MACHON MEIR
                       DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHAR-BECHUKOTAI
Nr. 198
22. Ijar 5759
 

NEU VON MACHON MEIR:
Rav Dov Begon, der Leiter von MACHON MEIR, erzählt seine
Lebensgeschichte über das Internet (AUDIO - zu erreichen
über die Homepage).
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 25,1-27,34):
Gesetze des Siebentjahres, des Joweljahres (alle 50);
Bodenrecht; Auslösung des Verarmten; Zinsverbot; Sklaven-
und Arbeitsrecht; Götzenverbot; Schabbat heiligen; Wohlstand
und Frieden bei Gebotsbeachtung, Armut, Tod und Exil bei
Nichtbeachtung; Geldgegenwerte von dem Tempel geheiligten
Personen und Sachwerten.
 
 
Der Stand der Dinge...

Richtungswahl

Rav Dov Begon
Leiter von
MACHON MEIR

Auf der politischen Tagesordnung steht der zukünftige
Charakter des Staates Israel im Mittelpunkt. Zwei
Hauptströmungen kennzeichnen das politische Spektrum. Die
eine Bewegung wird durch diejenigen Parteien und
Gruppierungen vertreten, die Judentum und Religion im Lande
stärken wollen, wohingegen die andere Richtung den Einfluß
des Judentums schwächen und eine Trennung von Staat und
Religion erreichen will. Beide Strömungen entspringen nicht
dem Zufall. Je weiter die nationale Wiederauferstehung
voranschreitet, je mehr die materiellen Fundamente der
nationalen Heimstatt erstarken, d.h. die wirtschaftliche Existenz
und die Sicherheit nach außen - desto mehr müssen wir uns
um die spirituellen und kulturellen Inhalte dieser Heimstatt
Gedanken machen. Wenn jemand ein Haus baut, hat er in der
reinen Bauphase keine Zeit, sich um geistige Inhalte zu
kümmern. Erst wenn er einzieht, denkt er auch an die geistigen
und kulturellen Werte, die in seinem Haus gelten sollen. Oder
wie ein Säugling, dessen Körpergewicht und reine Gesundheit
am Anfang sein ganzes Leben beherrschen, doch wenn er
größer wird und vom Kind zum Jugendlichen gedeiht, sorgen
wir uns eher um seine geistige, kulturelle und ethische
Entwicklung.

Kurz gesagt - ohne Judentum, Religion und Tradition können
wir nicht als jüdisches Volk bestehen. Die Tora, die Religion
und die Überlieferung bilden die Seele des Volkes Israel.
Wenn die Seele den menschlichen Körper verläßt, so stirbt er
und verfällt. So ging es auch dem jüdischen Volk überall dort,
wo es Religion und Tradition verließ. Die Juden assimilierten
und verschwanden von der Bildfläche. Erst recht würde im
Staate Israel die Trennung der Religion vom Staat der
Entfernung der Seele gleichkommen und zu seinem Verfall
führen, chas wechalila.

Darum gefährden die Bestrebungen zur Trennung von Staat
und Religion die Existenz Israels und müssen aufs Schärfste
zurückgewiesen werden.

Im Gegenteil - die Abtrünnigen müssen wieder mit dem
Judentum vertraut gemacht werden. Wir müssen es den
Gegnern der Religion vorstellen, denn sie kennen nur die dem
Exil (Galut) entstammende dunkle Seite. Rabbiner Kuk lehrte
uns, daß nur durch mehr Licht die Finsternis vertrieben wird -
durch Liebe und Glauben vertreiben wir Haß und Trotz, und es
wird nicht mehr lange dauern, daß Groß und Klein den Herrn
der Welt kennen werden. Denn wirklich haben wir alle den
einen Vater, wir stammen alle aus der gleichen Wurzel, und es
werden sich die Worte des Propheten Jeschajhu (11,9)
erfüllen: "Das Wissen um G~tt wird die Erde füllen wie das
Wasser die Meere bedeckt".

In Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und
Antwort

Geisterstunde

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Letzte Woche hat hier eine von bekannten Rabbinern
vorgenommene "Dibbukaustreibung" einiges Aufsehen erregt
(das Ereignis fand vor großem Publikum statt und wurde auch
gefilmt). Was ist eigentlich ein Dibbuk?

Antwort: Ein Dibbuk ist der Geist eines Toten, der in den
Körper eines lebenden Menschen gerät, aus Gründen, die zu
den Geheimnissen der Seelen gehören, und diesem große
Pein verursacht.

Die wahren Kabbalisten können zwischen einem Dibbuk und
einem Geisteskranken, der einem vom Dibbuk Befallenen
ähnelt, unterscheiden, und z.B. schwere Störungen wie
Spaltung der Persönlichkeit, die entsprechender Behandlung
bedürfen, erkennen. Es wird erzählt, daß beim Besuch des
Satmarer Rebben in Israel sich ein Mann mit seiner Tochter an
ihn wandte und behauptete, daß Mädchen sei von einem
Dibbuk besessen, der ihr Schmerzen verursache und mit einer
ihr nicht natürlichen Stimme aus ihr spräche, worüber sie sich
selber beklage. Vorher waren sie beim Belser Rebben
gewesen, der dem Dibbuk befahl, das Mädchen sofort zu
verlassen, doch führte dies zu keiner Besserung. So kamen sie
zum Satmarer Rebben, der nach einem Blick sagte: Sie ist
ganz einfach verrückt, geht zu einem guten Psychiater und laßt
mich in Ruhe!

Ebenso erzählte Rabbi Jehuda Strisower: "Ich hörte von einer
Begebenheit, die sich mit Rabbiner Moscheh ben Maimon
(Maimonides) in Ägypten zugetragen haben soll bei einer
christlichen Frau, die an einer Art Entzündung litt. Diese Frau
konnte weder lesen noch schreiben, doch während ihrer
Anfälle redete sie Lateinisch, Griechisch und sogar Hebräisch,
wobei ihre Familie fürchtete, sie sei von einem Dibbuk befallen
worden. Dieser Vorfall löste große Aufregung aus, und so
wandte man sich an den [u.a. für seine Heilkunst berühmten]
Maimonides, auf daß er durch seine Behandlung und
Medikamente diesen Dibbuk austreibe. Wie nun Maimonides
diese Geschichte hörte, ordnete er zunächst an, alles, was
diese Frau während dieser Anfälle von sich gebe, genau
aufzuschreiben. Als man dann die umfangreiche
Dokumentation begutachtete, stellte man fest, daß es sich um
Worte der Weisheit handelte, und auch was sie in der heiligen
Sprache von sich gab, gehörte zu den Versen der Tora und
anderen erbaulichen Werken. Doch war die Kranke
vollkommen ungebildet, und so nahm sich Maimonides der
Sache an und versprach, ihr auf den Grund zu gehen. Zuerst
verlangte er von der Familie, Näheres über ihre Kindheit zu
wissen. Unter großen Mühen fand er schließlich heraus, daß
die Kranke ab ihrem 9. Lebensjahr im Hause eines Geistlichen
aufwuchs, dessen Küche, in der sie sich aufzuhalten pflegte,
an das Studierzimmer grenzte. Dieser Geistliche wanderte
beim Lernen in seinem Zimmer auf und ab, hin und her, kreuz
und quer, und dabei prägte er sich die Bibelverse und die
anderen Texte in den ihm geläufigen Sprachen durch lautes
Deklamieren ein. Daraufhin untersuchte Maimonides die
Bücher dieses Geistlichen und fand dort alle Verse und
Sprüche, die die Kranke aufgesagt hatte. Nachdem er alles
genau geprüft hatte, fällte Maimonides das endgültige Urteil,
daß sie nämlich keineswegs von einem Dibbuk besessen sei,
sondern vielmehr ihre Krankheit die Erinnerung an das
einstmals Gehörte wieder wach rief, und obwohl sie selbst den
Inhalt ihrer Worte nicht verstand, so waren sie dennoch in
ihrem Gehirn festgeschrieben, wo sie verborgen ruhten, bis die
Entzündung alles zum Vorschein brachte".

Es ist nicht so ganz sicher, ob diese Geschichte wirklich wahr
ist; jedenfalls könnte sie sich so zugetragen haben. Wenn es
sich aber um einen echten Dibbuk handelt, bleibt kein anderer
Weg als ihn zum Verlassen des Körpers zu beschwören, und
der große Kabbalist, Rabbiner "Ari" (Jizchak Luria Aschkenasi,
lebte vor etwa 400 Jahren) sel. übermittelte seinem kaum
weniger berühmten Schüler, Rabbiner Chajim Vital, die
passenden Beschwörungsformeln und das dazu geeignete
Vorgehen. Z.B. muß man besonders darauf achten, wo genau
der Dibbuk den Körper verlassen soll, denn jenes Körperteil
wird verletzt werden, und darum muß man ihn zwingen, durch
den großen Zeh zu gehen, wo der Schaden nicht offensichtlich
ist, und nicht durch das Auge oder den Kopf.

Im Laufe der Generationen, besonders seit den Tagen des Ari
sel., führten die Kabbalisten die Dibbuk-Behandlung nach
diesem Muster durch. Auch unser Lehrer, Rabbiner Zwi Jehuda
Hakohen Kuk sel., schrieb einmal an Rabbiner Moscheh Jakov
Charlap, daß sein Vater, Rabbiner Awraham Jizchak Hakohen
Kuk, im Jahre 5672 (1912) in Jaffo einen Dibbuk ausgetrieben
habe. Jene Seele, die unter furchtbaren Qualen litt, hatte ihren
Lebtag nichts von Rabbiner Kuk gehört und bat ihn dennoch,
zu ihm zu kommen, und sie würde ihm gehorchen, den
Befallenen zu verlassen. Der Betroffene verstand niemals
Hebräisch, nur Arabisch, und dennoch sprach er mit Rabbiner
Kuk Hebräisch. Rabbiner Kuk schrie den Dibbuk an, sofort
herauszugehen. Der Geist brüllte zurück: "Nur durch sein
Auge, durch seinen Kopf!". Wiederum erhob Rabbiner Kuk
seine Stimme gewaltig und rief: "Durch den Zeh des linken
Fußes". Nach einigem Widerstand begann der Kranke, sich in
seltsamen Verrenkungen zu winden, und nach einiger Zeit rief
er: "Oh, mein Fuß, mein Fuß!". Danach ging es ihm besser
(Briefe "Zemach Zwi", S.40-41).

Auf Rabbiner Charlap machte diese Geschichte großen
Eindruck. Er schrieb darüber: "Man sollte diese Begebenheit in
allen Einzelheiten niederschreiben und zur ewigen Erinnerung
festlegen, und alle Augenzeugen unterschreiben lassen".

So hielten es auch die Schüler des Ari sel. in zahlreichen
Fällen, damit diese Begebenheiten nicht in Vergessenheit
geraten und zur Stärkung des Glaubens beitragen. Rabbiner
Kuk jedoch verhielt sich nicht so, und hielt auch nichts davon,
die Sache bekanntzumachen; vielmehr schrieb er: "Andere
solche Geschichten finden bei den Massen große Verbreitung"
(ebda.). Er lehrte lieber Tora und jüdischen Glauben,
Gottesfurcht und den Weg zu guten Charaktereigenschaften.
Viele Jahre nach dieser Begebenheit sagte uns Rabbiner Kuk,
daß er sie schon vergessen hatte und sich nur anhand des
detaillierten Briefes wieder daran erinnerte. Am Ende dieses
Schreibens betonte er, daß sein Vater "jeden Wert dieser
Geschichten verneine, denn nicht dadurch werde gelobt, wer
Lob verdient, sondern durch Barmherzigkeit, Recht, mildtätige
Gaben, Erkenntnis und das Wissen um G~tt" (ebda.).
Rabbiner Awraham Simcha aus Amzislov erzählte im Namen
seines Onkels, Rabbiner Chajim Woloschiner, dem größten
Schüler des Rabbi Elijahu "Gaon von Wilna", daß "ein böser
Geist einen Mann in Wilna heimsuchte, gerade im Hof der
Synagoge, was wegen der vielen Schaulustigen einen Tumult
auslöste. Der Gaon öffnete das Fenster des Lehrhauses, um
die Ursache des Lärmes herauszufinden. Wie der Dibbuk den
Gaon sah, rief er: 'Rabbi, über dich verkündet man im Himmel:
Habt Acht vor Elijahu und seiner Gelehrsamkeit! Wenn du mir
befiehlst, werde ich - nur nach deinem Wort - sofort diesen
Mann verlassen, denn dann kann ich nicht anders'. Doch der
Gaon wies ihn ab: 'Niemals wollte ich irgendetwas mit
Euresgleichen zu tun haben, und auch jetzt will ich überhaupt
nicht mit euch reden'".

Rabbi Chajim schrieb, wie der Gaon seine hohe spirituelle
Stufe erreicht hatte: "..denn er erhielt seinen Lohn; [wie es
heißt:] das ist die Tora und das ist ihr Lohn, vom Himmel gab
man ihm seinen Anteil für alle seine Mühen".

Darum ist an einer Dibbukaustreibung nichts Besonderes dran,
und stattdessen sollte man sich mehr für die Größe der Tora
und die reine Himmelsfurcht interessieren, für Größe des
Glaubens und gute Eigenschaften. 
 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen
können Sie jede Woche auf hebräisch im Internet-Radio hören;
eine Programmvorschau (auch für englischsprachige Sendungen
und Nachrichten aus Israel) erhalten Sie unter:   http://www.a7.org
 

MACHON MEIR
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Anfängerkurse auch in Russisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
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