MACHON MEIR
                       DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT DEWARIM (CHASON)
Nr. 208
4. Aw 5759
 

NEU AUF DEUTSCH:
DIE TOLERANZ
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
 

NEU AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen, zum Zuhören
online (z.Zt. am besten mit Internet Explorer)

Diese Woche in der Tora (Dt. 1,1-3,22):
Im 40. Jahr, am 1. des 11. Monats, spricht Moscheh zu den
Kindern Israels, bevor sie den Jordan überqueren: Rückblick
auf die Reise, Einsetzen von Richtern, Aussenden der
Kundschafter+Sünde dazu, welche Länder in Ruhe gelassen
und welche erobert werden.

Diese Woche auf dem Kalender:
Tischa B'Aw (Fasttag; Donnerstag)
 
 
Frage und Antwort

Beim Militär ist's nicht zu schwer!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: In der Armee ist es nicht immer einfach, Religion und
Dienst miteinander zu vereinbaren. Nach welchen Prinzipien
sollte sich der religiöse Soldat richten?

Antwort: Nach der Staatsgründung gab es in der Armee einige
unerfreuliche Vorfälle, als z.B. religiöse Soldaten Befehle
erhielten, die eine unnötige Entweihung des Schabbat zur
Folge hatten. Daraufhin wurde vorgeschlagen, die Armee
aufzuteilen - eine Armee religiös, eine Armee nicht religiös.
Doch die Nation war nicht von allen guten Geistern verlassen
und rief aus: Eine Armee!

Wir leben gemeinsam in der Armee, und wir leben gemeinsam
in unserem Staat. Die nationale Einheit bildet das Rückgrat des
Staates Israel. Dazu gehören die gegenseitige Toleranz und
die Geduld mit Anderen. Das gilt erst recht beim Militär. Dort
herrscht sowohl religiöser als auch sekulärer Zwang. Ein
Beispiel für religiösen Zwang: alle müssen koscher essen.
Sekulärer Zwang: Wenn ein Religiöser sagte, 'ich kann gerade
nicht zum Appell antreten, denn ich muß erst fertig beten', wird
man ihm schnell klarmachen, daß ihn das nicht von seinen
Pflichten befreit, vielmehr muß er vor dem Antreten beten.

Inzwischen haben wir gelernt, in der Armee miteinander zu
leben und gut miteinander auszukommen.

Einmal organisierten wir eine kleine Feier, und die
Verantwortlichen kamen zu mir mit einer Liste und fragten, ob
alles so in Ordnung und auch koscher genug sei. Das machte
mich verlegen, denn ich wäre auch mit ein paar Apfelsinen
zufrieden gewesen; ich habe ja gar nicht darum gebeten...
Doch sie wollten das so haben!

Noch eine Geschichte aus meinem Reservedienst: Am Freitag
gab es meistens Urlaub zum Schabbat, und ich war der einzige
religiöse Soldat im ganzen Trupp. Unsere Übung zog sich
länger hin als geplant. Die Chance, nach Hause zu kommen,
schwand von Minute zu Minute. Plötzlich erschien eine Gruppe
"Säkulärer" auf der Bildfläche mit dem Befehl: Fahr los! - Aber
wir haben unsere Aufgabe noch nicht erfüllt?!, sagte ich. 'Du
wohnst weit weg, wir erledigen das schon für dich. Ab nach
Hause - das ist ein Befehl!'.

In dieser Armee fallen alle Trennwände. Religiöse und
Nichtreligiöse leben drei Jahre lang zusammen, im selben Zelt,
in gegenseitigem Verständnis und Brüderlichkeit, in
Nächstenliebe bis hin zum Einsatz des eigenen Lebens für den
Anderen, im Feuer des Gefechtes und in der Wärme des
Herzens. Wir sind verschieden: unterschiedliche Gesichter,
unterschiedliche Ansichten - doch haben wir den Weg zum
gemeinsamen Leben gefunden.

Doch wenn der Erzfeind Israels sieht, wie die Kinder Israels
in Brüderlichkeit leben, dann wird er eifersüchtig und will
zerstören - und so startete er eine neue "Mode": gemischte
Einheiten von männlichen und weiblichen Soldaten.
Gemeinsame Grundausbildung, gemeinsame Übungen,
gemeinsame Läufe, gemeinsames Transportieren von
Verletzten und gemeinsames Lösen von Problemfällen. Hier
greifen die jüdischen Gesetze von Sitte und Anstand: Nein, so
geht es nicht! Nein zu Sportlehrerinnen, selbst in vollständiger
Bekleidung - und erst recht im T-Shirt. Das ist nicht der rechte
Weg, nicht der Weg der Tora und nicht der Weg der Halacha.

Die religiösen Soldaten wissen nicht mehr, was sie tun und
wohin sie sich wenden sollen, Frustration macht sich breit. Es
scheint, man wolle ihnen andeuten: ihr gehört hier nicht her,
macht euch eure eigenen Einheiten auf mit eurem Anstand und
eurer Sitte.

Nein - wir sind eine Armee. Der religiöse Soldat hat das Recht
und die Pflicht, die jüdischen Gesetze der Sittlichkeit zu
befolgen, und die Armee und der Staat haben die Pflicht, die
Armee nach dem gemeinsamen Nenner aller Soldaten zu
organisieren. Das würde ihnen zum Verdienst gereichen, sehr
sogar. So wie die Armee nicht ohne koscheres Essen sein darf,
so kann sie auch nicht sittenlos sein.

Wer mit dieser Vermischung anfing, beging einen großen
Fehler. Es muß sofort der ursprüngliche Zustand
wiederhergestellt werden; wenn es in einer Division weibliche
Soldaten gibt, müssen diese in separate Einheiten abgeteilt
werden.

Einmal berichtete man mir, daß im Ausbildungslager 80 eine
strenge militärische Disziplin herrsche, dort dürfen die
männlichen und weiblichen Soldaten nicht einmal miteinander
reden. Werden sie zusammen erwischt, setzt es eine schwere
Strafe. Das gibt es noch nicht einmal beim Rabbinatsgericht
der charedischen Gemeinde! Die Armee hatte begriffen, daß
solches "Miteinander" weder gut noch bekömmlich ist. Und
dann steckt man in derselben Einheit, in der Grundausbildung
und in den verschiedenen Kursen, Jungen und Mädchen
zusammen!
Sportinstrukteusen!

Ein charedischer Jugendlicher erzählte mir einmal über sich:
"Von ganzem Herzen wollte ich Wehrdienst leisten. Ich sah
darin einen höchsten Wert, und trotz schärfsten Widerstandes
meiner Verwandten und Freunde rückte ich ein. Seitdem
behandelt mich meine Umgebung feindselig. Auch in der
Armee habe ich es nicht leicht, denn meine Freunde sehen
mich als Stellvertreter für alle Charedim [den 'Charedim'
genannten orthodoxen Juden wird allgemein eine dem
zionistischen Staat gegenüber ablehnende Haltung
zugesprochen]. Ich bin allerdings bereit, diese Schwierigkeiten
gutwillig auf mich zu nehmen, für das Ideal der Armee. Eines
Tages jedoch erschien eine Sporttrainerin, sehr unsittlich
gekleidet, und ich sollte hinter ihr herlaufen. Ich war in meiner
Seele zutiefst erschüttert. Wie kann ich aber der Armee den
Befehl verweigern, meiner Armee, die mir am Herzen liegt?
Doch wie kann ich den Befehl G~ttes übertreten und das
heilige Gebot? Ich stand nur da und weinte".

Diese Armee ist unsere Freude und unser Stolz, unser Trost
und unsere Kraft, mit G~ttes Hilfe unser Schutz und unsere
Sicherheit, unsere Unabhängigkeit und unsere Staatlichkeit.
Auf diese Armee haben wir viele Generationen lang gewartet.
Sie steht für die Rettung des Volkes, die Verteidigung des
Landes und die Heiligung des göttlichen Namens erhobenen
Hauptes. Diese Truppen sind heilig, und wir haben kein Recht,
sie zu profanieren. Die Armee rührt man nicht an und greift
man nicht an. Alle Diskussionen über Zusammenlegung von
Jungen und Mädchen, oder deren Verbot, gehören nicht
hierher! Halt - Sperrgebiet! Dieser Mißstand muß schleunigst
behoben werden, denn "dein Lager soll heilig sein" (Dt. 23,15).

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Befehlsverweigerung

Rav Asri'el Ari'el

Nach der Umgehung der Länder von Edom und Moaw
verkündet G~tt Moscheh, daß er ab sofort mit der Eroberung
des Landes Israel zu beginnen habe. "Siehe, ich gebe Sichon,
den König von Cheschbon, in deine Hand... beginne die
Eroberung und fange mit dem Krieg an!" (Dt. 2,24).

Seltsamerweise folgt Moscheh diesem Auftrag nicht. Statt
sofort zum Angriff überzugehen, beginnt er
Friedensverhandlungen (Dt.2,26ff.). Und so stellen denn auch
die talmudischen Weisen im Midrasch, und ebenso die
Kommentatoren, die erstaunte Frage, warum Moscheh das
göttliche Gebot übertrat? Und auch wenn wir hier das später im
Abschnitt Schoftim erwähnte Gebot des Friedensangebotes
anlegten, das auch für den Mitzwa-Krieg gilt, so geht es doch
dabei um die Annahme der israelitischen Oberhoheit und die
sieben noachidischen Gesetze, wohingegen in unserem Fall
nur von unbehelligtem Durchzug die Rede ist? Nach Ansicht
der Weisen, die auch im Raschikommentar erwähnt wird, ging
der göttliche Befehl der Entsendung der Friedensunterhändler
voran. Diese Gesandtschaft wurde auf Initiative von Moscheh
geschickt, trotz jenes Befehls. Doch nicht nur, daß G~tt nicht
darüber zürnte, im Gegenteil, er stimmte diesem Vorgehen
sogar zu.

Was veranlaßte Moscheh zu seiner Handlungsweise? Der
Raschikommentar bringt den Midrasch, wonach die Bedeutung
der Worte "Midbar Kdemot" (Dt. 2,26) die göttliche Lenkung der
Welt bezeichnen, die der Welt voranging, und die Übergabe
der Tora, die bereits vor der Welt existierte. Aus diesen beiden
vorzeitlichen Quellen lernen wir, selbst vor einem Mitzwa-Krieg
[z.B. zur Eroberung des Landes Israel, zur Verteidigung gegen
Angreifer, zur Vernichtung Amaleks] Frieden anzubieten. Die
göttliche Lenkung wird beim Auszug aus Ägypten offenbar.
Obwohl G~tt natürlich genau wußte, daß Pharao nicht
einlenken würde, schickte er Moscheh zu ihm zu
Verhandlungen. So war es auch bei der Übergabe der Tora.
Obwohl G~tt genau wußte, daß keines der übrigen Völker die
Tora annehmen würde, wandte er sich trotzdem an sie mit
seinem Angebot.

Auch hier verhielt sich Moscheh entsprechend. Nicht nur war
der göttliche Befehl unmißverständlich, was die Verpflichtung
betraf, er ließ auch keinen Zweifel offen, daß die Dinge etwa
nicht eintreffen würden. Darum wandte sich Moscheh an
Sichon und machte ihm ein großzügiges Friedensangebot. Er
wußte ja im voraus, daß G~tt seinen Willen festigen und sein
Herz verhärten würde. Genau deswegen hatte er keine
Skrupel, ein dem göttlichen Befehl zuwiderlaufendes
Friedensangebot zu machen. Und erst nach dem Eintreffen der
von Mobilmachung und Kriegserklärung begleiteten
abschlägigen Antwort zog er zum Kriege aus.

Aus dieser Geschichte können wir Lehren für viele Bereiche
des Lebens ziehen. Jeder Mensch hat in seinem Leben viele
Gefechte durchzustehen. Es mangelt nicht an Bösewichten und
Faustmenschen, Missetätern und Rechtsbrechern. Es besteht
kein Zweifel, daß jeder, der imstande ist, das Böse zu
bekämpfen, dazu aufgerufen ist, alles in seiner Kraft stehende
dagegen zu unternehmen. Doch bevor er zum Kampfe antritt,
sei er auch noch so berechtigt und notwendig, sollte er doch
vorher ein Angebot zur friedlichen Regelung machen, auch
wenn es nicht die geringste Chance hat (siehe Mischna Brura
§1,1 - Be'ur Halacha "Welo jitbajesch..").

Finanzier gesucht:
Zur Herausgabe ausgewählter Kommentare zur Parscha und
anderen jüdischen Themen von Rabbiner Schlomo Aviner in
Buchform auf deutsch werden Spender gesucht, die z.B. das
Andenken von Angehörigen auf diese Weise ehren wollen.
(Kosten für Hardcover /Taschenbuchformat ca. DM 5000,-
/Auflage v.1000 St.). Interessenten werden gebeten, sich mit
der deutschen Redaktion (s.o.) in Verbindung zu setzen.

Bereits erschienen (Auswahl):

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch in Russisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an obige Anschrift von
MACHON MEIR

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 19.08/20.27
Tel Aviv: 19.26/20.29
Haifa: 19.20/20.30