MACHON MEIR
                       DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EKEW
Nr. 210
18. Aw 5759
 

AUF DEUTSCH:
DIE TOLERANZ
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
NEU Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
 

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 7,12-11,25):
Die Segnungen des Gehorsams, Heranziehung der Geschichte
als Motivation zur Erfüllung der fundamentalen Pflicht, G~tt zu
lieben und seine Gesetze zu halten, persönliches Erleben der
Wunder zu Gunsten Israels sollen zu Liebe und Gehorsam
führen, Belohnung und Strafe im Judentum (Mittelteil des
Schma-Gebetes).
 
 
Frage und Antwort

Unsere Erlösung

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wann kommt der Maschiach ["Messias"] ?

Antwort: Das wissen wir nicht. - Doch warum teilt uns G~tt in
seiner großen Güte dies nicht mit? Unser Vorvater Jakov wollte
es seinen Söhnen prophezeien, doch selbst er konnte es nicht.

Zwar gibt es Andeutungen im Buche Daniel, die von den
Geonim, Rischonim und Acharonim [den Toragelehrten der in
drei Perioden aufgeteilten letzten 1000 Jahre] kommentiert
wurden. Diese Erklärungen waren allerdings nicht als der
Wahrheit letzter Schluß gedacht, sondern boten lediglich
denkbare Möglichkeiten an. Heißt es doch ausdrücklich im
Talmud: "Es schwinde der Geist derjenigen, die die Endzeit
berechnen wollen!" (Sanhedrin 97b). Wer ein genaues Datum
gibt, lädt Fluch auf sich, denn wenn dann gar nichts passiert,
verursachte er nichts als Enttäuschung und Glaubenskrisen.
Darum sollte man von Berechnungen die Finger lassen.

Im weiteren Verlauf obengenannter Gemara verkünden uns die
talmudischen Weisen: "Du hast kein deutlicheres [Kennzeichen
für das] Ende als das folgende: 'ihr aber, ihr Berge Israels, laßt
euer Laub sprossen und tragt eure Frucht für mein Volk Israel,
denn sie kommen bald'" (Sanhedrin 98a, Jecheskel 36,8). Der
Raschikommentar erklärt dazu: "- wenn das Land Israel seine
Früchte großzügig geben wird".

Für "das Kommen des Maschiach" müssen wir selber sorgen,
vor allem durch unsere Anstrengungen beim Aufbau des
Landes: das deutliche Zeichen der Fruchtbarkeit des Landes,
die Einsammlung der Verstreuten, die Gründung des Staates -
aber keine plötzlichen, realitätsfernen Wundermittel, deus ex
machina; nur innerhalb der Realität. Darin liegt das Geheimnis
des Maschiach, der sich in einem Vogelnest befindet, wie es im
Sohar (Schemot 7-8) [Hauptwerk der Kabbala] steht. Rabbiner
Awraham Jizchak Kuk erklärte dieses Gleichnis wie folgt: Im
Nest liegt ein Ei, die Mutter brütet es aus, und passieren tut
anscheinend gar nichts, bis plötzlich - o Wunder! - die Schale
aufbricht und ein komplettes Küken hervorkommt!

In Wirklichkeit passiert hier jedoch gar nichts plötzlich. Jede
Einzelheit ist von Bedeutung. Die Vogelmutter sitzt auf dem Ei
und versorgt es mit der nötigen Wärme, bis es sich soweit
entwickelt hat, daß das Küken herauskommen kann. So verhält
es sich auch mit dem Maschiach, er ist die Summe aller
unserer Anstrengungen, der Mühen von uns allen (Orot
Hatechija 14).

Wir behaupten ja nicht, daß G~tt nicht "über Hügel hüpfen und
über Berge springen" könne (Hohelied 2,8), doch sein Wille
besteht darin, daß es durch uns und aus uns geschehen möge,
als Beteiligte an seinem großen Werke.

Mit dem Zionismus begann das messianische Zeitalter, auch
wenn nicht alle seine Anführer ein Käppchen auf dem Kopf
hatten. Theodor Herzl trug zwar einen langen Bart, aber kein
Käppchen, doch sagte er auf dem zionistischen Kongreß, daß
die Rückkehr zum Judentum der Rückkehr zur Staatlichkeit
vorangehe, und sein Buch "Altneuland" beendete er mit der
Tatsache, daß die Hand G~ttes in allem sei. - Wir sehen also,
daß G~tt sich einen Ausführungsgehilfen erwählte, der kein
Käppchen auf dem Kopf hatte.

Der große Talmudgelehrte, Rabbiner Schlomo Jissachar
Teichtal (ermordet im KZ), Autor des Buches "Em haBanim
Ssemecha", gab folgendes Beispiel für dieses Fehlen einer
Kopfbedeckung: In einer kleinen Stadt starb einst der
Synagogendiener. Aus Mitgefühl für seine Witwe gab man ihr
einen Teil seiner Arbeit, nämlich die Gemeindemitglieder
morgens zum Gebet zu wecken. Also zog sie am nächsten
Morgen los und fing bei dem am abgelegensten Haus an:
Schacharit! Morgengebet! und klopfte an die Fensterläden.
Dort wohnte ausgerechnet ein ungläubiger Jude, doch als er
die Tür öffnete, sagte er: Kann es denn angehen, daß eine
alte, gebrechliche Frau diese anstrengende Arbeit verrichtet?!
Geh' nach Hause, ich erledige das für dich, und du verdien'
lieber etwas Geld für deinen Lebensunterhalt! - Und so machte
er sich sofort an die Arbeit und klopfte beim Nachbarhaus an:
Schacharit! Da schallte es heraus: Frecher Kerl! Von einem
Spötter und Apikores soll ich mich zum Gebet wecken lassen?!
- und der Nachbar schlief weiter. So ging es auch beim zweiten
Haus, beim dritten und bei allen anderen. An dem Tag blieb
der Rabbi einsam in der Synagoge. Später erkundigte er sich
bei den Leuten, warum sie nicht zum Morgengebet gekommen
waren. Die einhellige Antwort lautete: Was, von einem Ketzer
sollen wir uns zum Beten schicken lassen?! Da antwortete der
Rabbi: Daß er ein Apikores ist, ist wirklich schlimm und bitter,
doch wo er recht hat, hat er recht! - So traten sekuläre Juden
alles Heilige mit Füßen, und das war schlimm und bitter. Doch
als sie auf einmal sagten, 'laßt uns in unser Land zurückkehren
und dort einen selbständigen Staat gründen', hatten sie recht!
Sie erledigten die Arbeit, die eigentlich den Käppchenträgern
vorbehalten war, nämlich an die Türen der Herzen und an die
Läden der Seele zu klopfen und auszurufen: Wacht auf!

G~tt stehen viele Sendboten zur Verfügung. Die zionistische
Bewegung arbeitete mit göttlicher Erlaubnis. Wenn es doch nur
Propheten gäbe, die uns sagten: Sei ein Zionist! Wandere ein!
Bau das Land auf, den Staat, die Armee, die Landwirtschaft
und die Industrie! Doch leider gibt es heutzutage keine
Propheten. Woher wissen wir also, was G~tt spricht? G~tt läßt
die Tatsachen für sich sprechen. So sehen wir mit eigenen
Augen, daß der Zionismus die göttliche Erlaubnis bekam: Das
Land fing an zu grünen, zu blühen und sich zu entwickeln. Die
Verstreuten begannen, zurückzukehren. Wir haben einen Staat
und eine Armee, die uns Schutz gewähren. Natürlich wacht
G~tt über uns, "nicht schlummert und nicht schläft der Hüter
Israels" (Psalm 121,4) - doch Zahal (die israelische Armee) ist
sein Ausführungsgehilfe. G~tt ist die "erste Ursache" für alles,
allerdings bedient er sich mittelbarer Ursachen, wie die
Philosophen sagen. G~tt ist der Grund aller Gründe und die
Ursache aller Ursachen. Der Grund für unsere Sicherheit ist
Zahal, und der Grund des Grundes ist der Herr der Welt.

Woran erkennen wir die göttliche Zustimmung? Unsere Armee
siegt im Kriege, das Torastudium kommt wieder zu Ehren und
es wächst die Zahl der Jeschiwot. Der Zionismus bringt durch
unsere Arbeit den Maschiach auf den Weg, und nicht eine
realitätsfremde Wundererwartung. Natürlich kann G~tt auch,
wenn er will, den Maschiach noch heute durch ein Wunder
kommen lassen. Natürlich glauben wir an Wunder. Doch wir
verlassen uns nicht auf Wunder. Überhaupt bauen wir unseren
Glauben nicht auf Wunder - 'wenn G~tt mir ein Wunder
geschehen läßt, dann glaube ich an ihn, sonst aber nicht'. Es
verhält sich genau umgekehrt: weil wir an ihn glauben, sehen
wir Wunder. Unsere gesamte neue Wirklichkeit ist ein einziges
großes Wunder, alles ist ein Wunder: "..Deine zu jeder Zeit
waltenden Wunder und Guttaten, abends, morgens und
mittags, Du bist der Gute, denn Dein Erbarmen hat nie
geendet, der Barmherzige, denn Deine Liebeserweisungen
haben nie aufgehört, von je haben wir Dein gehofft.." (aus dem
Schmone-Esre-Gebet).

Sicher kann G~tt Wunder und Großtaten wirken, doch wir
sehen mit unseren eigenen Augen, daß er die Erlösung "Stück
um Stück" (Talmud "Jeruschalmi", Brachot 4b) ausführt und
uns als Sendboten daran beteiligt. Und er wird den Maschiach
durch uns und von uns bringen. "Eine Hallstimme ertönt vor
dem Kommen des Maschiach von den Gipfeln der Berge und
verkündet: Jeder, der mit G~tt gehandelt hat, werde seinen
Lohn erhalten". G~tt bringt den Maschiach durch unser
nationales Schaffen, und natürlich durch unsere spirituellen
Anstrengungen auf den Gebieten des Torastudiums, der
Gebotsausübung und dem Erwerb von guten
Charaktereigenschaften.

So wie man einmal über den Zionismus sagte, er sei eine
Vorstufe des Staates, so können wir über den Staat sagen, er
sei eine Vorstufe des messianischen Zeitalters. Für das
Kommen des Maschiach beten wir: "Davids, Deines Dieners
Sproß wollest Du bald sprießen lassen.." (Schmone-Esre). Das
Sprießen hat seinen eigenen Rhythmus. Man kann es nicht
forcieren, darf es aber auch nicht vernachlässigen. Wir gießen,
sorgen für Licht und günstige Bedingungen, doch können wir
die Pflanze nicht sprießen machen, dafür ist allein G~tt
zuständig. Wir sind allerdings dabei seine Partner. Dasgleiche
gilt auch für das messianische Zeitalter, das entsprechend
sprießt und gedeiht.

Dieses Sprießen erfolgt nicht immer kontinuierlich. "Es gleicht
mein Geliebter dem Hirsche" (Hohelied 2,9) - wie ein Hirsch
hinter den Hügeln mal sichtbar und mal verdeckt ist, so ist auch
der Erlöser mal sichtbar und mal verdeckt. Doch das
Gesamtbild zeigt, daß "G~tt Zion seine Gegenwart wiedergibt"
(Schmone-Esre). Wir glauben an Wunder, doch wir sehen im
Hinblick auf die letzten Jahre, daß der Herr der Welt seinen
Plan stufenweise, durch uns und mit uns ausführt - und
natürlich kann es in Zukunft auch anders ablaufen. Doch wenn
wir die Worte G~ttes in Ermangelung an Propheten heute in
der historischen Wirklichkeit ausgedrückt sehen, dann
verkündet er damit, gelobt sei er, daß er auf diese Weise die
Erlösung herbeiführt.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 
 
Am Schabbes-Tisch

Besondere Aufmerksamkeit

Rav Jakov Ari'el

"Denn das Land, in das du ziehst, um es in Besitz zu nehmen,
ist nicht wie das Land Ägypten, aus dem du kommst, das du,
wenn du deinen Samen ausstreutest, mit deinem Fuße, wie
einen Gemüsegarten, bewässern konntest; das Land, in das ihr
ziehet, um es in Besitz zu nehmen, ist ein Land mit Bergen und
Tälern, durch den Regen des Himmels trinkt es Wasser" (Dt.
11,10-11).

Zwar hat das Land Israel gegenüber dem Lande Ägypten den
Vorteil, daß man keinen Schlaf über das Hochpumpen von
Wasser aus niederen Quellen zu hochgelegenen Feldern
verlieren muß, sondern G~tt bewässert Höhen und
Niederungen. Das hat allerdings auch einen Nachteil, so läßt
sich die Landwirtschaft nämlich nur schwer vorausplanen. Man
weiß ja nie vorher, wieviel Regen genau fallen wird. Manchmal
gibt es ein Jahr der Dürre, und dann regnet es im nächsten
Jahr den zweifachen Durchschnitt. Man kann sich hierbei nicht
auf bestimmte Naturgesetze verlassen. Die Regenmenge hängt
allein vom Willen G~ttes ab. Die Bewohner Israels fühlen sehr
wohl ihre Abhängigkeit von der über sie wachenden göttlichen
Vorsehung. "Ein Land... auf das die Augen G~ttes ständig
gerichtet sind, vom Anfang des Jahres bis zum Ende des
Jahres" (ebda.,12). Der Regen ist nur einer der Aspekte der
besonderen göttlichen Vorsehung über das Land Israel. Es gibt
noch andere Bereiche, auf die G~tt einen unmittelbaren Einfluß
nimmt, wie zum Beispiel auf die Verteidigung, die Wirtschaft
und die Einwanderung. An diesem Orte sind die
Lebensbeziehungen zwischen G~tt und Mensch am
empfindlichsten. Darum muß man hier wie an keinem anderen
Ort auf die Einhaltung der Gebote achten: "..dafür, daß ihr
diese Rechtsvorschriften höret.. wird auch dir der Ewige, dein
G~tt, die Bundestreue und die Huld bewahren... dich lieben,
dich segnen und vermehren" (Dt. 7,12-13). Auch scheinbar
triviale Angelegenheiten, über die man woanders leicht
hinwegsehen würde, ziehen hier wegen der besonderen
Empfindsamkeit des Landes schwere Konsequenzen nach
sich. Es geht hier nicht um eine Abwägung von Aufwand und
Nutzen, daß Wohlverhalten seine Früchte trägt, sei es durch
Kindersegen oder Bodenerträge. Der Schwerpunkt der
Abhängigkeiten liegt vielmehr in der Werteordnung, die in den
besonders feinfühligen und empfindlichen Beziehungen zum
Lande Israel zum Ausdruck kommt. Jedes Verhalten seiner
Bewohner hat eine passende göttliche Reaktion zur Folge.
Denn dieses Land gehört nicht uns, sondern G~tt, es ist das
Land der Heiligkeit.
 

Finanzier gesucht:
Zur Herausgabe ausgewählter Kommentare zur Parscha und
anderen jüdischen Themen von Rabbiner Schlomo Aviner in
Buchform auf deutsch werden Spender gesucht, die z.B. das
Andenken von Angehörigen auf diese Weise ehren wollen.
(Kosten für Hardcover /Taschenbuchformat ca. DM 5000,-
/Auflage v.1000 St.). Interessenten werden gebeten, sich mit
der deutschen Redaktion (s.o.) in Verbindung zu setzen.

Bereits erschienen (Auswahl):

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch in Russisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
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Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 19.01/20.18
Tel Aviv: 19.19/20.20
Haifa: 19.13/20.21