigung am Torastudium durch
allerlei Patentrezepte wird diese Kluft nicht überbrücken helfen.

Allerdings sind wir uns den der Tora innewohnenden großen
Kräften bewußt, ihre Lernenden zu erfreuen, wie Psalm 19,8
aussagt: "Die Lehre des Herrn ist untadelig, sie erquickt die
Seele". Im Midrasch heißt es: "'Licht den Augen erfreut das
Herz' (Sprüche 15,30) - damit sind Lehren der Tora gemeint,
die das Herz des Menschen erfreuen". Ebenso wird im Talmud
(Pessachim 68b) von Rav Scheschet erzählt, der alle 30 Tage
sein gesamtes Wissen rekapitulierte und dabei sagte: "Freue
dich, meine Seele, freue dich, meine Seele, für dich habe ich
die Schrift gelesen, für dich habe ich [die Mischna] gelernt". Die
Tora kann ihren Schülern Lust und Freude vermitteln, doch
nur, wenn man sich entsprechend Mühe gibt.

Rabbiner Kuk bezeichnete die durch "Tora-Abenteuer"
erzeugte Freude als oberflächlich. Die Tora vermittelt echte
Befriedigung nur nach Festigung der Persönlichkeit im Lichte
der Tora, nach vielen Mühen und nicht durch schnelle Erfolge.
"Mache die Worte deiner Lehre angenehm in unserem Munde"
(tägl. Morgengebet) - Rabbiner Kuk erklärt dazu, daß "die Lust
kommt, wenn die Dinge, zu denen deren Empfänger eine
gefühlsmäßige Beziehung aufbaut, zu seinem inneren Wesen
passen".

Rabbiner Kuk bezeichnet ausführlich die Lehrmethode, von der
er sich distanziert - nämlich die des "Pilpul", der
Scharfsinnigkeiten und Haarspaltereien, die er nicht im
Mittelpunkt des Lehrplanes für Anfänger angesiedelt sehen will.
Diese Methode bedeutet der heutigen Jugend nicht mehr viel,
übte aber auf die jungen Schüler früherer Generationen eine
große Anziehungskraft aus. Hier konnte man sich durch eigene
Geistesblitze, Scharfsinn und Denkvermögen hervortun.
Mithilfe des "Pilpul" wurden "unwegliche" Gebiete des Talmuds
erschlossen, komplizierte Problemfälle gelöst, geniale
Kommentare verfaßt und neuartige Definitionen erdacht. Die
Schüler folgten gespannt dem Unterricht und genossen ihn
sehr. Doch das reicht nach Ansicht von Rabbiner Kuk nicht
aus. Die Tora besteht nicht nur aus "Pilpul", und leichte
Erfolgserlebnisse führen irre und geben die falschen
pädagogischen Signale.

Die Einführung der "Pilpul"-Methode steht in unseren
Lehranstalten heute nicht mehr zur Debatte. Wir können von
ihr jedoch auf alle anderen Lehrmethoden schließen, die
schnelle Erfolgserlebnisse vermitteln wollen, um die Herzen
der Schüler zu gewinnen.

Sollte man also nicht nach Wegen suchen, das Torastudium
den Schülern schmackhaft zu machen? Sollte man also nicht
das Lastgefühl des Religionsunterrichtes etwas erleichtern?
Sollte man also keinerlei neue Lehrmethoden beim
Talmudstudium erlauben? Die Antwort zu all diesen Fragen
lautet, daß an einer Auswahl von in der Vorstellungswelt der
Jugendlichen relevanten Themen nicht das Geringste
auszusetzen ist, doch darf man dabei nicht auf den
persönlichen Einsatz, die ausführliche Untersuchung und die
intellektuelle Anstrengung verzichten. Unter den tausenden
Seiten des Talmud darf man gerne Themen mit aktuellem
Bezug auswählen, die das tägliche Leben der Schüler
angehen, doch diese Themen muß man dann auch ernsthaft
durchnehmen, genau das Für und Wider abwägen, die frühen
und späteren Kommentatoren zu Rate ziehen und sich nicht
nur die Rosinen herauspicken.
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
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Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
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-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
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