MACHON MEIR
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEMIDBAR
Nr. 200
29. Ijar 5759
 

NEU VON MACHON MEIR:
Rav Dov Begon, der Leiter von MACHON MEIR, erzählt seine
Lebensgeschichte über das Internet (AUDIO - zu erreichen
über die Homepage).
 

Diese Woche in der Tora (Num. 1,1-4,20):
Auflistung der Stammesfürsten und Musterung der
Kriegstüchtigen im ganzen Volk; Aufstellung und Anordnung
der Einheiten; Übertragung der Erstgeborenenpflichten auf die
Leviten; Befreiung der Leviten vom Armee- und ihre Einteilung
zum Tempeldienst; Aufteilung der Transport-, Auf- und
Abbaupflichten des Wüstenheiligtums innerhalb der levitischen
Familien.
 
 
 
 
 
Der große Tag der Wahl

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Einmal fragte man einen der größten Rabbiner der vorigen
Generation, den "Chason Isch", ob es ein Gebot, eine Mitzwa
sei, an den Wahlen zur Knesset teilzunehmen. Sicher doch,
lautete die Antwort. Bohrte der Frager weiter: Wirklich eine
echte Mitzwa, so wie Matze an Pessach? Worauf er antwortete:
So wie Maror (das Bitterkraut)!

Wir halten es in dieser Sache wie Hillel der Ältere, der Matze
und Maror zu dem berühmten "Sandwich" zusammenlegte. In
unserem neuen Lande existieren sowohl Licht als auch
Schatten, doch wissen wir, daß das Licht über das Dunkel die
Oberhand hat und es am Ende besiegen wird.

Es reicht allerdings nicht, einen Staat zu gründen, man muß ihn
auch unterhalten. Dazu muß die Staatsführung das Vertrauen
der Nation gewinnen. Als der Prophet Schmu'el ("Samu'el")
Scha'ul zu unserem ersten König machen wollte, stellte er ihn
dem Volk vor, um dessen Zustimmung zu erhalten. Und so
geschah es fast jedes Mal, wenn ein neuer König eingesetzt
werden sollte - das Volk wurde zu einer großen Versammlung
einberufen und rief aus: Es lebe der König!

Ein israelischer König ist kein brutaler Herrscher, sondern dem
Volk ein Vater, ein treuer Diener, wie die alten Ratgeber Konig
Schlomos ("Salomo") dem jungen Thronfolger Rechawam
rieten: "Wenn du dich heute dem Volk zum Diener machst und
ihm dienst..." (Kö.I, 12,7). Das Vertrauen des Volkes bildet die
Grundlage für alles Weitere. König ist, wer auf das Volk hört,
wie es heißt: "Wenn du sagen wirst: Laßt uns einen König über
uns setzen.." (Dt. 17,14). Rabbiner Naftali Zwi Jehuda Berlin
("HaNeziw"), Vorsteher der Woloschiner Jeschiwa vor etwa
100 Jahren, sagte, daß der Willen und die Zustimmung des
Volkes unverzichtbare Vorbedingungen seien. Doch durch die
Eskapaden verdorbener Potentaten hatte das Volk vom
Königtum die Nase voll und wollte nur noch den Abgeordneten
sein Vertrauen schenken. In diesem Falle, bestimmte der
Neziw, handele es sich um eine nationale Notsituation, die eine
gewählte Volksvertretung erlaube.

Unser Lehrer Rabbiner A.J. Kuk führte diesen Gedanken
weiter, daß nämlich, wenn es keinen Propheten gebe, der für
die Einsetzung einer neuen Königsdynastie vom jüdischen
Gesetz vorgeschrieben ist, die Autorität zur Amtseinsetzung
ans Volk zurückfalle. Die so vom Volk gewählte Führung
enthält gewisse autoritative Aspekte des Königtums. So hatten
zum Beispiel die Richter, die nach Jehoschua ben Nun über
das Volk herrschten, den Status von Königen, und Rabbiner
Moscheh ben Maimon ("Maimonides") schrieb, daß sogar der
"Resch Galuta", das Oberhaupt der Judenheit Babylons,
damals Weltzentrum des Judentums, über diesen Status
verfüge. Auch die Knesset und unsere heutige Regierung
gelten in bestimmter Hinsicht als jüdische Königsherrschaft.

Wir sind heute in der glücklichen Lage, daß nicht die Türken
oder die Briten über uns herrschen, sondern wir über uns
selber, und wir bestimmen die öffentliche und nationale
Ordnung. "Wäre unser Mund des Gesanges voll wie das
Meer,.. so würden wir nicht ausreichen zu danken" [Nischmat-
Gebet am Schabbatmorgen]. 2000 Jahre lang sehnten wir uns
nach unserem eigenen Land, und jetzt haben wir es. Und durch
die Gnade G~ttes ist es ein starkes und reiches Land, voller
Ethik und Tora.

Natürlich gibt es auch etwas Bitterkraut auf der Matze der
Freiheit, doch dürfen wir nicht vergessen, daß die Erlösung mit
kleinen Schritten anfängt [Talmud "Jeruschalmi", Berachot 4b].
Die Selbstreinigung erfolgt in Stufen.

Es stimmt schon, daß viele negative und schändliche
Erscheinungen die Wahlen begleiten, doch zum Wein gehört
auch die Hefe. Wir sollten uns lieber freuen, daß wir zur
nationalen Gemeinsamkeit zurückgefunden haben, daß es
keinen sinnlosen Bruderhaß gibt wie den, der zur Zerstörung
des zweiten Tempels führte, so wie es unsere talmudischen
Weisen und auch Josephus Flavius übermitteln. Trotz aller
Streitereien bleiben wir Kameraden, und wenn nur ein Jude in
Gefahr gerät, werden Millionen Soldaten zu seiner Rettung
alarmiert. Wir sollten unseren Blick über die Komplikationen
erheben, das Unterbewußtsein der Nation entdecken, das ganz
und gar heilig ist, das eines Tages zum Vorschein kommen
wird. "Man baute profan und heiligte es nachher" (Me'ila 14a),
"auch aus dem Profanen wird sich das Heilige offenbaren"
(Raw A.J.Kuk, "Orot Hatschuwa" 17.Kap.), "das Alte wird sich
erneuern, und das Neue wird sich heiligen" (Raw A.J.Kuk,
Briefe I, Nr.164). Dann wird sich allen die Heiligkeit unseres
Staates offenbaren.

Darum wollen wir mit Freude wählen gehen, genau so wie wir
alle Gebote der Tora erfüllen, und bauen unser Land weiterhin
auf und wachsen selber mit ihm, begleitet von den Wundern
G~ttes über sein Volk und seinem Erbbesitze.
 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen
können Sie jede Woche auf hebräisch im Internet-Radio hören;
eine Programmvorschau (auch für englischsprachige Sendungen
und Nachrichten aus Israel) erhalten Sie unter:   http://www.a7.org
 
 
Kinder, Kinder...

Vor der Bar Mitzwa (1)

Rav Elischa Aviner

Über die Auslegung des folgenden Talmudzitates teilen sich
die Meinungen des MaHaRaL (der "Hohe Rabbi Löw" aus
Prag) und des Maimonides: "Der Heilige, gepriesen sei er,
wollte Israel verdienstlich machen, daher verlieh er ihnen das
Gesetz und viele Gebote" (Makkot 23b). Dieser Spruch löst
Verwunderung aus: Logischerweise sollte doch, je
umfangreicher und komplizierter die Aufgabe wird, deren
Lösung dem Menschen schwerer fallen und ihn gar
abschrecken, warum sollte also eine Vermehrung der Gebote
als Vorzug aufgefaßt werden? Hätte das Volk Israel nur
vereinzelte Gebote erhalten, würden viel mehr Leute ganz
leicht Vollkommenheit erlangen und der kommenden Welt
anteilig werden! Dazu bemerkte Maimonides (in seinem
Mischnakommentar zu Makkot), daß ein Mensch der
kommenden Welt durch die Erfüllung eines einzigen Gebotes
anteilig werden kann, wenn er es nach Vorschrift und mit
vollkommener Herzensabsicht tut. "Dazu sagte Rabbi Chananja
[der Autor des obigen Zitates], daß wegen der Vielzahl der
Gebote der Mensch gar nicht anders kann als wenigstens
eines in vollem Umfang und nach Vorschrift zu erfüllen", und
damit seiner Seele den ewigen Bestand zu sichern. Die
Mehrung der Gebote eröffnet dem Menschen eine Vielzahl
paralleler Pfade zur Erlangung des ewigen Lebens.

Der MaHaRaL brachte dazu eine gewisse Kritik an: Zwar könne
man durch die Erfüllung nur eines Gebotes das ewige Leben
erlangen, wie es im Talmud heißt: "Wer auch nur ein Gebot
ausübt, dem erweist man Gutes, man verlängert ihm das Leben
und er erbt das Land" (Kiduschin 39b), die Weisen betonen
jedoch dabei, daß der Mensch nach der Summe aller seiner
irdischen Taten gerichtet wird. Wenn nach der Abwägung
seiner guten und seiner schlechten Taten die Zahl seiner
Gebotserfüllungen seine Sünden nur um eine einzige Mitzwa
übersteigt, dann "erweist man [ihm] Gutes, verlängert ihm das
Leben", usw.

Im Prinzip stimmt der MaHaRaL dem Maimonides zu, daß jede
einzelne Mitzwa eine bestimmte Vollkommenheit beinhaltet,
doch behauptet er dann weiter, daß beim göttlichen Gericht
nicht die einzelne Tat beurteilt wird, sondern die Persönlichkeit
als Ganzes im Hinblick auf ihre Vorzüge und Mängel, erfüllte
Gebote und begangene Übertretungen. Obwohl nun wirklich in
jedem einzelnen Gebot potentiell große Vollkommenheit ruht,
kommt diese jedoch nicht zur Geltung, weil der Mensch 613
Gebote erfüllen muß. Die Bewertung seiner Persönlichkeit
spiegelt die Abwägung aller seiner Taten wider.

Doch dann behauptet der MaHaRaL, gebe es einen Moment im
Leben des Menschen, an dem er tatsächlich durch die
Erfüllung eines einzigen Gebotes der kommenden Welt anteilig
werden kann! Und wann ist das? Wenn er mit dreizehn Jahren
mitzwapflichtig wird, gilt er wie eine reine Tafel, denn für seine
(Misse-)Taten als Kind wird er nicht zur himmlischen
Verantwortung gezogen. "Sicher erlangt (der Mensch die
kommende Welt) für eine einzige Mitzwa, wenn er dann
weiterhin nicht sündigt und auch keine (zusätzliche) Mitzwa
erfüllt, gleich nachdem er dreizehn Jahre alt geworden ist".
D.h., ein frischgebackener Bar-Mitzwa-Junge, der nur eine
einzige Mitzwa sofort nach seinem 13. Geburtstag erfüllt,
erlangt die Vollkommenheit. Wenn er allerdings im weiteren
Verlauf seines Lebens Gebote ignoriert oder Verbote übertritt,
läuft er Gefahr, die einmal erlangte Vollkommenheit wieder zu
verlieren.

Diese Worte des MaHaRaL enthalten eine wirklich gute
Nachricht. Es gibt nämlich Gelehrte, die der Ansicht sind, die
Vollkommenheit sei ein sehr schwer zu erreichendes Ziel, und
der Mensch müsse sich schon sein ganzes Leben lang sehr
bemühen, um nur ein klein wenig in Richtung der
Vollkommenheit voranzukommen. Sie vergleichen ihn mit
einem Bergsteiger auf dem Wege zum Gipfel, der an den
Himmel reicht. So eine Weltanschauung wird einen Bar-
Mitzwa-Jungen, der noch einen langen und schweren
spirituellen Weg vor sich hat, wohl kaum ermutigen, und ist
eher dazu angetan, ihn die Hoffnung verlieren zu lassen. Der
MaHaRaL lehrt uns jedoch eine umgekehrte
Betrachtungsweise: die Vollkommenheit liegt in unserer
Reichweite, und dient sogar als Ausgangspunkt für jeden Bar-
Mitzwa-Jungen. Wenn der Betreffende sofort nach
Überschreiten der Altersgrenze ein Gebot erfüllt, erlangt er
sofort und auf der Stelle die Vollkommenheit. Von nun an
braucht er "nur" noch darauf zu achten, daß sie ihm nicht
abhandenkommt! Er fängt seinen Lebensweg als Erwachsener
oben auf dem Gipfel an und muß nur aufpassen, daß er nicht
schwankt oder herunterfällt.

Welches ist nun die erste Mitzwa, die der Bar-Mitzwa erfüllen
soll? Darüber mehr beim nächsten Mal.
 

Diesen Freitag, den 28. Ijar, feiern wir Jom Jeruschalajim, den
Tag der Befreiung und Wiedervereinigung Jerusalems im
Sechstagekrieg. Im Morgengebet werden Teile des Schabbat-
Morgengebetes eingefügt, das Tachanun-Gebet ausgelassen,
und es wird Hallel gebetet. Die Festgebräuche können sich von
Gemeinde zu Gemeinde unterscheiden.
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch in Russisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
 

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 18.49/20.09
Tel Aviv: 19.07/20.11
Haifa: 19.01/20.12