MACHON MEIR
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ACHAREI MOT - KEDOSCHIM
Nr. 196
8. Ijar 5759
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 16,1-20,27):
Jom Kippur: Opferdienst und Feiertag; Fleischgenuß nur von Opfertieren;
Verbot des Blutessens; Verwandte usw., die zu heiraten verboten ist; weitere
Sittlichkeitsgebote, um die Greuel der Kana'aniter zu vermeiden;
Gebot und Versprechen, heilig zu sein; div. Ge- und Verbote;
Land von Milch und Honig.
 
 
Der Stand der Dinge...
Wahl der Stärkung
Rav Dov Begon

Die Tagesordnung der öffentlichen Diskussion im Staate Israel wird momentan von folgenden zentralen
Themen beherrscht: Die Sicherheitspolitik und der Zustand der Wirtschaft zum einen, und das jüdische,
spirituelle und kulturelle Erscheinungsbild der israelischen Gesellschaft zum anderen. Diese beiden
Themenkreise gehören zueinander wie Körper und Seele. So wie man nicht zwischen Körper und
Seele trennen darf, sind auch der spirituelle und spezifisch jüdische Zustand der israelischen Gesellschaft
mit der Sicherheit und der Wirtschaftsordnung untrennbar verbunden.

Je mehr wir uns in geistiger Hinsicht, im Hinblick auf unsere jüdische Identität stärken, je mehr wir uns
auf unsere Wurzeln zurückbesinnen, desto besser können wir die uns bevorstehenden sicherheitspolitischen
und gesellschaftlichen Probleme bewältigen. Wir gleichen darin einem Baum. Je tiefer die Wurzeln des
Baumes reichen, desto besser hält er selbst den stärksten Stürmen stand, ohne zu zerbrechen.

Nach dem Stand der Dinge sind wir dazu aufgerufen, dem Staat Israel eine neue politische Führung zu
wählen. Wir müssen uns über die kleinlichen Überlegungen und Privatinteressen erheben, den Blick
in die Zukunft richten und diejenige Führung wählen, die den Geist der Nation erhebt, die das
jüdische Antlitz des Staates Israel stärkt und die Rückkehr zu den Wurzeln ermöglicht und vertieft.
Dann können wir gemeinsam den schwierigen Weg meistern, einen Weg voller Hindernisse,
aber ein sicherer Weg, dem göttlichen Versprechen an unseren Vorvater Awraham entgegen,
"und ich werde dich zu einem großen Volke machen, ..es werden durch dich alle Geschlechter
des Erdbodens gesegnet" (Gen. 12,2-3).

In Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
 
Frage und
Antwort
Tora und Geheimwissenschaft
Rav Schlomo Aviner

Frage: Wenn man vor einer schicksalhaften Entscheidung steht, sollte man eher einen Toragelehrten
konsultieren, oder lieber jemanden, der für seine ungewöhnlichen spirituellen Kräfte bekannt ist?

Antwort: Rabbiner Awraham Jizchak Kuk sel. (der erste Oberrabbiner Israels) schrieb dazu:
"..Unterstellungen in seelischen Angelegenheiten, die außerhalb der praktischen und moralischen
Lebensabläufe stehen, auch wenn wir sie nicht abstreiten können, sollten wir dennoch auf jeden
Fall unser nach unserer heiligen Tora ausgerichtetes Leben nicht in jene anderen Bahnen lenken,
wo sie uns vor dem Untertauchen in unklare Phantasien bewahren will und uns alle möglichen
Arten von Zauberei und Totenbeschwörung und den Priestern (Kohanim) zusätzlich die
Verunreinigung durch Tote verbat und alle Gebote mit dem Leben verknüpfte" ("Igrot", 1.Band, Nr.81).

Es gibt alle mögliche außergewöhnliche und wundersame spirituelle Erscheinungen, Parapsychologie,
Telepathie, Spiritismus und Seelenwanderung. Wir wollen gar nicht behaupten, daß da nichts dran wäre,
doch werden wir sie nicht benutzen, um danach gute Ratschläge zu erteilen oder unseren Lebensweg
auszurichten, und wir werden weder den Einzelnen noch die Allgemeinheit entsprechend anweisen.
"Vollkommen sollst du dem Ewigen deinem G~tte angehören" (Dt. 18,13).

Manche versuchen, auf dem Wege der Séance Verbindung mit den Toten aufzunehmen, doch die
Weisen "sagten im dritten Kapitel des Traktates Brachot im Talmud Jeruschalmi [über den Vers Dt. 16,3]
'alle Tage deines Lebens' - die Tage, an denen du mit dem Leben beschäftigt bist," und nicht die Tage,
an denen du mit den Toten beschäftigt bist" (Igrot, ebda.). Aus welchem Grund? "Die oberhalb des
praktischen Lebens befindliche abstrakte Sphäre sollte schon reicher und erhabener sein als das
beschränkte Leben, doch wenn wir daherkämen, daraus Verhaltensweisen, Moralbegriffe und die
Allgemeinheit betreffende Ideen abzuleiten, so werden sie ganz sicher die Idee verfälschen" (ebda.).
Diese verborgenen Welten befinden sich zwar in wesentlich höheren Sphären als unsere beschränkte Welt,
doch hat der Herr der Welt Grenzen gezogen, die es nicht zu verwischen gilt. Jeder Bereich hat seine
spezifischen Regeln, die bewahrt werden müssen. Ja, es gibt wohl die Welt der Seelen, es gibt
erzählende und rastlose Seelen - doch der Herr der Welt verband uns mit dem Leben, mit den
rationalen Dingen, mit der Weisheit und dem Ratschluß der Tora, mit den im täglichen Leben
einzuhaltenden Geboten, mit der Ethik und der kontinuierlichen Verbesserung der Charaktereigenschaften.

Übersinnliche Erscheinungen sind wahrhaftig, daneben gibt es auch Betrüger und Hochstapler.
Doch trotz des Körnchens Wahrheit lernen wir nicht davon, wie wir unsere Welt gestalten.
Der Herr aller Welten und aller Seelen hat diese Welt nicht geschaffen, um uns die
"Gebrauchsanweisung" aus einer anderen Welt beziehen zu lassen. Die andere Welt gibt es wirklich,
doch unsere Welt werden wir nicht nach ihren Regeln leiten, genau so wie wir die andere Welt nicht
nach unseren hiesigen Regeln leiten. Jede Welt hat ihre eigene, spezifische Quelle der Weisheit.
Unsere Welt verfügt zu ihrem Aufbau und ordnungsgemäßen Erhalt über die höchstmögliche,
gottgewollte Wahrheit, nämlich die Tora.

Die Tora, die uns zur richtigen Lebensführung gegeben wurde, geht viel tiefer als jeder
Hokuspokus und jedes Horoskopus. Alle Wahrsager und Geheimwissenschaftler zusammen
reichen nicht über Kleinheit und Verschwommenheit, Begriffsverwirrung und Durcheinanderbringen
der himmlischen Ordnungen hinaus. Dem steht die wahre und göttliche Anleitung durch die Tora gegenüber.

Die Tora ist nicht nur über alle Zeichendeuter und Zauberer, Mystiker und Wahrsager erhaben,
sondern sogar über alle mit göttlicher Inspiration Begabten und über die Propheten, denn in ihr
offenbart sich die Prophetie unseres Lehrers Moscheh, der über den sogenannten "klaren
Durchblick" verfügte. Die Tora stammt aus der verborgensten aller verborgenen Quellen und
leitet jede Sphäre im Einklang mit ihrer jeweiligen Eigenschaft, ihren Bedürfnissen und ihrer
Verbindung mit dem Willen G~ttes.

Es gibt viele wahrhaftige verborgene Dinge, doch wenn wir danach leben würden, gingen wir verloren.
Darum hält uns die Tora von ihnen fern. Unsere Lebensanleitung ist so hochwertig, tiefschürfend
und allumfassend, und offenbart sich uns gerade durch den gesunden Menschenverstand,
durch das Lernen und das Nachforschen.

Wäre es denn so übel, wenn wir von Propheten, Menschen mit heiliger Inspiration und Kennern
verborgenen, erhabenen und wunderbaren Wissens durchs Leben geleitet würden, anstelle der
Weisen der mündlichen Tora, des Talmuds, die sich nur ihres Verstandes bedienten?

Rabbiner Kuk antwortete darauf, daß genau dies im Sinne G~ttes sei, daß nämlich die Welt auf
dem Wege der Tora auf offene Weise geführt werde. Das Verborgene ist wohl wahr, doch sein
Zweck liegt nicht in praktischer Anleitung - dafür haben wir den "Schulchan Aruch". Das Verborgene
ist für diejenigen wenigen, besonders Begabten bestimmt, die sich mit den innersten, weltbewegenden
Glaubensthemen auseinandersetzen können.

Die heutigen Toragelehrten, die Vorsteher von Rabbinatsgerichten und die Oberrabbiner können
nicht die Zukunft vorhersagen. Daneben kann plötzlich ein einfacher Mensch mit der ungewöhnlichen
Fähigkeit zu echter Kommunikation mit höheren Welten begabt sein, wodurch er Verborgenes und
Zukünftiges sieht. Auf keinen Fall werden wir darauf eine Weltanschauung bauen oder unser
Verhalten danach ausrichten! All diese "werden... ganz sicher die Idee" - und das Leben -
"verfälschen"! Das Leben des Menschen funktioniert nicht nach Regeln, die außerhalb des Lebens
liegen. Das verstößt gegen jedes Prinzip der Tora.

Sogar die Prophetie hat ihren begrenzten Einflußbereich, der von den Weisen des jüdischen
Religionsgesetzes festgelegt wird. Wer bestimmt, ob es sich bei einer Person um einen wahren
oder um einen Lügenpropheten handelt? Das Bet Din, das jüdische Rabbinergericht! Die Toragelehrten
sind es, die ihn am Leben lassen oder ihn zum Tode verurteilen! Ebenso entscheiden die Toragelehrten
darüber, was wir vom Propheten übernehmen und was nicht.

Die Tora leitet uns auf allen unseren Wegen, und sie leitet uns sicher alle Stufen der Heiligkeit
hinauf zur Vervollkommnung der Welt und der endgültigen Herrschaft G~ttes.
 
 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen können Sie jede
Woche auf hebräisch im Internet-Radio hören; eine Programmvorschau
(auch für englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel) erhalten Sie unter:
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