MACHON MEIR
DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EMOR
Nr. 197
15. Ijar 5759
NEU VON MACHON MEIR:
Rav Dov Begon, der Leiter von MACHON MEIR,
erzählt seine
Lebensgeschichte über das Internet
(AUDIO - zu erreichen
über die Homepage).
Diese Woche in der Tora (Lev. 21,1-24,23):
Besondere Vorschriften für die Nachkommen
Aharons, die
Priester: Verbot der Leichenunreinheit,
Heiratsvorschriften,
Dienstuntauglichkeit durch Gebrechen oder
Unreinheit,
Strafen; Vorschriften für Mitglieder
der Priesterfamilie;
Regelungen über die Tauglichkeit
von Opfertieren; Schabbat
und Festtage und ihre Gebote; Leuchter
und Brottisch im
Heiligtum/Tempel; Strafe des Gotteslästerers;
div. Gesetze von
Schädigungen.
| Frage
und
Antwort Gesetz aus Geheimlehre? Rav Schlomo Aviner |
![]() |
Frage: Es gibt einige Rabbiner, die ihre religionsgesetzlichen
Entscheidungen auf Quellen der Kabbala stützen. Sollte
man nicht eher
diesen Rabbinern folgen und nicht jenen, die sich nur auf das Offenbare
beziehen, weil den Ersteren alle Geheimnisse der Gebote bekannt sind?
Antwort: Es gibt gar keine solche Methode der religionsgesetzlichen
Entscheidung. So einen Blödsinn kann nur jemand verzapfen, der
nicht
das Geringste vom jüdischen Religionsgesetz, der Halacha,
versteht.
Wer sich jahrelang mit dem Kern jüdischer Rechtsprechung in
Streitfällen, mit dem "Schulchan Aruch", mit den Gesetzen von
der
Monatsunreinheit, des Schabbat oder generell vom Erlaubten und
Verbotenen beschäftigt hat, weiß ganz genau, daß man
in all diesen
Dingen nicht nach der Geheimlehre entscheidet und darüber auch
nichts im Sohar, dem Hauptwerk der Kabbala, und bei seinem
Hauptkommentator, Rabbiner A.R.I. sel., zu finden ist.
Ein bekannter Rabbiner pflegte in seinen Vorträgen vor neuerdings
Religiösen (Ba'alei Tschuwa) zu verkünden: Ich entscheide
nach der
Geheimlehre! Einmal sprach ihn ein anderer Toragelehrter darauf an
und fragte: Was Sie so freimütig vor allen verkünden, Sie
entschieden
nach der Kabbala - das machen Sie doch bloß, um die Anfänger
zum
Fragenstellen zu provozieren, weil ein regulärer Rabbiner, selbst
die
größte Kapazität auf allen Gebieten der Halacha, doch
keinen Eindruck
auf diese Menschen macht - doch wenn man auch nur ein wenig von
Kabbala andeutet, kommen sie alle gelaufen...? 'Vollkommen richtig
erkannt', lautete die prompte Antwort.
Ein Einfluß der Kabbala in praktischen halachischen Entscheidungen
ist
eine große Seltenheit. Im ganzen Schulchan Aruch begegnet man
ihnen
vielleicht an zehn Stellen, und auch nur bei nebensächlichen Themen
wie zum Beispiel das rituelle Händewaschen am Morgen, bei einigen
Gebetsbräuchen, z.B. ob "Hodu.." vor "Baruch sche'amar.." gesagt
wird oder nicht (siehe Gebetbuch), ob man die Zizit (Hemd mit
Schaufäden) sichtbar oder verdeckt trägt, oder ob man den
Segen über
den Mond (Kidusch Lewana) schon 4 oder erst 7 Tage nach Neumond
sprechen kann. Im "Schulchan Aruch" gibt es dagegen Millionen
Gesetze, in denen nichts Kabbalistisches auftaucht.
Das überaus populäre Gesetzeswerk "Mischna Brura" erläutert
in
§25,11, wie man sich bei einer Diskrepanz von Kabbala und Halacha
in
den genannten Ausnahmefällen zu verhalten hat. Rabbiner Elijahu
aus
Wilna, der sogenannte "Gaon von Wilna" (18.Jh.), benennt nur einen
einzigen solchen Fall, und auch dort handelt es sich nicht um einen
Eckpfeiler des Judentums wie die von Todesstrafe oder Abtrennung
von der Volksseele bedrohten Entweiher des Schabbat und der
Familienreinheit (Taharat HaMischpacha), sondern um Seitenlinien
und Bräuche wie die Keduscha im Mussafgebet, ob man mit
"Keter"
oder mit "Na'arizcha" anfängt. Hierbei handelt es sich nur um
ein
poetisches Gebet und nicht um ein Grundprinzip des Judentums. Die
Behauptung, die Kabbala nehme breiten Raum in religionsgesetzlichen
Entscheidungen ein, führt nicht nur in die Irre, sondern stellt
auch eine
grobe Verfälschung der Tatsachen dar, die der Nation großen
Schaden
zufügt.
Von einer "Methode der religionsgesetzlichen Entscheidung anhand
der Kabbala" kann man sicher nicht reden. Nur bei einigen wenigen
Sonderfällen berücksichtigt man auch kabbalistische Aspekte.
Wer aber
die Nebensache zum Prinzip erhebt und jegliche Proportion außer
acht
läßt, zerstört das ganze Gebäude des Judentums
und verfälscht die
Weltanschauung der Nation. Wenn man dann das Volk in dem
Irrglauben beläßt, daß das Religionsgesetz nach geheimen
und nicht
nach offenen Quellen entschieden wird, so wird es zur Tora nur auf
der
Suche nach Mystizismus finden und seine spirituelle Nahrung bei
Wahrsagern und "Sehern" suchen. Man muß ganz klar unterscheiden
zwischen halachischen Entscheidungen, die gemäß der offenen
Quellen
getroffen werden, und dem Verborgenen, das den wenigen Inhabern
des spirituellen Niveaus vom Verständnis der "Ma'aße Merkawa"
am
Anfang des Prophetenbuches Jecheskel angemessen ist. Auf keinen Fall
aber eignen sich diese Dinge zur Anleitung jedes einzelnen Juden, der
Familie oder der Gesellschaft. Im Gegenteil, die Tora will uns davon
fernhalten, wie Rabbiner A.I. Kuk sel., selber auf allen Pfaden des
Offenbaren und des Verborgenen bewandert, bestätigte. Verwirrung
der Begriffe und Verlust der Proportionen führen auf die gefährlichsten
Irrwege, genau entgegengesetzt zu der Richtung, in die uns die Tora
leiten will. Nur einige wenige Gesetze nehmen Bezug auf die Kabbala,
doch gehören sie nicht einmal zu den strengen und wichtigen
Regelungen. Wenn sich aber die Suche nach der Tora auf die Mystik
fixiert, so ist das ein sicheres Zeichen für die Abwesenheit
von Tora
und von mangelndem Selbstvertrauen, wenn jedes Anzeichen von
Verstand und Logik nur abschreckt und nur die Mystik, das
Ungewöhnliche und das Übernatürliche die Ausgeglichenheit
ins Leben
bringen.
G~ttes Wille liegt in der Verstärkung des Torastudiums und der
Gebotseinhaltung, in ethischem Leben, dem Streben nach guten
Charaktereigenschaften und nach der Liebe zu den Geschöpfen, und
im
Respekt vor dem Himmlischen.
Kommentare von Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen
können Sie
jede Woche auf hebräisch im Internet-Radio hören;
eine Programmvorschau
(auch für englischsprachige Sendungen
und Nachrichten
aus Israel) erhalten Sie unter: http://www.a7.org
| Am
Schabbes-Tisch...
Gedanken zum Fest Rav Jakov Halevi Filber |
Wenn wir aus dem Blickwinkel der Tora die Zeiten betrachten, stellen
wir fest, daß sich nicht alle Tage gleichen. Der Schabbat unterscheidet
sich von den sechs Werktagen und überhaupt die Feiertage von den
übrigen Tagen. Die Unterschiede rühren nicht von den spezifischen
Ge-
und Verboten her, sondern vom Wesen dieser Tage selber; als Beweis
dafür sollte die besondere Heiligkeit des Schabbat genügen,
dessen
Heiligkeit den Geboten voranging, wie es in der Tora steht, vor der
Übergabe der Gesetzestafeln am Sinai, zum Schöpfungs-Schabbat:
"Und G~tt segnete den siebenten Tag und heiligte ihn" (Gen. 2,3), und
im Kommentar des Awraham Ibn-Esra heißt es dazu: "Segen - Gutes
zu mehren, und an diesem Tage erhielten die Körper die
Fähigkeit zur
Vermehrung, und die Seelen die Fähigkeit der Erkenntnis
und des
Verstandes". Die besondere Eigenschaft des Schabbat beschränkt
sich
nicht nur auf diesen Tag, sondern strahlt auf alle anderen Wochentage
aus, wie Rabbiner Jehuda Halevi im Buche "Kusari" (einem der
bedeutendsten Werke jüdischer Religionsphilosophie, verfaßt
vor ca.
800 Jahren) schrieb: "Und die Frucht der Woche - der Schabbat, weil
seine Bestimmung in der Verbindung mit dem Göttlichen liegt".
Mit
dieser besonderen Eigenschaft sind auch die übrigen Feiertage
ausgestattet, so heißt Pessach auch "die Zeit unserer Freiheit",
das
Wochenfest (Schawu'ot) "die Zeit der Übergabe unserer Tora",
und
das Laubhüttenfest (Sukkot) "die Zeit unserer Freude".
Von unserem Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Hakohen Kuk sel. hörte ich
einmal eine interessante Erklärung über die Abstufung
in der
Anordnung der Feste im jüdischen Kalender im Hinblick auf die
Abnahme der aktiven Beteilung des Juden bei den spezifischen
Geboten von Fest zu Fest. Das erste Fest ist Pessach, und das typische
Gebot betrifft das Essen - die Matza zu allen Zeiten, und das
Pessachopfer zur Zeit des Tempels. Beim Essen handelt es sich
zweifelsohne um eine praktisch auszuführende Tätigkeit. Nach
Pessach
kommt das Wochenfest, das Fest der Toragebung; auch wenn wir nicht
wieder das damalige spirituelle Niveau der Prophetie erreichen, so
gelten wir doch als "Kinder von Propheten", und darum wurden die
Gemeinden in allen Zeiten zum durchgehenden Torastudium in dieser
Festnacht angehalten, bis zum Morgengrauen. Nach jüdischer Lernart
werden die Texte nicht nur gelesen, sondern ge- und besprochen,
worin das Hauptgebot dieses Feiertages liegt. Das Sprechen erfordert
allerdings weit geringere physische Betätigung als das Essen.
Nach
dem Wochenfest kommt Rosch Haschana, Neujahr, an dem wir den
Ton des Schofarhornes hören sollen. Das Hören beinhaltet
schon keine
aktive Beteiligung mehr, sondern nur noch passive Einwirkung.
Danach folgt der Fasttag Jom Kippur, an dem das Gebot der
physischen Enthaltsamkeit gilt, was völligen Verzicht auf Essen
und
Trinken beinhaltet. Hierfür braucht man gar nichts zu tun,
noch nicht
einmal hinhören wie an Rosch Haschana. Nach Jom Kippur gelangen
wir schließlich zum Laubhüttenfest, an dem das wesentliche
Gebot von
absoluter Abwesenheit jeglicher Aktivität gekennzeichnet ist (außer
einer einzigen Mahlzeit, die man in der Sukka am ersten Tag des Festes
einnehmen muß, was vom Pessachfest her gelernt wird). Wenn man
sich mit Imbissen begnügt und keine große Mahlzeit zu sich
nehmen
will, braucht man sich zum Essen nicht in der Sukka aufzuhalten. Doch
ein Gebot bleibt auf jeden Fall erhalten, und es gibt keinen Weg darum
herum: das Schlafen in der Laubhütte. Kein Mensch hält
es länger als
drei Tage ohne Schlaf aus (siehe Traktat Sukka 53a). So wird das
Gebot vom Schlafen in der Laubhütte nicht nur durch vollkommene
Passivität erfüllt, sondern sogar durch das Fehlen des
Bewußtseins.
Der Jude erfüllt dieses Gebot also ohne die Beteiligung von Körper
und Verstand.
Aus dieser Abstufung der Feiertage lernen wir etwas über die Größe
der inneren jüdischen Wesenseigenheit. Am Anfang (zu Pessach)
wird
ein relativ großer physischer Einsatz verlangt (Essen), um den
von der
Gebotsausübung ausgelösten göttlichen Einfluß
zu veranlassen, und
mit dem spirituellen Aufstieg von Fest zu Fest wird zur Erlangung
dieses Zieles immer weniger aktive Beteiligung verlangt, bis schließlich
auf dem Höhepunkt, am Laubhüttenfest, an dem sich das jüdische
Wesen in seiner natürlichsten Form offenbart, keine menschliche
Tätigkeit, weder aktive noch passive, benötigt wird.
MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
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Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
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